FAZ plus ArtikelBerufsvertretung in der Pflege

Einmal Pflegekammer und zurück

Von Britta Beeger
12.07.2021
, 11:38
Fachkraft mit einer Bewohnerin im Altenheim „Mein Zuhause Nienburg“
Eine starke Stimme für die Pflege und endlich mehr Anerkennung: Das war das Ziel der Pflegekammern. Nun werden die ersten wieder aufgelöst. Ist das Modell gescheitert?

Es gibt wohl keine Berufsgruppe, die so sehr im Fokus der Öffentlichkeit steht wie die Pflege. Nicht erst seit der Corona-Pandemie wird über die Arbeitsbedingungen in Altenheimen und Krankenhäusern diskutiert, über die Personalnot, die aus Sicht der Pflegekräfte zu niedrigen Löhne, den psychisch und körperlich anstrengenden Arbeitsalltag. Doch obwohl die rund 1,8 Millionen sozialversicherungspflichtig beschäftigten Pflegekräfte in Deutschland die größte Gruppe im Gesundheitswesen stellen, wird viel über die Pflege gesprochen, aber wenig mit ihr. Ein wesentlicher Grund ist, dass Pflegekräfte kaum organisiert sind – nur ein kleiner Teil ist Mitglied in einer Gewerkschaft.

Um der Pflege mehr Gehör zu verschaffen, wurde nach jahrelangen, hitzigen Debatten und viel Widerstand von Arbeitgebern ebenso wie von der Gewerkschaft Verdi 2016 in Rheinland-Pfalz die erste Pflegekammer gegründet, es folgten Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Die Idee: Wie die Berufsvertretungen für Ärzte und Apotheker, aber auch weitere freie Berufe wie Architekten, Rechtsanwälte und Steuerberater sollen Pflegekammern die berufsständischen Interessen der Pflege vertreten und selbständig regeln – nur eben in diesem Fall für eine Berufsgruppe, die zum größten Teil abhängig beschäftigt ist. Konkret sollen sie auf Augenhöhe mit Ärzten und anderen Gruppen des Gesundheitswesens ihre Stimme in politische Entscheidungen und Gesetzesvorhaben einbringen, staatliche Aufgaben wie das Erlassen von Berufs- und Weiterbildungsordnungen übernehmen und als Aufsicht auch die Qualität der pflegerischen Versorgung kontrollieren. Eine große Hoffnung war, dass die Pflege durch eine starke Vertretung öffentlich an Ansehen und Wertschätzung gewinnen würde.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Beeger, Britta
Britta Beeger
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