Private-Equity

Kunst-Geld von Carlyle

EIN KOMMENTAR Von Klaus Max Smolka
09.10.2015
, 13:06
In der Private-Equity-Welt herrscht Notstand: Längst sind nicht mehr genügend Unternehmen auf dem Markt, in denen sich all das Kapital unterbringen lässt. Das führt zu bemerkenswerten Vorstößen.

Wer viel Geld hat und einen Teil davon in teure Gemälde anlegt, kann sich jetzt an Private Equity wenden: Die Beteiligungsgesellschaft Carlyle reicht künftig - über ein Gemeinschaftsunternehmen mit Pictet - Kredite für den Kunstkauf aus. Als Pfand dient dabei das Bild selbst.

Die Idee ist zweifach ein Symptom der globalen Geldschwemme, erzeugt durch die extrem niedrigen Zinsen der großen Notenbanken. Zum einen demonstriert der Vorstoß, wie sehr Sachwerte wegen Minirenditen auf Anleihen und andere Anlageformen in den Vordergrund rücken, einschließlich Kunst. Zum anderen zeigt er den Notstand in der Private-Equity-Welt: Das viele Geld bewegt Finanzinvestoren dazu, neue Anlageklassen zu erschließen, zusätzlich zum eigentlichen Kerngeschäft Unternehmensbeteiligungen.

Denn es sind längst nicht mehr genügend Unternehmen auf dem Markt, um all das Kapital unterzubringen. Kredite gegen die erworbenen Kunstwerke als Pfand auszureichen - dieses Geschäftsmodell verfolgen bisher einige Banken und das Auktionshaus Sotheby’s. Sie wetteifern dabei nun mit Carlyle. Umgekehrt bekommt Private Equity in letzter Zeit spürbar Konkurrenz im Kerngeschäft der Unternehmensdeals. Dort mischen zunehmend Investmentfonds und Familiengesellschaften mit. Die Welt der Anlagegesellschaften wird unübersichtlich.

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© Reuters, reuters
Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Smolka, Klaus Max
Klaus Max Smolka
Redakteur in der Wirtschaft.
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