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Reallohnanstieg um 1,2 Prozent

Die Deutschen kriegen mehr Lohn

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Eine Lehrerin im Matheunterricht in Niedersachsen

Arbeitnehmer in Deutschland hatten im ersten Quartal 2019 unter dem Strich mehr Geld in der Tasche als ein Jahr zuvor. Die um die allgemeine Preissteigerung bereinigten Löhne, die sogenannten Reallöhne, waren in dem Drei-Monats-Zeitraum um 1,2 Prozent höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das hat das Statistische Bundesamt errechnet.

Nach Angaben der Wiesbadener Statistiker vom Montag wurden die nominalen Lohnsteigerungen von gut 2,5 Prozent zu einem Großteil von der Inflation aufgefressen: Die Teuerungsrate betrug knapp 1,4 Prozent. Dass die Beschäftigten dennoch mehr Geld zur Verfügung haben, stärkt ihre Kaufkraft und kann den Konsum als wichtige Stütze der heimischen Konjunktur ankurbeln.

Überdurchschnittlich stark stiegen demnach die Nominallöhne in den Bereichen Grundstücks- und Wohnungswesen sowie Information und Kommunikation – jeweils um fünf Prozent. Auch in den Bereichen Kunst, Unterhaltung und Erholung sowie sonstiger wirtschaftlicher Dienstleistungen fiel das Plus deutlich aus, wie die Statistiker mitteilten. Unterdurchschnittlich legten die nominalen Verdienste im Bereich Erziehung und Unterricht zu, hier waren es nur 1,3 Prozent mehr.

Die Nominallöhne – die Bruttomonatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen – sind laut Statistik in den vergangenen zehn Jahren insgesamt um fast 26 Prozent gestiegen, in den neuen Ländern wegen des Nachholbedarfs um 31 Prozent. Die Verdienste von Frauen kletterten dabei um rund 28 Prozent, die der Männer um knapp 25 Prozent.

Jeder Fünfte ist atypisch beschäftigt

Allerdings arbeiten trotz der steigenden Löhne immer noch viele Menschen in Deutschland in Teilzeit, in einem Minijob oder sind befristet angestellt. Das gilt für ein Fünftel aller Kernbeschäftigten, teilte das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung am Montag mit. Im Gesundheits- und Sozialwesen ist sie am höchsten, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen. Als Kernbeschäftigte gelten Arbeitnehmer im Alter zwischen 15 und 64 Jahren.

Grundlage für die WSI-Datenauswertung sind die aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 2017. Atypisch beschäftigt ist, wer in Teilzeit arbeitet, einen Minijob hat oder befristet beziehungsweise als Leiharbeiter angestellt ist. Ausgenommen sind Menschen die eine Ausbildung machen, in einem Ferienjob arbeiten oder etwa einen Dienst wie den Wehrdienst leisten.

Laut WSI gibt es unterschiedliche Faktoren, die mit atypischer Beschäftigung zusammenhängen – zum Beispiel das Geschlecht: Fast jede dritte Frau arbeitet in einem atypischen Beschäftigungsverhältnis. Bei den Männern trifft dies hingegen nur auf knapp jeden Zehnten zu.

Atypische Beschäftigung ist laut dem Sozialverband VdK ein Risiko mit Blick auf die Rente. Viele Frauen verzichten zum Beispiel für die Kindererziehung auf Vollzeitstellen und arbeiten stattdessen in Mini- oder Teilzeitjobs. So erhielten sie später nur eine kleine Rente und seien besonders häufig von Altersarmut betroffen, erklärt VdK-Sprecherin Cornelia Jurrmann.

Flexible Beschäftigungsformen wie Minijobs sind aus Sicht der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) aber auch unverzichtbar für die Arbeitsmarktdynamik: „Sie erleichtern den Einstieg in Arbeit und bieten neue Beschäftigungsperspektiven für gering Qualifizierte und Langzeitarbeitslose.“

Auffällige Unterschiede zwischen Ost und West

In den Augen der Gewerkschaften ist das jedoch „Rosinenpickerei“. „Der Arbeitgeber holt sich den Arbeitnehmer ran, wenn er ihn braucht und wenn er ihn nicht mehr braucht, wird er wieder entlassen“, kritisiert der Arbeitsmarktexperte des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Johannes Jakob. Minijobs führten zu einer Entwertung der eigenen Qualifikation. „Die meisten sind nicht qualifikationsgerecht beschäftigt, der Fachkräftemangel wird verschärft.“ Dasselbe gilt demnach für Leiharbeiter. Diese seien trotz abgeschlossener Berufsausbildung häufig als Helfer beschäftigt und verdienten deshalb weniger.

Auffällig sind Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland. In Brandenburg ist der Anteil an atypisch Beschäftigten mit 14 Prozent am niedrigsten, in Bremen mit 26,2 Prozent dagegen am höchsten. In den Ost-Bundesländern ist die Quote nicht höher als 17,5 Prozent. Der Westen weist dagegen höhere Anteile auf: Hamburg hat mit 17,9 Prozent noch den niedrigsten unter den West-Bundesländern. Grund ist nach Auffassung des WSI die besser ausgebaute Kinderbetreuung im Osten. Das ermögliche vor allem Frauen, Vollzeit zu arbeiten.

Entscheidend ist auch das Alter: Berufsanfänger erhalten oft nur einen befristeten Vertrag und sind damit atypisch beschäftigt, wie das WSI schreibt. Unter den 15- bis 24-Jährigen betrifft das fast ein Drittel.

Außerdem ist entscheidend, ob man Deutscher ist oder nicht und wie hoch der Bildungs- oder Berufsabschluss der Arbeitnehmer ist. Besonders die Zahl der atypisch-beschäftigten Ausländer nahm über die Jahre zu. Durch die gute Konjunktur seit 2011 sank dagegen die Zahl der deutschen Frauen in atypischer Beschäftigung um knapp 450.000 und die der Männer um 183.000.

Quelle: guth./AFP/dpa
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