Billiganbieter

McSchwierig

Von Corinna Budras
15.08.2007
, 15:17
McZahn kommt mit der Expansion nur langsam voran
Billiganbieter wie McPflege, McZahn und Juraxx versuchen, Dienstleistungen zu bezahlbaren Preisen anzubieten. Doch sie stoßen immer wieder auf ungeahnte Hürden. McPflege und Juraxx haben das Handtuch schon geworfen. McZahn hält an seinen ehrgeizigen Plänen fest.
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Die Idee war ebenso innovativ wie kurzlebig: Der Bremer Billiganbieter McPflege wollte mit osteuropäischem Pflegepersonal Altenbetreuung zu bezahlbaren Preisen anbieten. Für 1500 Euro im Monat sollten Haushaltshilfen und Pflegerinnen an deutsche Familien vermittelt werden. Doch nach zehn Tagen war dieser Traum in der vergangenen Woche auch schon wieder ausgeträumt. „Wir sind nicht länger bereit, im Brennpunkt der Diskussion zu stehen“, erklärte das Unternehmen entnervt angesichts der lautstarken Kritik, die in den vergangenen Wochen auf die Initiatoren hereinprasselte. „Vielleicht ist die Zeit noch nicht reif, mit einem solchen Konzept in die Umsetzung zu gehen“, heißt es in einer kurzen Mitteilung auf der Internetseite.

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Kein PR-Gag, sondern ein ernstgemeintes Anliegen sei der Beweggrund hinter der Idee, beteuerte der Anbieter: „Die Pflegesituation in Deutschland ist ein gesellschaftliches Problem, dessen wir uns mit McPflege ernsthaft angenommen hatten.“ Die Intention sei gewesen, „qualifiziertes und sozial versichertes osteuropäisches Betreuungspersonal“ zu erschwinglichen Preisen in ganz Deutschland anzubieten. Doch die vielen negativen Reaktionen insbesondere von Verbänden scheint zu viel gewesen zu sein für die McPflege-Gründer Norbert Meiners, ein Vechtaer Professor für Betriebswirtschaft mit Spezialgebiet Marketing, und Diplomkaufmann Alwin Teiken. „Aufgrund der vielen negativen Reaktionen und der massiven persönlichen Anfeindungen auf unseren hilfeorientierten Ansatz ziehen wir nun jedoch die Konsequenz und ziehen uns aus dem Markt zurück.“

Unerwartete Anfangsschwierigkeiten bei McPflege

Der materielle Schaden des kurzfristigen Rückzugs hält sich in Grenzen: Verträge mit Kunden seien noch nicht abgeschlossen worden, betont McPflege. Ein Urteil darüber, wie vielversprechend die Idee des Billiganbieters in der Praxis sein kann, ist damit allerdings noch nicht gefallen. Allenfalls Hinweise gibt es bisher. So verweist McPflege darauf, dass es sehr viele positive Reaktionen von Betroffenen gegeben habe. Für die Geschäftsaufgabe gebe es jedenfalls keine rechtlichen Gründe: „Es handelt sich nach EU-Recht um einen völlig legalen Service.“

Der Rückzug mag seine tieferen Gründe in den Besonderheiten des deutschen Pflegesystems haben, das eine ambulante Altenbetreuung rund um die Uhr zu bezahlbaren Preisen unmöglich zu machen scheint. Doch der jähe Absturz weckt Erinnerungen an das Schicksal anderer Billiganbieter, die mit einer innovativen Idee einen Markt aufmischen wollten und zumindest mit unerwarteten Anfangsschwierigkeiten zu kämpfen hatten.

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Expansion brach Juraxx das Genick

Gänzlich die Segel streichen musste jüngst etwa der Anwaltsdiscounter Juraxx, der nach knapp vier Jahren Insolvenz anmeldete. 34 Niederlassungen in ganz Deutschland hatte der Kanzleigründer Eugen Boss ins Leben gerufen, bevor er sein Konzept eines „Quasi-Franchisesystems“ begraben musste. Dabei klingt die Idee frei nach dem Motto „Anwalt geht auch anders“ eigentlich ganz einleuchtend: Mit kostengünstigen Lockangeboten für das Erstgespräch sollten auch Kunden gewonnen werden, die sonst eher den Gang zum Rechtsanwalt scheuen. Mit schrillen Logos an großzügigen Läden in zumeist guter Innenstadtlage sollten die Rechtsuchenden geradewegs vom Einkaufen in die Rechtsberatung gezogen werden.

Mit einem ungebremsten Expansionsdrang wurden immer mehr Advokaten angeworben, die alle Juraxx-Gesellschafter wurden und eine Einlage von 50.000 Euro leisteten. Schnell kam es zu Verwerfungen zwischen profitabel und unprofitabel arbeitenden Advokaten, die in den vergangenen Monaten derart eskalierten, dass der Kanzleigründer Boss im Juni selbst einen Insolvenzantrag stellte. Im Fall Juraxx lagen die Probleme in der ungezügelten Expansion und waren deshalb wohl unstreitig hausgemacht: In den letzten Jahren habe Juraxx zwar stets eine umfassende Standortanalyse durchgeführt, aber die Qualifikation ihrer Bewerber nicht mehr ordentlich unter die Lupe genommen, analysierte der Rechtsanwalt Thorsten Prigge von der Kanzlei Aderhold v. Dalwigk Knüppel, der für Boss den Sanierungsplan erstellt hat.

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McZahn-Ärzte erhielten keine Zulassung

Auch der Billiganbieter McZahn muss sich bei seinem Franchisesystem ganz auf die Qualität seiner Zahnärzte verlassen können. Angesichts der ehrgeizigen Expansionspläne könnte die Lage auch hier schnell unübersichtlich werden: Rund 400 Niederlassungen möchte McZahn bis Ende 2009 gründen - und ist von diesem Ziel noch 394 Praxen entfernt. Denn der Start des Billiganbieters, der „Zahnersatz zum Nulltarif“ aus China anbietet, verlief alles andere als rund.

Bisher ist McZahn noch kaum über die Grenzen Nordrhein-Westfalens hinausgekommen, denn in den ersten Monaten lieferte sich das Unternehmen zahlreiche juristische Auseinandersetzungen mit dem Zulassungsausschuss Zahnärzte für den Bezirk Nordrhein, der den McZahn-Ärzten die Zulassung verweigerte. Das Argument: Der Franchisevertrag zwischen McZahn und seinen Partnerärzten greife in die „ärztliche Selbstbestimmung und Entscheidungsfreiheit“ ein. Der Billiganbieter habe daraufhin einige beanstandete Formulierungen in den Franchiseverträgen so verändert, dass sie nun keine Angriffsfläche mehr böten und die Expansion nun weiter vorangetrieben werden könne, sagt McZahn-Pressesprecher Egon Peifer. Bremen, Hamburg und Berlin stünden ganz oben auf der Wunschliste.

Partnersystem könnte Ausweg sein

Durch die anhaltenden Streitigkeiten hat sich McZahn-Vorstandssprecher Werner Brandenbusch jedoch auch anderweitig umgeschaut, um das Konzept flexibler zu gestalten. Das Unternehmen zielt jetzt nicht nur auf Franchisenehmer, die eine einmalige Gebühr von 35.000 Euro zahlen und zwischen 20 und 45 Prozent der Honorarumsätze an den Discounter abführen, damit McZahn im Gegenzug die Praxis aufbaut und Mietnachlässe und Rabatte beim Material aushandelt. Inzwischen schließt der Anbieter auch Partnerverträge mit bereits niedergelassenen Zahnärzten ab. Vorbild dieses Geschäftsmodells sei der Apothekendiscounter DocMorris, der nach erheblicher juristischer Gegenwehr schließlich ebenfalls auf ein Partnersystem umschwenkte, sagt Peifer.

Die Idee, Zahnersatz mit Hilfe billiger Importe zu den festen Preisen der Krankenkassen und deshalb ohne Zuzahlungen der Patienten anzubieten, habe sich jedenfalls bewährt, betont Peifer. Die Praxen in Krefeld und Stuttgart hätten Wartezeiten bis August 2008, bereits Wochen vor Eröffnung der Niederlassungen habe es Hunderte von Anfragen geben. Deshalb halte McZahn auch trotz des missglückten Starts noch immer an der ehrgeizigen Zielmarke von 400 Praxen fest, beteuert Peifer. „Das Geschäft läuft bombig.“

Quelle: F.A.Z., 15.08.2007, Nr. 188 / Seite 18
Autorenportät / Budras, Corinna
Corinna Budras
Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.
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