Umfrage unter Kanzleien

Die Steuerberater plagen Nachwuchssorgen

Von Hendrik Wieduwilt, Essen
13.09.2016
, 15:55
Den Steuerberatern gehen die Auszubildenden aus. Viele Kanzleien haben Probleme, offene Stellen zu besetzen. An der Zahl der Bewerber liegt das allerdings nicht.

Die Steuerberater haben auf mehreren Gebieten Aufholbedarf, das zeigt eine aktuelle Mitgliederbefragung der Bundessteuerberaterkammer, die der F.A.Z. vorliegt. Es fehlt demnach qualifizierter Nachwuchs und es gibt ein deutliches Ost-West-Gefälle.

Manch eine Steuerkanzlei tut sich zudem mit der Digitalisierung schwer. Das gilt besonders für jene Berater, die in einer Einzelkanzlei arbeiten. Nur etwa die Hälfte der Berater nutzt der „Stax“ genannten Untersuchung zu Folge die vielfältigen digitalen Möglichkeiten, etwa die Schnittstelle zu Mandanten oder digitale Dokumentverwaltung.

„Trotz des hektischen Kanzleialltags sollten sich die Kanzleien unbedingt die Zeit für die digitale Umstellung von Kanzleiabläufen nehmen“, mahnt der Präsident der Bundessteuerberaterkammer Raoul Riedlinger. Der Aufwand rentiere sich „schnell durch Zeitersparnis und optimierte Abläufe“.

Tätigkeit wird abwechslungsreicher

Auch an Websites besteht der Studie zufolge nur geringes Interesse: Nur die Hälfte der Einzelkanzleien verfüge über eine Internetpräsenz. Nahezu unerheblich finden die Steuerberater offenbar Facebook: 83 Prozent haben dort kein eigenes Profil.

Riedlinger wirbt für seinen Beruf: Die Umsätze seien „moderat“ gestiegen und die Arbeit aufgrund der vielschichtigen Mandantschaft „anspruchsvoll“ , „vielseitig“ und biete „erstklassige Karrierechancen“. Die Tätigkeit der Steuerberater wird offenbar abwechslungsreicher.

So erwirtschaften die Berater inzwischen 6 Prozent ihres Umsatzes mit anderen Tätigkeiten als klassischer Steuerexpertise, also vor allem (zu 70 Prozent) mit betriebswirtschaftlicher Beratung. Bei der letzten Stax-Untersuchung im Jahr 2012 betrug dieser Anteil nur 3 Prozent.

Kandidaten nicht ausreichend qualifiziert

„Ein Zeichen dafür, dass sich der Berufsstand aufmacht in Richtung Zukunft“, meint Riedlinger. Den Großteil des klassischen Geschäfts machten demnach Jahresabschlüsse, Rechnungswesen und Einkommensteuererklärungen aus. Meistens rechnen die Berater nicht nach Vereinbarung ab, sondern nach der zwischenzeitlich überarbeiteten Gebührenordnung – wobei der Anteil um fünf Prozentpunkte gefallen ist auf jetzt 73 Prozent.

Doch die Steuerberater finden zu wenig Nachwuchs: Für das vergangene Ausbildungsjahr haben 21 Prozent der Befragtem angegeben, dass sie mit der Besetzung vakanter Stellen Probleme hätten.

Das Problem liegt aber offenbar – wie auch in anderen Branchen – nicht an der Bewerberzahl, sondern deren Qualität: Für knapp 93 Prozent der Befragten sind die Kandidaten nicht ausreichend qualifiziert.

Substantielle Unterschiede zwischen Ost und West

Andere Gründe sind die Konkurrenz durch andere Berufe, mangelnde Ausbildungsreife und das Image des Berufs. Viele Kennzahlen der Studie belegen substantielle Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern.

Zwar haben 15 Prozent mehr Sozietäten Standorte sowohl im Westen als auch im Osten eröffnet. Dennoch erwirtschaften die Steuerberater im Osten weniger, im Falle von Sozietäten und Steuerberatungsgesellschaften liegt der Unterschied sogar bei 50 Prozent.

Erheblich sind auch die Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Im Mittel liegt der persönliche Honorarumsatz einer Steuerberaterin bei 178.000 Euro, der eines männlichen Steuerberaters bei 256.000 Euro.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot