Neue Steuer

Wer dieses Land verlässt, muss zahlen – auch Einheimische

Von Patrick Welter, Tokio
12.04.2018
, 16:11
Die Regierung in Tokio hat eine neue Steuer beschlossen, zum ersten Mal seit 1992. Sie weiß auch schon, was mit dem Geld geschehen soll.

Das Reisen nach Japan wird teurer. Von Januar an wird jeder Reisende, der das Land per Flugzeug oder Schiff verlässt, eine Ausreisesteuer von 1000 Yen (7,60 Euro) je Kopf zahlen. Ausgenommen sind Kinder bis zwei Jahre und Transitreisende. Das hat das Parlament beschlossen. Es ist die erste neue Steuer, die Japan seit dem Jahr 1992 einführt. Erwartet werden vorerst Einnahmen von 43 Milliarden Yen (326 Millionen Euro) im Jahr.

Das Geld muss nach dem Willen des Parlaments für die Förderung des Tourismus ausgegeben werden, um eine „angenehme Reiseatmosphäre“ zu schaffen. Doch hält die Regierung sich noch mit konkreten Plänen zurück.

Bald kommen Spielcasinos

Bis zum Olympiajahr 2020 will sie die Zahl der ausländischen Touristen in Japan von knapp 29 Millionen auf 40 Millionen im Jahr steigern. Wohl deshalb haben Japans Medien die Steuer schon Sayonara-Steuer oder Auf-Wiedersehen-Steuer getauft.

Dabei kommt die Ausreisesteuer rechtzeitig, um die Besucher der Rugby-WM 2019 und der Olympischen Spiele 2020 abzukassieren. Die Ausreisesteuer wird den Gebühren für die Nutzung etwa von Flughäfen und für Sicherheitskontrollen aufgeschlagen. Sie soll von Reiseveranstaltern oder Fluggesellschaften einbehalten werden. Diese Unternehmen dringen darauf, dass das Geld für die erleichterte Abfertigung von Reisenden verwendet wird.

Auf den ersten Blick wirkt die Ausreisesteuer wie eine landesweite Kurtaxe. Doch Japan verlangt die Steuer nicht nur von ausländischen Touristen, sondern auch von seinen Einwohnern. Ins Ausland reisende Japaner sollen so ihren Beitrag leisten, dass Japan für Touristen komfortabler wird.

Die Regierung plant derzeit auch die Zulassung von Spielcasinos, um mehr Touristen nach Japan zu locken. Für ausländische Touristen wird der Besuch der Casinos kostenlos sein. Einwohner Japans aber sollen eine Eintrittsgebühr von 6000 Yen (45 Euro) zahlen, damit sie nicht der Spielsucht verfallen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Welter, Patrick
Patrick Welter
Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.
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