Rekord-Dividende

Rohstoffriese BHP setzt weiter auf China

Von Christoph Hein
16.08.2022
, 15:00
Gewinne am laufenden Band: Förderanlage einer Mine des australischen Bergbauriesen BHP
Der australische Bergbaukonzern profitiert von extremen Rohstoffpreisen. Nun richtet er sich auf Bodenschätze aus, die der Kampf gegen den Klimawandel fordert.
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Der größte Bergbaukonzern der Welt lässt die Muskeln spielen: Dank sehr hoher Preise für große Teile seines Portfolios weist BHP den zweithöchsten Gewinn der Konzerngeschichte aus. Aktionäre werden mit einer Rekordausschüttung bedacht. Der BHP-Vorstandsvorsitzende Mike Henry macht dabei Hoffnung: Eine Öffnung Chinas nach einem Ausklingen der Corona-Pandemie verspräche eine weiterhin hohe Nachfrage. Die Aktie der Australier legte im Handel an der Börse in Sydney zeitweise um 5 Prozent zu.

Der seit gut zwei Jahren amtierende Kanadier hat den Konzern neu aufgestellt. In großer Ruhe konzentrierte er sich auf den Abbau von Schulden, die Steigerung der Produktivität und das Aus­richten des Portfolios. Der Reingewinn ist auf 30,9 Milliarden Dollar gestiegen, 173 Prozent mehr als im vergangenen Geschäftsjahr (30. Juni). Eingerechnet sind allerdings 7,3 Milliarden Dollar, die aus dem Verkauf des Öl- und Gas­geschäftes an die australische Woodside, Perth, auf das BHP-Konto gingen. Um sie und andere Einmalgewinne aus Verkäufen bereinigt, ergibt sich immer noch ein Überschuss von 20,3 Milliarden Dollar. Dies sind 76 Prozent mehr als im vergangenen Geschäftsjahr. Über geringere Ab­nahmemengen hat die Pandemie BHP rund 1,2 Milliarden Dollar gekostet. Die Kosten, die aufgrund von Corona zusätzlich zu decken waren, schätzen die Aus­tralier auf rund 1,5 Milliarden Dollar.

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Aktionäre bekommen so viel wie nie

Das Vertrauen der Eigentümer verdient sich Henry mit einer Rekorddividende von 3,12 Dollar je Aktie. Der Schuldenstand, der im vergangenen Jahr noch 4,1 Milliarden Dollar betrug, ist auf 333 Millionen Dollar abgebaut. Allerdings profitiert Henry auch vom Glück des Tüchtigen: Der Konzern aus Melbourne verbuchte einen Vorsteuergewinn von 9,5 Milliarden Dollar in seinem wieder erwachten Kohlegeschäft – ein Jahr zuvor waren es nur 288 Millionen Dollar gewesen.

„BHP geht strategisch, operativ und fi­nanziell in einer hervorragenden Verfassung in das Geschäftsjahr 2023 und ist gut darauf vorbereitet, ein kurzfristig un­sicher erscheinendes Umfeld zu meistern“, zog Henry als Fazit. Er deutete an: „Wir haben viele Hebel für Wachstum. Übernahmen sind nur einer dieser He­bel.“ Zunächst wollen die Australier aus eigener Kraft wachsen: Die Eisenerzsparte soll von 283 Millionen Tonnen Jahresausstoß auf 330 Millionen Tonnen hochgefahren werden. Die Ausweitung der Förderung von Kupfer und Nickel wird vorangetrieben. Damit schwenkt BHP auf die rasch wachsende Fertigung von Elektroautos ein. Die Australier sitzen auf den größten Kupfervorkommen der Welt, vornehmlich in Chile. Bei Ni­ckel sei BHP die Nummer zwei. Ein neues, auf Jahrzehnte wachstumsstarkes Feld könnte die Inbetriebnahme der Kalimine Jansen in Kanada 2026 für BHP bedeuten. Unter dem Strich plant Henry mit In­vestitionen in der Größenordnung von bis zu 10 Milliarden Dollar für dieses Ge­schäftsjahr. Rund 3 Milliarden Dollar könnte eine neue Kupferschmelze in Aus­tralien beim Vorkommen Olympic Dam kosten, das Doppelte der Ausbau der Kaliförderung.

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China könnte sogar noch wichtiger werden

Anders als die Konkurrenz auch noch in den vergangenen Tagen äußerte sich Henry weiterhin positiv mit Blick auf den riesigen Markt China: Dessen Öffnung nach der Pandemie werde der Weltwirtschaft „Rückenwind“ verleihen, sagte Henry. „Wir glauben, dass China in den nächsten sechs bis zwölf Monaten, wenn überhaupt, für eine gewisse Stabilität des globalen Wachstums sorgen und dazu bei­tragen wird, einen Teil der Verlang­samung auszugleichen, die wir anderswo sehen“, sagte der Konzernchef.

Angesichts seiner Vorhersage bekäme China ein noch größeres Gewicht für die Aus­tralier: Denn für den Rest der Welt fürchtet Henry eine konjunkturelle Verlang­samung aufgrund der Zinswende, der geopolitischen Unsicherheiten durch den russischen Überfall auf die Ukraine und der Teuerung. Insbesondere gäbe die Energiekrise in Europa Anlass zur Sorge – denn von ihr ist die Industrie betroffen, der Abnehmer von BHP. Traditionell er­zielt der Konzern rund 60 Prozent seines Umsatzes in China.

Die Australier profitieren natürlich von Eisenerzpreisen oberhalb der 100-Dollar-Marke. Es ist offen, wie lange sie auf diesem Niveau bleiben, und Henry deutete an, die Preise hätten ihre Spitze wohl erreicht. Das fortwährende Drücken der Förderkosten auf nun knapp 15 Dollar je Tonne vor Fracht und Li­zenzabgaben aber lässt den Australiern enormen Spielraum. Henry erklärte, die Förderkosten würden auf mittlere Sicht auf rund 19 Dollar je Tonne steigen. Hauptabnehmer China be­müht sich zwar um eine eigene Quelle in Simandou in Afrika; dort aber werden die Förderkosten über Jahre weit oberhalb derjenigen von BHP oder seiner Konkurrenten For­tescue und Rio Tinto liegen.

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Aber auch Kohle erweist sich als Gewinnbringer: Seit Januar liegt der Durchschnittspreis bei 439,60 Dollar je Tonne, im Gesamtjahr bei 366,82 Dollar – auch das sind 225 Prozent mehr, als im Durchschnitt des vergangenen Jahres. Die Förderkosten für die Tonne lagen im vergangenen Jahr in Queensland bei rund 85 Dollar je Tonne. Erreichen die traditionellen Ge­winnbringer ihren Höhepunkt, will BHP mit Kupfer, Nickel unter anderem für Elektroautos und Batterien und dem für die Welternährung wichtigen Ka­li punkten.

Quelle: F.A.Z.
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Christoph Hein
Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
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