FAZ plus ArtikelSanktionen gegen Russland?

Die Waffen des Westens

Von Julia Löhr, Hendrik Kafsack und Katharina Wagner
03.09.2020
, 22:31
Russland ist von der EU abhängig. Doch die Wirtschaft stellt sich gegen neue Sanktionen und ein Aus der Gaspipeline Nord Stream 2. Entschieden wird über mögliche Sanktionen in Brüssel – bis es eine einheitliche Linie gibt, könnte es dauern.

Der Giftanschlag auf den russischen Oppositionspolitiker Aleksej Nawalnyj hat eine Debatte darüber entfacht, inwiefern Deutschland und die EU in dem Konflikt mit dem Kreml mit wirtschaftlichen Mitteln zurückschlagen sollen. Sowohl Sanktionen gegen Russland als auch das Aus für die fast fertiggestellte Gaspipeline Nord Stream 2 stehen dabei zur Diskussion. Sicher ist bislang nur eines: Das Potential, der russischen Volkswirtschaft mit Wirtschaftssanktionen zu schaden, ist groß: 42 Prozent der russischen Ausfuhren – allen voran Rohstoffe – gingen 2019 in die 27 EU-Länder. Die Union ist wichtigster Abnehmer Russlands und zugleich mit Abstand größter Investor im Land. Dementsprechend hart könnte ein wirtschaftlicher Schlagabtausch das Land treffen. Russland ist hingegen nur fünftwichtigster Abnehmer europäischer Waren.

Wie also reagieren? In Berlin zeichnete sich einen Tag nach dem ebenso knappen wie scharfen Kommentar der Bundeskanzlerin zum Giftanschlag ab, dass es auf die Frage nach neuen Sanktionen keine einfache Antwort geben wird. Während sich der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen für eine möglichst harte Gangart gegenüber dem russischen Präsidenten aussprach – „die einzige Sprache, die Putin versteht“ –, kamen aus der Wirtschaft mahnende Stimmen. „Die Bundeskanzlerin hat aus guten Gründen eine Vermischung des Falls Nawalnyj mit Sanktionen gegen Nord Stream 2 abgelehnt“, sagte der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft Oliver Hermes mit Blick auf die umstrittene Gaspipeline. „Auf die Vergiftung Nawalnyjs mit weiteren Wirtschaftssanktionen zu reagieren, die dann wieder an der Sache völlig unbeteiligte Unternehmen und die russische Bevölkerung treffen würden, halten wir für falsch.“

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Quelle: F.A.Z.
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