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Schneller Schlau

Sieben Tage unterwegs

Von BASTIAN BENRATH, Grafik: JENS GIESEL · 26.04.2019

13 Millionen Menschen in Deutschland pendeln – und pendeln immer weiter. Das kostet Zeit und Nerven.

Wussten Sie, dass der letzte ICE von Frankfurt nach Köln um 23.10 Uhr fährt? Oder das am Freitagnachmittag auf den Autobahnen 4, 5 und 7 bei Bad Hersfeld immer Stau ist? Solche Dinge lernt man, wenn man einer der fast 13 Millionen Menschen in Deutschland ist, die regelmäßig zur Arbeit pendeln. Das sind 39 Prozent aller Arbeitnehmer – mehr als jeder dritte.

Die Bahn-Schnellfahrstrecke Köln-Frankfurt ist einer der Orte, an dem dieser Wandel der deutschen Arbeitswelt zu sehen ist. Tausende Pendler nutzen die Verbindung jeden Tag. Rund 90 Minuten braucht der ICE für die 180 Kilometer, das kann man am Morgen und nach Feierabend schon machen.

Zwischen Düsseldorf und Frankfurt wuchs der Pendlerstrom in fünf Jahren um 42 Prozent, aus Köln um weitere 26 Prozent. Auch aus München kamen 40 Prozent mehr Menschen nach Frankfurt, aus Stuttgart 36 Prozent. Sogar aus dem weit entfernten Hamburg pendelten 27 Prozent mehr Menschen.

In Berlin leben 5800 Menschen, die ihren Arbeitsplatz in Frankfurt haben. Das sind mehr als zwölf volle ICEs. Aus den beiden Rheinmetropolen Köln und Düsseldorf pendeln mit zusammen 5100 Menschen ähnlich viele. Ob die Arbeitnehmer täglich oder nur zum Wochenende pendeln, geht aus dem Pendleratlas der Bundesagentur für Arbeit, aus dem diese Angaben stammen, nicht hervor.

Frankfurt ist die deutsche Pendler-Hochburg

Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Wohnsitz in einer anderen Gemeinde, Städte mit mehr als 250.000 Beschäftigten

36%

Berlin

Hamburg

22%

25%

Hannover

Düsseldorf

36%

62%

Leipzig

49%

Köln

64%

Frankfurt

60%

Stuttgart

45%

München

Frankfurt ist die deutsche Pendler-Hochburg

Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Wohnsitz in einer anderen Gemeinde,
Städte mit mehr als 250.000 Beschäftigten

36%

Berlin

Hamburg

22%

25%

Hannover

Düsseldorf

36%

62%

Leipzig

49%

Köln

64%

Frankfurt

60%

Stuttgart

45%

München

Das Beispiel Frankfurt ist nicht zufällig gewählt. Die Finanzmetropole am Main ist Deutschlands Pendlerhauptstadt: Fast zwei Drittel (64 Prozent) der Arbeitnehmer der Stadt stammen von außerhalb, das ist so viel wie in keiner anderen deutschen Großstadt. Nur Düsseldorf (62 Prozent) und Stuttgart (60 Prozent) beziehen einen ähnlich großen Anteil ihrer Arbeitskräfte aus anderen Städten oder dem Umland. In allen anderen Großstädten ist der Anteil niedriger.

Die meisten Berufspendler haben lediglich einen Weg von bis zu zehn Kilometern, fahren also etwa nur in die Nachbargemeinde zur Arbeit. Seit Ende der Neunzigerjahre sank die Zahl der Kurzstreckenpendler (bis 25 Kilometer) leicht, dafür wuchs die Gruppe der Mittel- und Langstreckenpendler stark an. Mit der Entfernung stieg auch die Zeit, die man in Bahn oder Auto verbringt. Offenbar erwarten Arbeitgeber von ihren Angestellten, weiter zu fahren, während andererseits diese dazu auch bereit sind – und nicht umziehen, um näher an ihrem Arbeitsplatz zu wohnen.

Der durchschnittliche Arbeitsweg der Pendler in Deutschland dauerte im Jahr 2016 gut 20 Minuten. Das klingt erstmal nicht nach viel. Doch rechnet man es aufs Jahr hoch, saßen die deutschen Pendler 1,6 Millionen Minuten entweder im Auto oder in der Bahn. Dem einzelnen Pendler gingen damit durchschnittlich 7,1 Tage seines Jahres verloren – eine ganze Woche. Noch nicht einmal berücksichtigt sind dabei Wege, die innerhalb einer Stadt wie Berlin oder Hamburg zur Arbeit gefahren werden. Das liegt daran, dass die Statistik Pendler als Menschen definiert, die von einer Stadt oder einem Landkreis in eine oder einen anderen fahren. Würde man diese dazurechnen, würde die Zeit wohl noch deutlich höher liegen. Das schlägt auf die Lebensqualität durch.

Wenn die Menschen weiter fahren müssen, läge es nahe, dass sie statt dem Auto eher den Zug als Fortbewegungsmittel nutzen. Schließlich kann man dort lesen, Musik hören oder schon etwas arbeiten, ohne sich um das Fahren kümmern zu müssen. Dem ist aber nicht so. Im Gegenteil: Immer mehr Menschen nutzen das Auto. In den vergangenen 25 Jahren stieg die Zahl der Autopendler um fast 20 Prozent, während 21 Prozent weniger Menschen zum Pendeln öffentliche Verkehrsmitteln nutzten.Während in den vergangenen 25 Jahren das Auto als Fortbewegungsmittel um fast 20 Prozent zulegte, ging die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln fast analog um gut 20 Prozent zurück.

Dass mehr Pendler das Auto nutzen, lässt sich auf den deutschen Autobahnen ablesen. Der ADAC ermittelte im vergangenen Jahr einen neuen Staurekord auf den Fernstraßen. Im Durchschnitt bilden sich jeden Tag 2000 Staus. Vor allem an einigen, neuralgischen Stellen.

Deutschlands unbeliebteste Parkplätze

Autobahnabschnitte, die am häufigsten von

Stau betroffen sind

A7

Hamburg · Hannover

A1

Bremen ·

Osnabrück

A2

Hannover · Braunschweig

A1

Münster · Dortmund · Köln · Euskirchen

A3

Oberhausen · Köln

A5

Kassel · Frankfurt

A4

Köln · Aachen

A3

Frankfurt · Würzburg

A6

Mannheim · Heilbronn ·

Nürnberg

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Heidelberg ·

Karlsruhe

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Karlsruhe ·

Stuttgart

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Suben ·

Passau

Deutschlands unbeliebteste Parkplätze

Autobahnabschnitte, die am häufigsten von Stau betroffen sind

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Hamburg · Hannover

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Hannover · Braunschweig

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Münster · Dortmund · Köln · Euskirchen

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Oberhausen · Köln

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Kassel · Frankfurt

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Köln · Aachen

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Frankfurt · Würzburg

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Stuttgart

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Passau

Warum die Pendler das Auto dem Zug vorziehen, lässt sich aus den Daten nicht ablesen. Es ist wahrscheinlich, dass auf den langen Pendelstrecken wie Frankfurt-Köln oder Frankfurt-Berlin durchaus der ICE das Verkehrsmittel der Wahl ist – schon allein, weil auf den ausgebauten Schnellfahrstrecken der Zug fast immer schneller ist.

Auf den kürzeren Distanzen, innerhalb des Rhein-Main-Gebiets, vom Berliner Umland in die Stadt oder aus dem Erzgebirge nach Dresden könnte aber das Auto lieber genutzt werden, weil die Nahverkehrsverbindungen über die Stadtgrenzen hinaus nicht ausreichend ausgebaut sind. In diese Kerbe schlägt auch Ralph Spiegler, Vizepräsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes: „Wir müssen mehr in Regionen und weniger in Kirchtürmen denken“, sagte er kürzlich auf einer Veranstaltung der F.A.Z.

Datenrecherche: Matthias Janson (Statista)
Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Statistisches Bundesamt, Glücksatlas der Deutschen Post, ADAC

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Quelle: FAZ.NET