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Schneller schlau

Wo die E-Auto-Wende vorankommt – und wo nicht

Von BASTIAN BENRATH, Grafik: KONSTANTINOS MALESKOS

10.01.2019 · Eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen bis 2020 – dieses Ziel ist längst beerdigt. Doch im europäischen Vergleich steht Deutschland besser da, als man denkt. Zumindest was Ladesäulen anbetrifft.

E Ein Elektroauto stößt nicht nur kein CO2 aus, es bringt auch von Anfang an das maximale Drehmoment auf die Straße. Trotzdem zögern viele Menschen, sich ein E-Auto zuzulegen. Neben den höheren Kosten wird in Deutschland auch häufig die angeblich mangelhafte Ladeinfrastruktur als Gegenargument genannt. Doch wenn man sich die Anzahl der öffentlichen Ladesäulen anschaut, sieht man: So wenige Stromtankstellen gibt es in Deutschland gar nicht.

Dass die beiden Stadtstaaten Berlin und Hamburg im Ranking an der Spitze liegen, zeigt die Herausforderung beim Bau von E-Zapfsäulen: Viele von ihnen stehen in Städten. Das macht Elektromobilität vorrangig zu einem Mittel der Wahl für die Wege, die man in Städten zurücklegen muss. Angesichts der bislang bei den meisten E-Autos noch geringen Reichweiten im Vergleich zu Autos mit Verbrennungsmotor sind auf Fahrten von Stadt zu Stadt Aufladestopps nötig – bei einer deutlich geringeren Dichte von Ladesäulen auf dem Land. Das macht eine recht genaue Vorausplanung nötig. Für städtische Mobilität können die Autofahrer in Hamburg am sorgenfreiesten aufs E-Auto umsteigen: Deutschlands zweitgrößte Stadt hat mehr Ladesäulen als Berlin – obwohl die Hauptstadt mehr als doppelt so groß ist.

Vergleicht man die Ladeinfrastruktur Deutschlands mit der anderer europäischer Länder, zeigt sich, dass Deutschland bei der Wende hin zu E-Autos nicht so schlecht dasteht, wie häufig behauptet wird. Deutschland hat keine Vorreiterrolle in Europa, doch es gibt zahlreiche europäische Länder, die wesentlich weniger Ladesäulen haben. Mit 314 Ladesäulen je eine Million Einwohner kommt Deutschland in Europa auf Platz 10 von 30 Ländern. Spitzenreiter sind die Schweiz (2366 Ladesäulen je eine Million Einwohner) und Norwegen (2152). Am schlechtesten ausgebaut ist die Ladeinfrastruktur in Rumänien (6) und Griechenland (5).

In Deutschland ist zudem der Ausbau von Schnellladesäulen mit mehr als 22 Kilowatt schon vergleichsweise fortgeschritten. Nur in Großbritannien gibt es noch mehr dieser schnellen Stromtankstellen, die insbesondere auf längeren Strecken notwendig sind, um Ladestopps kurz zu halten. Im April vergangenen Jahres ging zudem die erste deutsche Ladestation mit 350 Kilowatt an der Autobahn 61 in Rheinland-Pfalz in Betrieb. Das Gemeinschaftsunternehmen Ionity – ein Zusammenschluss von BMW, Daimler, Volkswagen und Ford – will ein flächendeckendes Netz dieser sehr schnellen Ladestationen in ganz Europa aufbauen. An ihnen sollen E-Autos in 20 Minuten Strom für 400 Kilometer tanken können.

Entscheidend für die Attraktivität von Elektroautos sind aber freilich nicht nur Ladesäulen, sondern insbesondere finanzielle Vorzüge. Gerade die sind es, die Norwegen zu Europas großem Vorreiter der Elektromobilität machen. Der norwegische Staat erlässt E-Auto-Käufern die Mehrwertsteuer und übernimmt Importzölle, zudem können sie sich über eine reduzierte Kraftfahrzeugsteuer freuen. Ebenso dürfen Elektroautos vielerorts kostenlos parken und Busspuren mitbenutzen. Das macht sie in Norwegen – anders als in Deutschland – in der Anschaffung um einige tausend Euro billiger als Benziner, in der Nutzung erst recht. Auf diese Weise hat es Norwegen geschafft, dass zuletzt fast die Hälfte aller Neuzulassungen E-Autos, Plug-In-Hybride oder Brennstoffzellenautos waren. Ab 2025 will Norwegen gar keine neuen Autos mit Verbrennungsmotor mehr zulassen. In Deutschland lag die vergleichbare Quote von Autos mit alternativen Antrieben zuletzt bei 1,85 Prozent der Neuzulassungen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Textes ist uns beim geplanten Datum, ab dem Norwegen keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr zulassen will, leider ein Fehler unterlaufen. Richtig ist, dass dies ab 2025 geplant ist. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Datenrecherche: Matthias Janson (Statista)
Quellen: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V., European Alternative Fuels Observatory, ACEA/Statista-Berechnung

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Quelle: F.A.Z.