Schuldenkrise

EZB plant offenbar Zinsschwelle für Anleihekäufe

19.08.2012
, 08:50
EZB-Präsident Mario Draghi
Die Europäische Zentralbank erwägt laut einem Bericht, für künftige Käufe von Staatsanleihen Zinsschwellen für jedes Land festzulegen. Demnach würde sie Staatspapiere von Krisenländern immer dann kaufen, wenn deren Zinsen einen bestimmten Aufschlag auf die Renditen deutscher Bundesanleihen überschreiten.
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Im Kampf gegen die Schuldenkrise erwägt die EZB einem Magazinbericht zufolge bei künftigen Anleihekäufen die Festlegung von Zinsschwellen für jedes Euro-Land. Demnach würde sie Staatspapiere von Krisenländern ab einem gewissen Risikoaufschlag kaufen, also immer dann, wenn deren Zinsen einen bestimmten Aufschlag auf die Renditen deutscher Bundesanleihen überschreiten, wie „Der Spiegel“ berichtete. Damit solle vermieden werden, dass Spekulanten die Renditen über den angepeilten Satz hinaus treiben. Die Europäische Zentralbank wolle so nicht nur die Finanzierungskosten klammer Länder im Zaum halten, sondern auch verhindern, dass das Zinsniveau in der Euro-Zone allzu sehr auseinanderdrifte. Bei seiner nächsten Sitzung Anfang September wolle der EZB-Rat darüber entscheiden.

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Es stehe allerdings schon jetzt fest, dass die EZB bei Anleihekäufen künftig mehr Transparenz üben wolle, berichtete „Der Spiegel“ weiter. In Zukunft wolle sie für jedes Land bekanntgeben, in welchem Volumen sie dessen Anleihen vom Markt genommen habe. Diese Angaben sollen demnach unmittelbar nach den Ankäufen veröffentlicht werden. Bislang hatte die EZB stets nur Montags bekanntgemacht, wie viel Geld sie für Ankäufe in der Vorwoche insgesamt ausgab.

EZB-Chef Mario Draghi hatte Anfang des Monats neue Käufe von Staatsanleihen zur Stützung angeschlagener Länder in Aussicht gestellt. Voraussetzung sei aber, dass die betreffenden Staaten die Euro-Rettungsfonds um Hilfe bitten und sich den entsprechenden Spar- und Reformauflagen unterwerfen. Die Bundesbank lehnt solche Bondkäufe wegen deren Nähe zur vertraglich verbotenen Staatsfinanzierung ab.

Spanien: EZB soll unbegrenzt Staatsanleihen aufkaufen

Spanien hat derweil dafür plädiert, dass die EZB auf den Kapitalmärkten unbegrenzt spanische Staatsanleihen aufkauft. „Eine solche Intervention der EZB auf den Märkten darf von der Menge her
keine Obergrenze haben und auch zeitlich nicht begrenzt sein“, sagte Wirtschaftsminister Luis de Guindos am Samstag der staatlichen Nachrichtenagentur Efe.

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EZB-Präsident Mario Draghi hatte Ländern wie Spanien oder Italien einen solchen Markteingriff in Aussicht gestellt, diesen aber auch davon abhängig gemacht, dass die betroffenen Staaten Hilfegesuche bei den europäischen Rettungsfonds einreichten.

Quelle: FAZ.NET/Reuters/dpa
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