Schuldenkrise

Spanien greift nach der Bankenhilfe

16.08.2012
, 14:08
Spaniens viertgrößtes Geldinstitut wartet auf Hilfe aus dem Rettungsfonds
Spanien soll für seine maroden Banken eine vorgezogene Zahlung der bereits bewilligten 100 Milliarden Euro aus dem Rettungsfonds erhalten. Möglich wird dies offenbar durch neue Regeln der Europäischen Zentralbank für die Hinterlegung von Sicherheiten.

Das angeschlagene Euroland Spanien soll für seine maroden Banken eine vorgezogene Notfall-Auszahlung aus dem Rettungsfonds erhalten. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag mit Berufung auf informierte Kreisen berichtet, wird ein Teil des vereinbarten Rettungspakets von 100 Milliarden Euro an das spanische Bankensystem nun wesentlich schneller ausgezahlt. Neue Regeln der Europäischen Zentralbank (EZB) für die Hinterlegung von Sicherheiten haben dies nun offenbar beschleunigt.

Eigentlich sollte das kriselnde Kreditinstitut bereits im Juli Geld von der EZB erhalten und im Gegenzug staatlich garantierte Anleihen als Sicherheit hinterlegen. Zu diesem Zweck waren laut der Vereinbarung vom Juli bereits 30 Milliarden Euro als mögliche Schnellauszahlung vorgesehen. Die Notenbank hatte jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Im vergangenen Monat hatte die EZB die Ansprüche an ihre Sicherheiten verschärft, so dass keine weiteren staatlich gedeckten Bankanleihen mehr als Pfand angenommen werden. Damit habe die staatlich kontrollierte Bankia-Gruppe nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg Pläne für einen Kredit der Zentralbank in Frankfurt aufgeben müssen.

Ein Sprecher der EU-Kommission sagte in Brüssel auf Nachfrage, Spanien habe die Erstauszahlung von 30 Milliarden Euro aus dem Paket nicht ausgelöst, wollte sich aber weiter zum Thema nicht äußern. Sprecher der EZB, von Bankia und im spanischen Wirtschaftsministerium lehnten ebenfalls eine Kommentierung ab.

Der Sparkassenkonzern Bankia entstand im Jahre 2010 mit dem Zusammenschluss mehrerer in Not geratener spanischer Sparkassen. Die Bank werde nun unmittelbar Gelder aus dem Rettungspaket erhalten, hieß es aus den Kreisen. Zu diesem Zweck waren laut der Vereinbarung vom Juli bereits 30 Milliarden Euro als mögliche Schnellauszahlung vorgesehen.

Erleichterung an der Börse

Die Bankia-Aktie reagierte am Donnerstag an der Börse in Madrid mit einem Kurssprung von zuletzt 8,4 Prozent auf 1,30 Euro. Damit kommt das Institut auf eine Marktkapitalisierung von 2,62 Milliarden Euro. Anleihen der Bankia SA mit Fälligkeit im Februar 2017 gewannen mit 90 Cent so stark hinzu wie zuletzt vor knapp zwei Wochen.

Spanische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit fielen erstmals seit drei Tagen wieder und die Rendite legte vier Basispunkte zu auf 6,62 Prozent. Am 25. Juli hatte die Rendite der Zehnjährigen mit 7,75 Prozent ihren bislang höchsten Stand markiert.

Quelle: FAZ.NET mit Bloomberg, dpa-AFX
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