Macron legt nach

So bremst Frankreich den Strompreisanstieg

Von Niklas Záboji, Paris
14.01.2022
, 07:01
Das französischen Atomkraftwerk Cattenom nahe der deutschen Grenze
Strom wird immer teurer. Die Regierung von Macron legt deshalb nach – und belässt es nicht bei einer Senkung der Stromsteuer. Auch die neue Maßnahme kostet 8 Milliarden Euro.
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Der Höhenflug der Energiepreise nimmt kein Ende. In Frankreich, wo in knapp drei Monaten gewählt wird, erfüllt das die Regierung von Emmanuel Macron mit großer Sorge. Jüngsten Umfragen zufolge bleibt die Kaufkraft für die Bürger im Land das wichtigste Thema – noch vor der sozialen Sicherung, der inneren Sicherheit und der Einwanderung.

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Damit ihre Stromkosten nicht in die Höhe schnellen, verstärkt die Regierung ihre Bemühungen nun weiter. So soll der staatliche Energiekonzern EDF angewiesen werden, noch größere Mengen an Atomstrom an Wettbewerber zu einem staatlich regulierten Preis zu verkaufen. Im Einvernehmen mit der EU-Kommission sollen es nun 120 statt 100 Terawattstunden in diesem Jahr sein. Mit rund 46 Euro je Megawattstunde liegt der regulierte Preis deutlich unter den im Großhandel mitunter üblich gewordenen 100 Euro und mehr.

Die Maßnahme dürfte rund 8 Milliarden Euro kosten, sagte Finanz- und Wirtschaftsminister Bruno Le Maire in einem Interview mit der Zeitung „Le Parisien“. Also ähnlich viel wie die schon angekündigte Senkung der Stromsteuer zum 1. Februar. Ursprünglich sollte Letzteres allein die Elektrizitätskosten für Verbraucher deckeln. Aber das reicht nun nicht mehr. Ohne beide Maßnahmen hätte das Plus in diesem Jahr statt 4 rund 35 Prozent betragen, rechnet Le Maire vor.

Auch die Gastarife wurden gedeckelt

„Diese ergänzenden und massiven Maßnahmen spiegeln das uneingeschränkte Bemühen der Regierung zugunsten der Kaufkraft der privaten Haushalte und der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen“, zitiert das Finanzministerium seinen Minister. Möglich mache es die Wettbewerbsfähigkeit des französischen Atomkraftwerkparks. Er stelle kostengünstige Energie zur Verfügung und dazu noch komplett CO2-frei.

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Den Anstieg der Gastarife hat die Regierung schon gedeckelt. Zudem wurde im Dezember 5,8 Millionen Haushalten ein „Energiescheck“ in Höhe von 100 Euro überwiesen, außerdem läuft derzeit die Auszahlung des „Inflationsausgleichs“ in Höhe von 100 Euro. Anspruchsberechtigt sind 38 Millionen Franzosen. Das sind all jene, die monatlich weniger als 2000 Euro netto verdienen.

Neben den Preissprüngen auf dem Weltmarkt gilt auch der Stillstand mehrerer französischer Atomreaktoren als preistreibend. Laut Netzbetreiber RTE sind in diesem Januar nur 43 bis 51 Gigawatt der landesweit installierten 61 Gigawatt Kraftwerksleistung abrufbar. Ein Grund sind teils Pandemie-verzögerte Wartungsarbeiten. Hinzu kommen unerwartete technische Probleme in den vier neuesten und leistungsstärksten Reaktoren in Chooz und Civaux. Sie sind derzeit alle abgeschaltet.

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Warnampel auf gelb

Diese Woche gab es wieder schlechte Nachrichten von Kraftwerksbetreiber EDF: Am Mittwoch teilte er mit, dass der Neubau des Reaktors in Flamanville länger dauert und teurer wird. Am Donnerstag gab EDF bekannt, dass auch ein Reaktor im Atomkraftwerk Penly in der Normandie von Korrosion an einem Sicherheitssystem betroffen sei. Im Rahmen einer zehnjährigen Inspektion steht er derzeit still. Zudem senkte der Konzern am Donnerstag seine Produktionsprognose von 330 bis 360 auf 300 bis 330 Terawattstunden in diesem Jahr, also um rund 10 Prozent.

Der Netzbetreiber RTE versichert, dass in Frankreich derzeit keine Gefahr eines Stromausfalls bestehe. Allerdings stellte er seine Warnampel für den Osten des Landes am Donnerstag von grün auf gelb. Verbraucher in diesen Regionen werden gebeten, ihren Stromverbrauch zu reduzieren: In der Region Hauts-de-France beispielsweise zwischen 6 und 18 Uhr, in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur zwischen 18 und 24 Uhr. Die weiteren Stufen auf der Warnampel sind orange und rot.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Zaboji, Niklas
Niklas Záboji
Wirtschaftskorrespondent in Paris
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