FAZ plus ArtikelOst- und Westdeutschland

Es lebe der Unterschied!

03.10.2020
, 19:39
Die unfruchtbare Diskussion über eine Angleichung des Ostens an den Westen muss beendet werden. Notwendig ist die Besinnung auf föderale Prinzipien und mehr Autonomie der Bundesländer. Ein Gastbeitrag.

Vor dreißig Jahren wurde Deutschland wiedervereinigt. Seither diskutiert das Land darüber, wie lange es noch dauern wird, bis sich der Osten dem Westen angeglichen haben wird. Tatsächlich war die Wiedervereinigung von Anfang an nicht allein von Freude über das Ende der deutschen Teilung, den Untergang einer menschenverachtenden Diktatur und die Beseitigung schwer zu überwindender Mauern und Grenzzäune geprägt. Je nach Standpunkt und Erwartung kam zu dieser Freude stets ein sorgen- oder hoffnungsvoller Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung des Ostens im Vergleich zum Westen hinzu. Und so scheinen sich gerade Jubiläumsjahre wie das gegenwärtige dazu zu eignen, die wirtschaftlichen Erfolge und Misserfolge im Osten seit der Wiedervereinigung nicht nur zu bilanzieren, sondern die Entwicklung auch am Westen als vermeintlich selbstverständlichem Maßstab zu messen.

Genauso wie zu den Jubiläen vor zehn und vor zwanzig Jahren gehen die meisten wirtschaftspolitischen Beiträge zur Wiedervereinigung in diesem Jahr explizit oder implizit von der Zielvorstellung aus, der Osten solle so werden wie der Westen. Selbst Beiträge, die eine Angleichung des Ostens an den Westen für kaum realisierbar halten, rütteln nicht an der Vorstellung, eine solche Angleichung wäre eigentlich wünschenswert. Dass sich der Osten in vielen Merkmalen noch immer vom Westen unterscheidet, wird deshalb von vielen Kommentatoren als Beleg dafür genommen, dass die Wiedervereinigung selbst nach dreißig Jahren noch unvollkommen sei.

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Der Kronberger Kreis

Der Kronberger Kreis ist der wissenschaftliche Beirat der Stiftung Marktwirtschaft. Sprecher der sechsköpfigen Gruppe ist der Vorsitzende des Sachverständigenrats Lars Feld. Er lehrt am Freiburger Walter Eucken Institut. Die weiteren Mitglieder sind: Clemens Fuest, Präsident des Münchner Ifo-Instituts; Justus Haucap, Direktor des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie an der Heine-Universität; Volker Wieland, Goethe-Universität Frankfurt und Mitglied des Sachverständigenrats; Berthold U. Wigger, Karlsruher Institut für Technologie (KIT); Heike Schweitzer, Juraprofessorin an der Berliner Humboldt-Universität. Der Kronberger Kreis wurde 1982 gegründet auf Initiative des Ökonomen und Publizisten Wolfram Engels und hat das Ziel, eine freiheitliche Wirtschaftsordnung zu fördern. Die mit dem Kreis einst in Kronberg bei Frankfurt entstandene Stiftung Marktwirtschaft sitzt heute in Berlin. Sie versteht sich als unabhängiger Thinktank. hig.

Quelle: F.A.Z.
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