Cola-Mix

Spezi gegen Spatzi

Von Tillmann Neuscheler
20.08.2020
, 18:51
Eine Brauerei in Oberfranken soll ihren Mix aus Cola und Orangenlimo umbenennen. Sie tut das – aber nur zähneknirschend.

Werbeslogans sollen auffallen. Eine kleine Brauerei im Oberfränkischen hat sich kürzlich folgenden ausgedacht: „Spatzi – Don’t call it Spezi“. Damit bewarb Lang-Bräu aus Wunsiedel seinen eigenen Cola-Mix namens „Spatzi“, den das Unternehmen gerade erst im Juli auf den Markt gebracht hat. Doch jetzt hat die Brauerei Ärger bekommen, denn der Name „Spezi“ ist geschützt. „Wir haben eine Unterlassungserklärung unterschrieben“, sagt Rudolf Hopf von Lang-Bräu im Gespräch mit der F.A.Z. Bis Ende September dürfe man das Getränk noch unter diesem Namen verkaufen, dann aber sei Schluss.

Dafür hat Sebastian Priller gesorgt, der Geschäftsführer der Augsburger Traditionsbrauerei Riegele, dem die Namensrechte an „Spezi“ seit Jahrzehnten gehören. Immer wieder müsse man gegen Nachahmer vorgehen, die von der Markenpflege profitieren wollen. Vor Gericht ziehe er deswegen nur ungern, meist finde man so eine Lösung. Auch in diesem Fall empfindet er sein Vorgehen als „unglaublich fair“. Im Slogan werde der Name Spezi ausdrücklich verwendet, auch „Spatzi“ sei viel zu nah dran. „Wir hätten Lang-Bräu auch dazu verpflichten können, alle schon abgefüllten Getränke zu vernichten“, sagt Priller, so aber sei ihnen noch eine „Aufbrauchfrist“ gestattet worden.

Schon 1956 hat sich Riegele den Namen „Spezi“ schützen lassen. Zunächst hatte die Brauerei unter dem Namen ein Bier verkauft, schon bald aber den bekannten Fertigmix aus Cola und Orangenlimo, nachdem man beobachtet hatte, dass dieses Getränk in vielen Gaststätten aus einzelnen Flaschen gemischt wurde. Das Getränk fertig abgemischt zu verkaufen war überaus erfolgreich. Weil die Brauerei aber nicht allein in der Lage war, den ganzen Markt zu bedienen, gründete Riegele Ende der siebziger Jahre einen Getränkeverbund. Seither dürfen auch andere Hersteller Spezi in ihrer Region abfüllen, allerdings müssen sie dafür eine Lizenzgebühr zahlen. Derzeit füllen neben Riegele sieben Partner Spezi ab.

„Wir sind noch auf Namenssuche“

Wer keine Lizenzgebühr zahlt, darf den Namen nicht nutzen. Tatsächlich werden große Mengen unter anderem Namen verkauft: Coca-Cola verkauft die Spezialmischung seit 1973 unter dem Namen „Mezzo Mix“, Pepsi-Cola seit 1969 als „Schwip Schwap“. Ein Sonderfall ist die Paulaner Brauerei, die ebenfalls den Namen Spezi verwendet, allerdings „Paulaner Spezi“. Paulaner hatte die Lizenz schon vor der Gründung des Spezi-Markenverbandes erworben. Zumindest das Logo aber muss anders gestaltet sein.

Lang-Bräu aus Wunsiedel gibt sich im Namensstreit jetzt zähneknirschend geschlagen, stört sich aber an dem nach ihrem Empfinden „aggressiven Vorgehen“ der Augsburger. Zwar sieht sich Lang-Bräu ebenfalls im Recht („Vergleichende Werbung ist ja nicht verboten“), doch auf einen Prozess will man es nicht ankommen lassen: „Unsere Kriegskasse ist bei null“, sagt Rudolf Hopf, ein solcher Prozess koste schnell 30000 bis 40000 Euro. Es gewinne halt oft der, der mehr Geld in der Kasse habe, sagt er verärgert. Das Getränk werde man aber ganz sicher weiterhin verkaufen, eben mit einem anderen Etikett, sagt Hopf: „Wir sind noch auf Namenssuche.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Neuscheler, Tillmann Jörg
Tillmann Neuscheler
Redakteur in der Wirtschaft.
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