Inflationssorgen

Steigende Renditen sorgen für festeren Dollar

Von Markus Frühauf
18.01.2021
, 16:01
Die künftige amerikanische Finanzministerin Yellen rückt von Trump-Politik ab und will keine Politik der Dollar-Abwertung verfolgen. Doch irgendwann wird die Notenbank nervös.

Der amerikanische Dollar hat am Montag seine Kurserholung gegenüber dem Euro fortgesetzt. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete 1,2060 Dollar und damit so wenig wie in der ersten Dezemberhälfte. In den ersten Handelstagen des neuen Jahres war der Eurokurs noch bis auf 1,2300 Dollar gestiegen, das höchste Niveau seit April 2018. Für die Erholung des Dollars dürften in erster Linie die steigenden Renditen amerikanischer Staatsanleihen gesorgt haben.

Die Rendite der zehnjährigen Treasury ist Anfang des Jahres das erste Mal seit Frühjahr 2020 wieder über die Marke von 1 Prozent gestiegen und erreichte in der Vorwoche sogar zeitweise 1,18 Prozent. Am Montag pendelte die Rendite um die Marke von 1,08 Prozent, während die zehnjährige Bundesanleihe bei minus 0,521 Prozent lag. Ein Renditeanstieg ist mit Kursverlusten der Anleihen verbunden.

Diese sind auf die zunehmenden Inflationssorgen zurückzuführen, die von den expansiven Hilfsprogrammen des künftigen amerikanischen Präsidenten Joe Biden zur Bewältigung der Corona-Krise genährt werden. Vor allem sein Sieg in den Nachwahlen zum Senat im Bundesstaat Georgia hat den Renditeanstieg beschleunigt, weil er nun in beiden Kammern über eine Mehrheit seiner demokratischen Partei verfügt.

Wert des Dollars sollen Märkte bestimmen

Seine künftige Finanzministerin Janet Yellen soll nach einem Bericht der Zeitung „Wall Street Journal“ von der Politik des noch amtierenden Präsidenten Donald Trump abgerückt sein. Demnach strebt sie keine Politik eines billigen Dollars an, der die amerikanischen Exportgüter im Ausland günstiger machen würde. „Der Wert des Dollars und anderer Währungen sollte von den Märkten bestimmt werden“, zitierte das „Wall Street Journal“ aus vorbereiteten Aussagen Yellens für ihre Anhörung im amerikanischen Senat, die an diesem Dienstag vorgesehen ist.

Am Mittwoch wird Biden als neuer Präsident vereidigt. „Die Vereinigten Staaten streben nicht nach einer schwächeren Währung, um Wettbewerbsvorteile zu erlangen“, soll die frühere Präsidentin der Notenbank Federal Reserve (Fed) ebenfalls als Aussage vorbereitet haben. Sie will zudem empfehlen, dass die Vereinigten Staaten sich solchen Versuchen anderer Länder widersetzen sollen.

Allerdings wird die Notenbank Fed einen weiteren Anstieg der Renditen, der die Schuldenaufnahme des amerikanischen Staats verteuert, in der Pandemie unterbinden wollen. Die Analysten der Hamburger Berenberg Bank sehen als kritische Marke ein Niveau der zehnjährigen Rendite von 1,5 Prozent. Ab da dürfte die Fed nervös werden. Neben den amerikanischen Renditen belastet den Euro auch die Regierungskrise in Italien, wo noch immer Neuwahlen und ein Erfolg der rechtsnationalistischen Lega des Euro-Gegners Matteo Salvini drohen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Frühauf, Markus
Markus Frühauf
Redakteur in der Wirtschaft.
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