Tarifkonflikt

Bei Lufthansa fallen auch am Freitag 830 Flüge aus

24.11.2016
, 14:24
Die Piloten der Lufthansa bestreiken die größte deutsche Fluglinie seit Mittwoch für drei Tage.
Video
Sichtbarkeit der Bildbeschreibung wechseln
Die Streikkosten bei der Lufthansa belaufen sich bislang auf rund 20 Millionen Euro. Ein Unions-Politiker schlägt ein Gesetz für Zwangsschlichtung vor.
ANZEIGE

Die Lufthansa annulliert wegen des Pilotenstreiks auch am Freitag Hunderte von Verbindungen. Insgesamt werden an dem Tag 830 Kurz- und Mittelstreckenflüge ausfallen, teilte die Lufthansa am Donnerstag mit. Damit sinkt die Zahl der Streichungen: Am Donnerstag wurden noch gut 900 Flüge aus dem Flugplan genommen nach 880 am Mittwoch. Allerdings wurden an diesen beiden Tagen auch die Lufthansa-Interkontinentalstrecken bestreikt. Die Langstrecke sollte am Freitag „nahezu planmäßig“ bedient werden.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit bestreikt die größte deutsche Fluglinie seit Mittwoch für drei Tage. Es ist der 14. Ausstand in der seit April 2014 schwelenden Tarifauseinandersetzung zwischen Cockpit und dem Konzern. Die Gewerkschaft fordert für 5400 Lufthansa-Piloten rückwirkend ab 2012 eine Lohnerhöhung von 3,7 Prozent im Jahr. Die Lufthansa bietet 2,5 Prozent über eine Laufzeit von gut sechs Jahren. Zwischen beiden Seiten gibt es derzeit keine Zeichen für eine Annäherung. Cockpit kündigt die Ausstände mindestens 24 Stunden vor Beginn an.

Die Lufthansa richtet sich mitten im Streik der Pilotenvereinigung Cockpit an die Flugzeugführer. „Ich appelliere an die Piloten, Cockpit unter Druck zu setzen, damit wir an den Verhandlungstisch kommen“, sagte Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister am Donnerstag. Er plädiere für eine Schlichtung. Die Gewerkschaft hingegen pocht auf eine belastbare Lohnofferte des Tarifpartners. „Bisher haben wir nur ein Scheinangebot“, sagte Cockpit-Vorstand Jörg Handwerg. Deshalb könne es jederzeit weitere Arbeitsausstände geben, die mindestens 24 Stunden vorher angekündigt werden.

ANZEIGE

Der Streik geht für die Lufthansa ins Geld. Der direkte Schaden aus den ersten beiden Streiktagen belaufe sich für die Airline auf etwa 20 Millionen Euro, sagte Hohmeister. „Wir haben nicht nur einen akuten Schaden, sondern merken in den mittelfristigen Buchungszahlen, dass sich das Buchungsverhalten ändert.“ Die Gewerkschaft fordert rückwirkend ab 2012 eine Lohnerhöhung von 3,7 Prozent im Jahr. Die Lufthansa bietet 2,5 Prozent über eine Laufzeit von gut sechs Jahren. „Die Ausgangslage ist, dass wir deutlich mehr zahlen als die Konkurrenz“, sagte der Lufthansa-Topmanager. So gesehen müsste der Konzern eigentlich ein dickes Minus fordern. „Es ist klar, wer sich bewegen muss.“ Doch verfolge Cockpit offenbar noch andere Interessen.

ANZEIGE

Auch die Politik mischte sich ein. Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) forderte beide Tarifparteien auf, eine Schlichtung anzustreben. Es „sei an der Zeit, mit Hilfe eines neutralen Schlichters zu versuchen, die unversöhnliche Haltung beider Seiten aufzulösen.“ Der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Michael Fuchs forderte unterdessen ein Gesetz zur Zwangsschlichtung. „Es kann nicht sein, dass ein paar Piloten immer wieder Hunderttausende in Geiselhaft nehmen“, sagte er der „Bild“-Zeitung. Cockpit wies den Vorstoß zurück. Die Politik fange immer an, von einer Zwangsschlichtung zu reden, wenn es wieder Streiks gebe, sagte Handwerg. „Das Streikrecht ist in Deutschland anscheinend nur gut, solange es nicht eingesetzt wird.“

Video starten Video
Pilotenstreik
Passagiere verärgert über Flugausfälle
Quelle: maxw./Reuters
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
Kapitalanalge
Erzielen Sie bis zu 5% Rendite
Sprachkurse
Lernen Sie Englisch
Immobilienbewertung
Verkaufen Sie zum Höchstpreis
ANZEIGE