Kreativer Kampf um Reichweite

Trump und Bloomberg laufen beim Super Bowl auf

Von Gustav Theile
31.01.2020
, 17:08
Der Super Bowl war mal unpolitisch. Jetzt schalten mit Bloomberg und Trump gleich zwei Kandidaten Werbespots. Und der eine versucht, dem anderen mit Werbeanzeigen die Reichweite abzugraben.

Lange war der Super Bowl eine eher unpolitische Sache. „Früher sollte der Sport die Nation einen, politisch-parteiliche Dinge wurden ausgeklammert“, sagt Karsten Senkbeil, Amerika-Wissenschaftler an der Universität Hildesheim. Schon wenn in der Halbzeitshow des Super Bowls eine politische Botschaft angedeutet worden sei, habe es danach scharfe Kritik gegeben.

Doch diese Grenze ist durchbrochen, findet Senkbeil. Denn in diesem Jahr schalten mit dem demokratischen Präsidentschaftsbewerber Michael Bloomberg und Amerikas Präsident Donald Trump erstmals zwei Politiker Werbespots während des Super Bowls.

Die beiden New Yorker Milliardäre haben jeweils 60 Sekunden gebucht, Bloomberg für einen Spot, Trump für zweimal 30 Sekunden. Das dürfte jeweils mehr als 10 Millionen Dollar gekostet haben. Beide Kampagnen haben einen Spot veröffentlicht.

Bloomberg greift in seinem Video zur Überraschung einiger Kommentatoren nicht direkt Trump an, stattdessen geht es um Waffengesetze: Eine Mutter, die ihren Football-begeisterten Sohn durch Waffengewalt verloren hat, erzählt von ihrem Leid, lobt den Kandidaten für seinen Einsatz für striktere Waffengesetze und meint, Bloomberg sei bereit, es mit der Waffenlobby aufzunehmen.

Trump veröffentlichte nur einen seiner beiden Spots. Der Fokus liegt auf den Errungenschaften der bisherigen Amtszeit: „Stärker, sicherer, wohlhabender“, ist der Titel des Videos. Den zweiten Spot will das Trump-Team dagegen bis zur Ausstrahlung geheim halten.

Bloomberg wolle damit demonstrieren, dass er es sei, der es mit Trump aufnehmen könne, meinen Beobachter. Am Freitagnachmittag bestätigten Berichte diese Einschätzung. Demnach schaltete die Kampagne Bloombergs auf Google Werbeanzeigen, die Nutzern ausgespielt wurden, wenn sie nach dem Super-Bowl-Spot von Trump suchten.

Andere Fachleute befürchten, die Spots der Wahlkämpfer könnten das Werbeumfeld für die Unternehmen riskanter werden lassen. Schließlich würden deren Werbeclips nun immer in Beziehung zu den Politikern gesetzt.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Theile, Gustav
Gustav Theile
Redakteur in der Wirtschaft.
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