Tarifkonflikt

Gefangene Staatsbahn

Von Heike Göbel
12.09.2021
, 21:34
Gestrandete Reisende mit ihren Koffern an einem Bahnsteig im Hauptbahnhof in Frankfurt.
Aus dem aktuellen Tarifkonflikt mit der GDL kommt die Bahn als Staatskonzern nur schwer heraus. In der privaten Wirtschaft zwingt die Angst vor Jobverlust Streikhansel eher zur Rücksichtnahme
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Die defizitäre Deutsche Bahn hat ihr Lohnangebot an die Lokführer erhöht. Die Kompromissbereitschaft mag dem Vorstand öffentlich nutzen, wird aber Gewerkschaftschef Claus Weselsky kaum überzeugen.

Der will erst einlenken, wenn das Angebot auch den Schutz seiner kleinen Gewerkschaft GDL im Machtkampf mit der großen Eisenbahngewerkschaft EVG enthält. Die Bahn soll zusichern, dass sie das Tarifeinheitsgesetz nicht anwendet, nach dem in Betrieben mit mehreren Gewerkschaften allein der Vertrag der mitgliederstärksten gilt.

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Das kann die Bahn nur, wenn die Tarifabschlüsse eng beieinanderliegen, sonst gibt es Zwietracht unter den Mitarbeitern. Für ihren Fortbestand muss die GDL aber für ihre Mitglieder mehr herausholen als die EVG.

Aus zerstörerischem Gewerkschaftswettlauf kommt die Bahn als Staatskonzern, dessen Bestand die Steuerzahler garantieren, schwer heraus. In der privaten Wirtschaft zwingt die Angst vor Jobverlust Streikhansel eher zur Rücksichtnahme. Nach der Wahl gehört die Privatisierung zumindest von Teilen des Bahnkonzerns oben auf die Agenda.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Göbel, Heike
Heike Göbel
Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.
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