Thyssen ohne Stahl

Schock für das Ruhrgebiet

EIN KOMMENTAR Von Helmut Bünder, Düsseldorf
Aktualisiert am 16.10.2020
 - 16:16
Mitarbeiter in Thyssens Stahl-Sparte protestieren am Rheinufer in der Nähe des nordrhein-westfälischen Landtrages.
Die Hoffnung, Stahl und Werkstoffe wieder zu einer der tragenden Säulen des Thyssen-Konzerns zu machen, hat sich durch die Corona-Krise zerschlagen.

Die Vorstandsvorsitzende Martina Merz hatte es angekündigt: Bei Thyssen-Krupp gebe es „keine Denkverbote“ mehr, auch nicht für das Stahlgeschäft mit 27.000 Mitarbeitern.

Nach 130 Jahren legt der Ruhrkonzern die Axt an die eigenen Wurzeln: Nach den Aufzügen will er Hochöfen und Hüttenwerke abspalten, die ihn einst groß gemacht und dann tief in die Krise gezogen haben.

Die Nachricht über einen möglichen Komplettverkauf an den britischen Konkurrenten Liberty Steel schickt Schockwellen durch die Belegschaft und das Ruhrgebiet. Die leise Hoffnung, Stahl und Werkstoffe wieder zu einer der tragenden Säulen des Konzerns zu machen, hat sich mit dem Absatzeinbruch durch die Corona-Krise endgültig zerschlagen.

Das Geschäft ist tiefrot und Besserung nicht in Sicht, weil der Markt unter riesigen Überkapazitäten ächzt. Bei den lauter werdenden Forderungen nach einer Staatsbeteiligung ist Vorsicht angebracht: Nicht Thyssen-Krupp ist systemrelevant, sondern die Stahlproduktion. Und die hat in Deutschland unter einem anderen Eigentümer und im Verbund hoffentlich bessere Chancen, der Konsolidierung standzuhalten.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Bünder, Helmut (bü.)
Helmut Bünder
Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.
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