Zukunft von Tiktok

China an Trump: „Pures Mobbing“ und „Diebstahl“

Aktualisiert am 04.08.2020
 - 13:40
Die Videoplattform Tiktok ist im Konflikt zwischen China und Amerika zwischen die Fronten geraten.
Die Pläne des amerikanischen Präsidenten für die beliebte App stoßen nicht nur in China auf Kritik. Nun meldet sich auch der Bytedance-Gründer zu Wort.

Im Streit um die Zukunft der populären Video-App Tiktok aus China ist Amerikas Präsident Donald Trump weiter in die Kritik geraten. Trump hatte gefordert, dass die Regierung in Washington bei einer möglichen Übernahme des Nordamerikageschäfts von Tiktok durch den amerikanischen Konzern Microsoft mitverdient. Mehrere amerikanische Medien sprachen von einer ungewöhnlichen Einmischung, für die es in der jüngeren Geschichte keine Beispiele gebe. Kritik kam abermals auch aus China.

Am Wochenende hatte Trump Tiktok unter Verweis auf die Datensicherheit mit einem Aus in den Vereinigten Staaten gedroht. Am Montag sagte er dann, er würde den Kauf des amerikanischen Geschäfts von Tiktok durch ein amerikanisches Unternehmen unterstützen. Wenn es bis zum 15. September keine Einigung gebe, werde er allerdings die Einstellung des Betriebs verfügen.

Nach einem Gespräch mit Microsoft-Chef Satya Nadella berichtete Trump, er habe diesem gesagt, dass „ein sehr erheblicher Teil“ des Verkaufspreises in die amerikanische Staatskasse fließen müsse. Er begründete seine Forderung mit den Worten „weil wir dieses Geschäft ermöglichen“. Nähere Angaben, wie solch eine Zahlung aussehen könnte, machten weder das Weiße Haus noch das Finanzministerium, wie das „Wall Street Journal“ berichtete.

„Pures Mobbing“

„Es ist völlig unorthodox, dass ein Präsident vorschlägt, dass die Vereinigten Staaten einen Anteil von einem Geschäftsabschluss nehmen – insbesondere wenn es um einen Abschluss geht, den er selbst eingefädelt hat“, zitierte das Blatt den Jura-Professor Carl Tobias von der Universität Richmond. „Die Idee ist wahrscheinlich auch illegal und unethisch.“ Das Blatt sprach von einer „präsidialen Machtdemonstration, für die es keinen Präzedenzfall zu geben scheint“.

Die „New York Times“ sprach ebenfalls von einer „Abkehr“ der Praktiken früherer Präsidenten. „Während frühere republikanische Regierungen Eingriffe der Regierung in den Markt ablehnten, hatte Herr Trump keine Skrupel, eine härtere Gangart einzuschlagen“, schrieb das Blatt. Die Nachrichtenagentur Bloomberg urteilte: „Es wäre mit Blick auf die jüngere Geschichte beispiellos, wenn die amerikanische Regierung einen Anteil an einer Transaktion zwischen Unternehmen einziehen würde, an denen sie nicht beteiligt ist.“

Das chinesische Außenministerium warf den Vereinigten Staaten am Dienstag vor, gegen Grundsätze der Marktwirtschaft und die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) zu verstoßen. Es handele sich um „pures Mobbing“, sagte Ministeriumssprecher Wang Wenbin in Peking. Kritik kam auch von Chinas Staatsmedien. China werde den „Diebstahl“ eines Technologieunternehmens durch die Vereinigten Staaten nicht akzeptieren, kommentierte die Tageszeitung „China Daily“ in einem Leitartikel. Man habe „viele Möglichkeiten“, sich zu rächen.

Wie viel Microsoft zahlen müsste, ist unklar

Die amerikanische Regierung warnt schon länger vor der angeblichen Gefahr, dass über Tiktok Daten von Amerikanern in die Hände chinesischer Behörden geraten könnten. Zugleich will Trump Pekings Einfluss in den Vereinigten Staaten mit aller Macht zurückdrängen. Auch andere chinesische Konzerne wie die Telekom-Riesen Huawei und ZTE bekamen dies schon zu spüren. Im Fall Tiktok wird auch die Gefahr einer politischen Einflussnahme oder Zensur von Inhalten im Sinne Pekings angeführt.

Tiktok ist eine Videoplattform mit Hunderten Millionen Nutzern auf der ganzen Welt. Nutzer können dort eigene Clips hochladen oder Videos von anderen ansehen. Der Eigentümer Bytedance bemüht sich schon seit einiger Zeit, seine internationale Plattform von der chinesischen Version zu trennen. Tiktok versichert, Chinas Regierung habe keinen Zugriff auf Nutzerdaten und habe dies auch nie verlangt. Die Daten von amerikanischen Nutzern würden sowieso in den Vereinigten Staaten gespeichert und verarbeitet.

In Festland-China gibt es nur die zensierte Version Douyin. Als Chef von Tiktok wurde jüngst der Disney-Manager Kevin Mayer geholt, der bei dem Unterhaltungskonzern lange als Kronprinz galt. Zuletzt hatte Microsoft sich nach massivem politischen Druck aus dem Weißen Haus in Stellung gebracht, von Tiktok Teile des Geschäfts zu übernehmen. Wie viel Microsoft zahlen müsste, ist unklar. Es dürfte um einen zweistelligen Milliardenbetrag gehen. In den Vereinigten Staaten hat Tiktok nach eigenen Angaben 100 Millionen Nutzer.

Die Hände gebunden

Der Gründer des chinesischen Tiktok-Betreibers ByteDance, Zhang Yiming, hat die Verkaufspläne in den Vereinigten Staaten wiederum verteidigt. In einem Schreiben an die Mitarbeiter, dessen Inhalt am Dienstag nach chinesischen Medienberichten von Insidern bestätigt wurde, sagte Zhang, nur wenige hätten Einblick in die Vorgänge, aber hohe Erwartungen an ein chinesisches Unternehmen, das global aktiv sei.

In der Volksrepublik treffen diese Pläne auf harsche Kritik. Einige ByteDance-Nutzer haben angekündigt, im Falle eines Verkaufs an den weltgrößten Softwarekonzern aus den Vereinigten Staaten Dienste wie den Twitter-Konkurrenten Weibo oder die Video-App Douyin sowie die Nachrichtenplattform Jinri Toutiao zu deinstallieren. Sie erklärten, ByteDance sei angesichts des Vorgehens der amerikanischen Regierung zu schnell eingeknickt.

Zhang sagte diesbezüglich, dem Unternehmen drohten weitere Schwierigkeiten, weil im Ausland die anti-chinesische Stimmung zunehme. ByteDance war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Zhang schrieb, in dem Fall eines Verbots von Tiktok in Amerika wären ByteDance die Hände gebunden.

Quelle: FAZ.NET/dpa/Reuters
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