Trotz des Krieges

Ukraine-Geschäft deutscher Firmen schlägt sich wacker

Von Andreas Mihm
17.08.2022
, 15:00
Belastung: Der Ukraine-Krieg stört den Handel mit Osteuropa, hat ihn aber bisher nicht zerstört.
Russlands Überfall bringt Deutschlands Ost-Handel durcheinander, aber nicht aus dem Konzept. Selbst die Geschäfte mit der kriegsgeplagten Ukraine laufen überraschend gut.
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Ungeachtet der Auswirkungen des russischen Überfalls auf die Ukraine machen deutsche Unternehmen in und mit den Staaten Ost- und Südosteuropas gute Geschäfte. Der deutsche Handel mit der Region stieg im ersten Halbjahr auf knapp 280 Milliarden Euro oder 13,7 Prozent. Gemessen am weltweiten Güteraustausch Deutschlands, der um 20 Prozent zulegte, war der Zuwachs allerdings unterdurchschnittlich.

Der Ostausschuss, der die Interessen der in der Region tätigen Unternehmen vertritt, zeigte sich dennoch zufrieden. Ein solides Ergebnis in Zentraleuropa habe die Verluste im Russland-Geschäft kompensiert, der Handel mit Zentralasien sich belebt und auch die Umsätze mit der vom Krieg erschütterten Ukraine seien besser als erwartet gelaufen.

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Nach Daten des Statistischen Bundesamts stieg die Ausfuhr in die 29 Staaten, die die zentralasiatischen Länder der GUS umfassen, von Januar bis Juni auf 135 Milliarden Euro. Die Importe in Höhe von 145 Milliarden Euro hätten den Wert vor allem wegen der gestiegenen Kosten für die Lieferungen von Öl, Gas und Kohle aus Russland übertroffen. Das Defizit dürfte sich aber im Jahresverlauf verringern, weil die EU die Energieimporte aus Russland in der zweiten Jahreshälfte signifikant senken will.

Belarus-Exporte schrumpfen

Die Importrechnung aus Russland belief sich im ersten Halbjahr allein auf 23 (Vorjahr 15) Milliarden Euro, während die Exporte auf 8 (nach 13) Milliarden Euro sanken. Das Minus wurde zwar durch ebenfalls geschrumpfte Exporte nach Belarus um 230 Millionen Euro vergrößert. Jedoch habe allein die Ausweitung der Exporte nach Polen und Tschechien um 10 Milliarden Euro diese Rückgänge überkompensiert.

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Polen habe seine Ausnahmestellung für den deutschen Osthandel einmal mehr unterstrichen. Mit einem Handelsvolumen im Wert von 81 Milliarden Euro habe es seinen 5. Platz in der Rangliste der wichtigsten Handelspartner hinter Frankreich und vor Österreich behauptet. Mit der Tschechischen Republik, die Großbritannien vom zehnten auf den elften Platz verdrängte, wickelten deutsche Unternehmen ein Handelsvolumen in Höhe von 56 Milliarden Euro ab. Nimmt man Ungarn und die Slowakei hinzu, kam Deutschland allein mit dieser zentraleuropäischen Ländergruppe im ersten Halbjahr 2022 auf einen Warenaustausch von 187 Milliarden Euro – weit mehr als Deutschland mit seinem wichtigsten Partner China mit 149 Milliarden Euro abgewickelt habe.

Überaus starke prozentuale Zuwächse, wenn auch auf niedrigem Niveau, unterstrichen das große Potential im Handel mit den bevölkerungs- und rohstoffreichen zentralasiatischen Länder Usbekistan und Kasachstan, analysierte der Ostausschuss. Das öl- und gasreiche Aserbaidschan habe hingegen von gestiegenen Rohstoffexporten nach Deutschland profitiert, der in Euro gemessene Handelswert sich mehr als verdreifacht.

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Zufrieden zeigte sich Ostausschuss-Geschäftsführer Michael Harms über die vergleichsweise stabile Entwicklung im Ukraine-Handel, der trotz des Kriegs nur um elf Prozent gesunken sei. Die deutschen Importe aus der Ukraine seien sogar nur um 5 Prozent zurückgegangen.

„Deutsche Unternehmen in den weniger vom Krieg betroffenen Gebieten tun alles, um Produktion und Geschäft am Laufen zu halten“, sagte Harms. Der mit Kriegsbeginn unterbrochene Nachschub mit Zulieferteilen für die deutsche Automobilindustrie funktioniere wieder, auch die ukrainische Landwirtschaft arbeite hart daran, die Ernteausfälle möglichst gering und die Transportwege offen zu halten. Er warnte davor, die Ukraine als Investitionsstandort abzuschreiben. „Entscheidend ist ein klug strukturierter, transparenter Wiederaufbauplan mit klaren Zielvereinbarungen.“

Kritisch kommentierte er dagegen die Debatte in der EU, die Vergabe von Schengen-Visa an russische Staatsbürger zu erschweren oder zu stoppen, wie von der Ukraine verlangt. Russische Staatsbürger, die noch in die EU reisen wollen, sollten dazu ermutigt und nicht abgeschreckt werden. Harms forderte hingegen sogar Visa-Erleichterungen, „insbesondere um russischen Fachkräften den Weg in die EU zu ebnen.“

Quelle: F.A.Z.
Andreas Mihm - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Andreas Mihm
Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.
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