Regionale Lebensmittel

Schwarzwälder Schinken, Stromberger Pflaume

08.06.2015
, 17:11
Darf Schwarzwälder Schinken künftig auch aus Amerika kommen?
Schwarzwälder Schinken, Stromberger Pflaume, Diepholzer Moorschnucke: All diese Produkte dürfen nur aus bestimmten Regionen kommen. Gilt das auch noch, wenn das Freihandelsabkommen TTIP kommt? Wir zeigen, welche Produkte heute geschützt sind.
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Eines ist klar nach dem aktuellen G7-Gipfel: Das europäisch-amerikanische Freihandelsabkommen TTIP soll schneller kommen als geplant. Klar ist aber noch nicht, ob dieses europäisch-amerikanische Freihandelsabkommen auch Folgen für die regional geschützte Lebensmittelkennzeichnungen wie den „Schwarzwälder Schinken“ hat. Die EU will ihre Standards regionalen Lebensmittel beibehalten, die amerikanische Seite sieht darin nichts Sinnvolles.

Darüber, welche regionale Spezialität nur so benannt werden darf, wenn sie wirklich in einer Region hergestellt wird, entscheiden bislang die Kriterien der EU. Laut einer Übersicht des Agrarministeriums, auf der unsere Infografik basiert, sind derzeit in Deutschland 78 Regio-Lebensmittel geschützt. Sie dürfen, wenn sie den ursprünglichen Namen tragen sollen, nicht an anderen Orten in der EU produziert werden. 18 davon sind Obst oder Gemüse, 15 Fleischprodukte, 10 Back- und Süßwaren.

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Die „Diepholzer Moorschnucke“ muss aus Diepholz stammen

Es gibt die schwer nachvollziehbare Unterscheidung einer geschützten Ursprungsbezeichnung und einer geschützten geographischen Angabe. Nur Erstere besiegelt, dass Erzeugung, Verarbeitung und Produktion in einer Region erfolgt sind. Das trifft etwa auf Weidetiere zu wie das Schaf Diepholzer Moorschnucke.

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EU-Gütezeichen
Lebensmittel mit geschützter geographischer Herkunft

Die geschützte geographische Angabe verlangt hingegen nur, dass die Endfertigung, Erzeugung oder Verarbeitung am Ort erfolgt sein muss. Die bekannteren darunter sind das Lübecker Marzipan, das bayerische Bier, Münchner Bier, Schwäbische Maultaschen, Hessischer Handkäse oder Apfelwein, Aachener Printen, Kölsch oder Nürnberger Lebkuchen. Zu weniger großem Ruhm sind bislang etwa das Reuther Bier, die Stromberger Pflaume, das Lausitzer Leinöl oder das Filderspitzkraut gelangt. Die EU-Kommission strich nach Prüfung der Anträge das Gögginger Bier, Rieser Weizen und Wernesgrüner Bier von der Liste der nach entsprechenden EU-Verordnungen registrierten Produkte.

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Anfang des Jahres waren die regionalen Kennzeichnungen zum Politikum geworden, als Bundesagrarminister Schmidt (CSU) sagte: „Wenn wir die Chancen eines freien Handels mit dem riesigen amerikanischen Markt nutzen wollen, können wir nicht mehr jede Wurst und jeden Käse als Spezialität schützen.“ Für die TTIP-Kritiker war das ein gefundenes Fressen. Niemand wolle Nürnberger Rostbratwürstchen aus Kentucky, polemisierten sie. Denn in Amerika dürfte jeder Lebensmittelhersteller Parmaschinken, bayerisches Bier und Oberpfälzer Karpfen produzieren, egal an welchem Ort. Die EU will das nun in den Verhandlungen mit Washington ändern.

Monopolisten-Gewinn für Mittelständler

Das geplante Freihandelsabkommen gefährdet aus Sicht der Verbraucherorganisation Foodwatch jedenfalls ganz grundsätzlich eine klare Kennzeichnung der Herkunft von Lebensmitteln. In einer aktuellen Stellungnahme spreche sich die EU-Kommission gegen verbindliche Angaben aus, dies „hätte Auswirkungen auf die internationale Lebensmittellieferkette und würde sich störend auf Handelsabkommen mit Drittländern auswirken“, zitierte in der vergangenen Woche Foodwatch aus einem Kommissionsbericht. „Das Beispiel Herkunftskennzeichnung zeigt einmal mehr: Die Gefahr bei TTIP ist weniger, dass Standards gesenkt werden, sondern dass bestehende Regelungen in Zukunft nur noch sehr schwierig zu verbessern sind“, sagte Bode. Damit meinte er nicht nur die regionalen Bezeichnungen, sondern die Herkunftsangaben für alle Lebensmittel.

Dass ausgerechnet der CSU-Politiker und „bekennende Regionalist“ Schmidt den Anschein erweckte, gegen die Öko-Herkunftsgütezeichen zu Felde zu ziehen, war auch aus einem anderen Grund eine politstrategische Ungeschicklichkeit: Gerade in Bayern sind die meisten Regio-Produkte aller Bundesländer registriert. Gerade mittelständische Hersteller aus der Lebensmittelindustrie können, wenn auch nur die Fertigung an einem Ort stattfindet, so eine schöne „Monopolistenrente“ einstreichen. Denn die unbedarfteren Kunden mögen denken, das ganze bayerische Bier sei ein bayerisches und handwerklich gebrautes, auch wenn der Hopfen aus Italien und Tschechien kommt, die Flaschenetiketten aus Holland und die Brauerei genau so aussieht wie die eines globalisierten Industriebierkonzerns.

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Quelle: jagr.
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