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„Neuland“ für den Reisekonzern

Tui plant den großen Hotel-Fonds

Von Timo Kotowski und Susanne Preuß
28.01.2022
, 17:16
Geldanlage unter Palmen: Tui plant mit einem Hotelfonds. Bild: dpa
Mehr Urlauber als vor der Pandemie – das ist das Tui-Ziel nach Corona. Für neue Hotels will Strategievorstand Peter Krüger mit einem neuartigen Fonds 500 Millionen Euro von Investoren einwerben.
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Corona macht Lust auf Urlaub, weckt zumindest Sehnsucht. Und das schlägt sich schon in Buchungen nieder. „Der Buchungstrend ist gut“, sagt Peter Krüger, Strategievorstand des Reisekonzerns Tui. „Viele unserer Kunden setzen sich nach Weihnachten mit der Familie zusammen und planen ihren Urlaub. Die Omikron-Welle hat zwar einen Dämpfer gebracht, aber in England klingt sie schon wieder ab. Unterm Strich kann man sagen, das Geschäft springt an – auch in Deutschland.“

Selbst einen regelrechten Ansturm 2022 könne man wuppen, Tui habe in der Krise kaum Kapazitäten der selbstbetriebenen Hotels abgebaut. Aber Krügers Aufgabe reicht weit darüber hinaus. „Wir planen natürlich deutlich weiter in die Zukunft, wir wollen nicht nur das Niveau von 2019 wieder erreichen, sondern weiter wachsen“, sagt er im Gespräch mit der F.A.Z. Für einen Konzern, der mit Milliarden vom Staat gestützt werden musste und das vorige Jahr mit negativen Eigenkapital abschloss, mag das gewagt klingen – nicht nur der Optimismus, sondern auch die Realisierungschance.

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Der 1976 geborene Krüger, der vor einem Jahr als Strategiechef in den Konzernvorstand aufstieg, sieht dafür ein Finanzierungsvehikel gefunden: einen Hotelfonds. 2017 war er mit Erfahrung im Investmentbanking von der Deutschen Bank zu Tui gekommen. Sein Großprojekt in der Reisewelt: Tui will über einen unabhängigen Fonds in den nächsten Jahren viel Wachstumskapital für neue Urlauberhäuser einsammeln, die beispielsweise als Tui-Blue-Hotel, als Robinson-Ressort oder Magic-Life-Club Gäste empfangen sollen. Denn Unterkünfte der Tui-Eigenmarken sollen wichtiger werden.

„Wir betreten Neuland“

„Über das Fondkonstrukt schaffen wir es, unser Wachstum von der Kapitalintensität unseres Geschäfts zu entkoppeln. Der Betrieb von Ferien-Hotels ist Tui-Kerngeschäft, Immobilien-Besitz nicht unbedingt“, sagt Krüger. „Mit dem ersten Fonds streben wir ein Volumen von 500 Millionen Euro an. Rund die Hälfte haben wir schon fest eingeworben. Die Investoren-Nachfrage ist hoch.”

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Als Investoren hat er Pensionsfonds und Versicherungen im Blick, das sei international mit Abstand der größte Anlegermarkt mit langfristigen Anlagezielen. Eine der größten deutschen Pensionskassen sei schon beim Tui-Fonds dabei, deren Namen Krüger aber nicht nennen will. 20 Hotelprojekte hat er für den Fonds mit einer Laufzeit von zwölf Jahren in der engeren Wahl, um das erste Investorengeld anzulegen. In zwei, drei Monaten soll der Fonds wohl gefüllt sein.

Krüger spricht vom „ersten Fonds“, denn er denkt schon an Nummer zwei. Erste Investoren hätten sich besonders für Anlagen außerhalb Europas interessiert, das passe zu Hotelplänen in der Karibik, wo Tui schon jetzt einer der größten Betreiber von Urlauberbetten ist, auf den Kapverdischen Inseln und in Sansibar. Perspektivisch könnte ein zweiter Fonds, nur für Hotels in Europa folgen – in Spanien, Griechenland oder Kroatien. „In Europa könnte man sogar ein höheres Fondsvolumen anstreben“, stellt er in Aussicht.

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Mehr Rendite mit Hotels als Wettbewerber

„Wir betreten Neuland mit dem Fonds. So etwas gibt es bisher nicht, weder in der Stadthotellerie noch bei anderen Reiseunternehmen.“ Soll heißen: auch nicht bei Thomas Cook. Der 2019 zusammengebrochene Rivale hatte in seiner Schlussphase als Partner des Immobilienspezialisten LMEY ein kleineres und anders geartetes Vehikel für Hotels angestoßen.

Bei Tui soll es nun ein Fonds – registriert in Luxemburg – werden, der den Konzern auch im Namen trägt und über viel größere Finanzkraft verfügt. Als Emittent tritt Hansainvest aus dem Signal-Iduna -Konzern auf. Die Idee dahinter ist, langfristig orientierte Investoren zu gewinnen, die an den Erfolg von Tui glauben. Dieser beruht laut Krüger auf der Idee, die der Konzern mit „vertikaler Integration“ umschreibt.

Tui verkauft demnach Reisen, befördert Urlauber mit eigenen Airlines und bringt sie in Hotels der Eigenmarken unter, verdient also an mehreren Stellen an der Lust auf Ferien. „Vor der Krise haben wir bewiesen, dass wir bei Hotels und Kreuzfahrten deutlich mehr Rendite auf das investierte Kapital erzielen als der Wettbewerb. Das ist kein Zufall. Wir nutzen unsere Kundenbasis mit 21 Millionen Kunden, um vorwiegend unsere eigenen Produkten anzubieten“, sagt Krüger.

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Zwar will auch der Hotelvermittler Booking.com mehr als bloß Schlafgelegenheiten vermitteln, Krüger sieht ihn nicht als direkten Rivalen. Bei Tui heißt es, man habe noch kein Booking-Hotel, kein Booking-Schiff und kein Booking-Flugzeug gesehen. Tui betreibe 420 Hotels, lenke 18 Kreuzfahrtschiffe sowie 150 Flugzeuge.

Aktuell bringt Tui etwa die Hälfte seiner Kunden in Eigenmarken-Herbergen und auf Tui-Schiffen unter, die anderen Kunden wählen Unterkünfte, die mitunter ebenso bei anderen Reiseveranstaltern zu bekommen sind. Für Marktanteile ist dieses Segment aber unerlässlich. Tui verweist lieber darauf, dass vor der Pandemie rund 70 Prozent des operativen Ergebnisses aus den eigenen Hotels und Schiffen stammten.

Tui-Vorstand Peter Krüger: „Wir bieten Investition in Urlaub mit Sonne und Strand“ Bild: TUI

Investoren verspricht Tui nun ein großes Feld an Anlagemöglichkeiten. „.Es ist viel Geld im Markt, für das Anlagechancen gesucht werden. Und wir haben die passenden Lösungen, und extrem viele Investitionsmöglichkeiten“, wirbt Krüger. „Wenn wir jedes Projekt, das uns angetragen wird, umsetzen wollten, könnten wir morgen Milliarden investieren. Wir setzen aber Prioritäten, das heißt, wir wählen sehr selektiv nur die wirklich interessanten Objekte aus.“

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Durch die lange Pandemie-Krise gebe es eine Konsolidierung in der Branche – mit entsprechenden Kaufmöglichkeiten, aber auch mit einer wieder zunehmenden Konkurrenz. „Das Timing ist extrem wichtig, wir müssen jetzt aktiv werden, nicht erst in zwei Jahren“, betont der Tui-Strategievorstand.

Stadthotellerie länger von Krise betroffen

Investoren sollen darauf vertrauen, dass der Reisemarktführer die richtige Wahl trifft. „Wir bieten ein Nischenmodell, die Investition in Urlaub mit Sonne and Strand. Viele Investoren blicken gerade auf Ferienhotels. Denn die Stadthotellerie wird noch länger und stärker von den Folgen der Krisen betroffen sein“, sagt Krüger.

Tui habe nicht nur spezielle Scouts, sondern 20 000 Partner und Beschäftigte an Reisezielen, die vor Ort oft exklusiv von Investitionsgelegenheiten hören. „Im Gegenzug sieht der Fonds auch eine Beratungsgebühr für Tui vor, dafür, dass wir dieses sehr wichtige Investitions-Know-how zur Verfügung stellen. In der Summe ist das eine Win-Win-Konstellation für beide Seiten”, sagt Krüger.

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Ausdrücklich werden langfristig orientierte Großanleger angesprochen. Die Idee, einen Fonds auch für die eigenen Kunden als Anleger zu öffnen und damit zugleich ein Kundenbindungsinstrument zu haben, sei auch erwogen worden, berichtet er. Es habe sich aber gezeigt, dass Regulierungshürden im Privatanlegermarkt wesentlich höher seien. An einem Fonds für Urlauber werde daher zunächst nicht gearbeitet.

Einstweilen bleibt auch noch der Staat einer der großen Investoren von Tui. Durch mehrere Unterstützungsrunden hält Deutschland am Tui-Kapital stille Einlagen von insgesamt 1,1 Milliarden Euro. Ein Teil davon ist in reguläre Aktien wandelbar, Tui müsste dann weniger zurückzahlen. Denkbar ist ein Szenario, dass der Bund stille Einlagen in Aktien wandelt und diese dann direkt weiter verkauft. Bis zur Rückgabe aller staatlichen Hilfen dürfte noch einige Zeit vergehen.

Der Konzern verfügte zum Jahresende nach eigenen Angaben über 3,3 Milliarden Euro an Liquidität. Einen Teil der gewährten Kreditlinien könnte man schon retournieren. Doch Tui will abwarten, bis nicht nur eigene finanzielle Stabilität sondern auch Stabilität in der Urlaubernachfrage gewährleistet sei. Zum Geschäftsjahresende hatte Tui die Kreditlinie der KfW über knapp 3 Milliarden Euro nicht in Anspruch genommen.

Quelle: F.A.Z.
Timo Kotowski
Redakteur in der Wirtschaft.
Susanne Preuß
Wirtschaftskorrespondentin in Hamburg.
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