Kampf für Umweltschutz

„Die Zukunft ist nicht die Einweg-Papiertüte“

Von Andreas Mihm, Berlin
06.11.2019
, 13:30
Eine Frau trägt Einkäufe in einer Plastiktüte. Bald könnte dies ein seltenes Bild sein.
Das Bundeskabinett hat einen Gesetzentwurf zum Verbot von Plastiktüten beschlossen. Nur die durchsichtigen Beutelchen an der Obst- und Gemüsetheke dürfen bleiben – vorerst noch.
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Das Bundeskabinett hat einen Gesetzentwurf von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) zum Verbot von Plastiktüten beschlossen. Er sieht vor, dass die Ausgabe von Plastiktüten mit einer Wandstärke von weniger als 50 Mikrometer oder 0,05 Millimeter künftig verboten wird. Ausgenommen von dem Verbot sind sogenannte „Hemdchen“- oder „Knotenbeutel“, die vor allem zum Abpacken loser Waren in der Obst- und Gemüseabteilung benutzt werden. Deren Verbot würde derzeit eher zu mehr als zu weniger Verpackungsabfällen führen, hieß es.

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Schulze nannte Plastiktüten den „Inbegriff der Ressourcenverschwendung“, weil sie aus Rohöl hergestellt und oft nur wenige Minuten genutzt würden. Häufig landeten sie zudem in der Umwelt, wo sie dann über viele Jahrzehnte bleiben und Schaden anrichten könnten. Das Verbot soll sechs Monate nach Verkündung des Gesetzes in Kraft treten, damit voraussichtlich im Laufe des kommenden Jahres. Wer die Tüten nach dem Verbot in Verkehr bringt, riskiert ein Bußgeld von bis zu 100.000 Euro.

Jeder nutzt 20 Plastiktüten im Jahr

Schulze begründete das geplante Verbot irritierenderweise auch mit dem Erfolg freiwilliger Vereinbarungen zur Reduzierung des Tüteneinsatzes – auf die sie aber nicht weiter setzen will. Sie sagte, die Erfahrungen der letzten Jahre damit hätte gezeigt: „Es geht auch ohne die Plastiktüte beim Einkauf.“

Immer mehr Menschen gewöhnen sich daran, Mehrwegbeutel mit sich zu führen. Aktuell verbrauche jeder Bundesbürger 20 Plastiktüten im Jahr. „Mit einem Verbot kommen wir jetzt auf null“, sagte sie. Denn das gelte auch für jene die Händler, die sich der Vereinbarung bisher nicht unterworfen hätten.

Der Entwurf verbietet den Vertreibern, also den Einzelhändlern, Kunststofftragetaschen mit einer Wandstärke von weniger 0,05 Millimetern Wandstärke abzugeben. Die Begründung: Leichte Kunststofftragetaschen würden seltener wiederverwendet als solche aus stärkerem Material. An Stelle leichter Kunststofftragetaschen sollten sinnvollerweise Mehrweg-Taschen aus Kunststoff und Polyester verwendet werden, empfiehlt das Ministerium. Je häufiger sie benutzt würden, desto umweltfreundlicher seien sie.

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Schulze hält auch nichts vom Ersatz der Plastik- durch Papiertüten, wie sie viele Supermarktketten im Angebot haben: „Die Zukunft ist nicht die Einweg-Papiertüte.“ Die Zukunft seien vielmehr Mehrwegtüten. Die Umweltbilanz einer Mehrweg-Tragetasche aus Plastik sei bereits nach drei Nutzungen umweltfreundlicher als die der Einweg-Plastiktüte.

Das Verbot von Einweg-Kunststofftragetaschen sei indes nur ein Baustein in der Strategie für weniger Plastik und mehr Recycling. Bereits im Jahr 2021 würden weitere Einweg-Kunststoffartikel wie etwa Plastikgeschirr in Umsetzung der EU-Einwegkunststoffrichtlinie verboten.

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Quelle: FAZ.NET
Andreas Mihm - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Andreas Mihm
Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.
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