UN-Bericht zur Ernährungslage

„Der akute Hunger erreicht ein noch nie da gewesenes Ausmaß“

Von Christian Schubert, Rom
04.05.2022
, 16:51
Vertriebene aus der Region Tigray stehen Schlange, um gespendete Lebensmittel in einem Aufnahmezentrum für Binnenvertriebene zu erhalten.
Schon vor dem Krieg in der Ukraine war die Lage dramatisch – Millionen von Menschen in Dutzenden von Ländern wurden an den Rand des Verhungerns getrieben. Der wichtigste Grund für die Ernährungskrise ist menschengemacht.
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Die Zahl der Menschen, die von akutem Hunger betroffen sind, steigt auf alarmierende Weise. Zu diesem Schluss kommt der Jahresbericht des Globalen Netzwerkes gegen Ernährungskrisen (GNAFC), einer Allianz aus verschiedenen Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen. Das Beunruhigende dabei: Die Analyse bezieht sich auf das vergangene Jahr, also die Zeit vor dem Krieg in der Ukraine, der die Lage noch mal deutlich verschlechtert hat.

„Der akute Hunger erreicht ein noch nie da gewesenes Ausmaß, und die globale Si­tuation wird immer schlimmer“, klagt David Beasley, der Exekutivdirektor des Welternährungsprogramms, einer UN-Organisation mit Hauptsitz in Rom. Schon vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine hätten Konflikte, die Klimakrise, Covid-19 sowie steigende Lebensmittel- und Treibstoffkosten „einen perfekten Sturm ausgelöst“. Millionen von Menschen in Dutzenden von Ländern würden an den Rand des Verhungerns getrieben. „Wir brauchen dringend Nothilfe, um diese Menschen vor dem Abgrund zu bewahren und die globale Krise zu überwinden, bevor es zu spät ist“, forderte Beasley gemeinsam mit der Welternährungsorganisation FAO und anderen Einrichtungen.

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Im Jahr 2021 sind laut dem jüngsten Jahresbericht rund 193 Millionen Menschen in 53 Ländern und Gebieten von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Dies entspricht einem Anstieg um fast 40 Millionen Menschen im Vergleich zu den bereits alarmierenden Zahlen von 2020. Von dieser Gruppe sind 570.000 Menschen in Äthiopien, im Süden Madagaskars, in Südsudan und im Jemen in die am stärksten gefährdete Stufe der akuten Ernährungsunsicherheit eingeordnet worden (IPC/CH-Phase 5). Sie benötigen dringend Hilfe, um den Zusammenbruch ihrer Lebensgrundlagen, Hunger und Tod zu verhindern.

Dramatische Lage in Tigray

Besonders dramatisch ist die Lage etwa in der Region Tigray, wo im vergangenen Jahr mehr als 400.000 Menschen von Hunger akut bedroht waren oder darunter schon litten. Das ist fast viermal so viel wie in Südsudan. In der äthiopischen Region kämpft eine lokale Miliz gegen die Armee des Landes. Menschenrechtsorganisationen haben von ethnischen Säuberungen und schweren ­Menschenrechtsverletzungen berichtet. Durch den Bürgerkrieg wurden geschätzte zwei Millionen Menschen vertrieben.

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Die Ernährungsfachleute haben seit 2016 dieselbe Gruppe von 39 besonders betroffenen Ländern betrachtet und kommen dabei zu dem Schluss, dass sich die Zahl der Menschen, die sich „in einer Krise oder einer noch schlimmeren Situation befinden“ (IPC/CH-Stufe 3 oder noch schlechter), zwischen 2016 und 2021 fast verdoppelt habe.

Die Ernährungskrisen haben ein Bündel von Ursachen: bewaffnete Konflikte, extreme Wetterlagen, wirtschaftliche Schocks und Gesundheitskrisen. Der wichtigste Grund ist menschengemacht: Konflikte seien nach wie vor die Hauptursache für Ernährungsunsicherheit, berichten die Fachleute.

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Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Schubert, Christian
Christian Schubert
Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.
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