FAZ plus ArtikelKein Testat für die Bilanz

Erschreckender Jahresabschluss für Adler

Von Mark Fehr
01.05.2022
, 20:10
Hinter der Fassade: Werbeplakate für neue Wohnungen an einer Berliner Baustelle des Immobilienkonzerns Adler Group
Schwere Vorwürfe und Zweifel an der Bilanz erschüttern die Immobiliengruppe Adler aus dem Nebenwerteindex S-Dax. Aber auch die zuständige Wirtschaftsprüfung macht eine schlechte Figur.
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Für Aktionäre und Gläubiger der schon länger in der Kritik stehenden Adler Group haben sich am Wochenende schlimmste Befürchtungen verfestigt. Noch erschreckender als der gewaltige Verlust von mehr als einer Milliarde Euro aus dem Jahr 2021, den das Immobilienunternehmen am Samstagabend einräumte, war die Mitteilung vom Freitagabend, dass die Wirtschaftsprüfung KPMG die Bilanz für 2021 nicht bestätigen will. Adlers Verwaltungsratsvorsitzender, Stefan Kirsten, zeigte sich trotz allem kämpferisch und will die Gründe für den Versagungsvermerk der Wirtschaftsprüfer schnellstmöglich beseitigen. „Wir streben für 2022 einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk an“, sagte Kirsten in einer Mitteilung vom Samstag. Zunächst aber musste er die Rücktritte von vier seiner Verwaltungsratsmitglieder bekannt geben.

Die Ereignisse sind ein Schock für Adler-Investoren. Der Aktienkurs des S-Dax-Unternehmens brach am Freitagabend im Späthandel nach der verheerenden Kapitalmarktmitteilung über das versagte Bilanztestat um mehr als ein Drittel auf weniger als 5 Euro ein. Schon am Montag vor einer Woche hatte der Kurs 20 Prozent verloren, weil ein wenige Tage zuvor veröffentlichter Sonderprüfbericht von KPMG-Forensikern tiefe Zweifel an der Adler-Bilanz nicht vollständig ausräumen konnte. Anlass für diese aufwendige Sonderprüfung waren schwere Vorwürfe eines externen Kritikers und nicht etwa Bedenken der jahrelang für Adler zuständigen Bilanzprüfer. Der britische Börsenspekulant Fraser Perring und seine Firma Viceroy Research hatten Adler im Oktober 2021 vorgeworfen, Geschäfte zum Nachteil der Aktionäre eingefädelt, Immobilien falsch bewertet und Bilanzkennzahlen manipuliert zu haben. Zudem fehle Adler Geld, um Immobilienprojekte fertig zu bauen. Verunsicherte Investoren dürften sich spätestens nach dem nun verweigerten Testat die Frage stellen, ob auch die Wirtschaftsprüfer diesen Zweifeln schon früher hätten nachgehen müssen. Mit Blick auf diese Frage ist zu unterscheiden zwischen der außerordentlichen Sonderprüfung und den routinemäßigen Bilanzprüfungen, die jedes Jahr stattfinden.

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Quelle: F.A.Z
Autorenporträt / Fehr, Mark
Mark Fehr
Redakteur in der Wirtschaft.
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