Trotz Bafin-Prüfung

Adler zieht Blitz-Hauptversammlung durch

Von Mark Fehr
29.06.2022
, 19:33
Schattenseiten: Das Immobilienunternehmen Adler Group kämpft gegen Zweifel an seinen Bilanzen.
Das Treffen der Aktionäre dauerte keine halbe Stunde, obwohl das Immobilienunternehmen eine lange Liste von Problemen hat und die Finanzaufsicht die Bilanz untersucht.
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Das Immobilienunternehmen Adler Group steckt in einer Vertrauenskrise, doch ist die Hauptversammlung am Mittwoch glatt über die Bühne gegangen. So billigten die Aktionäre die Bilanz für das Jahr 2021, obwohl die Wirtschaftsprüfung KPMG das Zahlenwerk nicht bestätigen will. Auch wurde der im Februar als Aufräumer geholte Immobilienmanager Stefan Kirsten erst als Mitglied des Verwaltungsrats bestätigt und dann zum Vorsitzenden des Kontrollgremiums gewählt. Zudem teilte Adler mit, dass Thierry Beaudemoulin weiter für das Tagesgeschäft des Unternehmens verantwortlich bleiben soll.

Beaudemoulin ist wie zwei weitere hochrangige Adler-Manager zum Tag der Hauptversammlung zurückgetreten, nachdem das Unternehmen Ende April kein Bilanztestat erhalten hatte. Nun haben die Aktionäre die drei für jeweils drei Jahre wiederbestellt. Das wichtige Amt des Finanzchefs soll Thomas Echelmeyer in beratender Funktion ausüben, bis ein neuer Finanzchef ernannt wird. Der Aktienkurs von Adler verlor am Tag der Hauptversammlung zeitweise um bis zu vier Prozent, erholte sich zum Abend hin aber wieder und ging mit einer roten Null aus dem Handel.

ADLER GROUP S.A. NPV

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Normalerweise wird auf Hauptversammlungen auch darüber abgestimmt, welche Wirtschaftsprüfung den nächsten Jahresabschluss prüfen soll. Im Fall Adler ist das dieses Jahr jedoch anders. Denn nachdem die bisher beauftragte Prüfgesellschaft KPMG erklärt hatte, nicht mehr als Abschlussprüfer zur Verfügung zu stehen, hat das Immobilienunternehmen noch keinen Nachfolger für diese wichtige Aufgabe gefunden. „Unsere Ausschreibungsverfahren für einen neuen Abschlussprüfer beginnen unmittelbar nach der heutigen Hauptversammlung“, kündigte Verwaltungsratschef Kirsten an. Er hat es zum Ziel ausgerufen, für das Jahr 2022 einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk durch den Abschlussprüfer zu erhalten. Dafür muss zunächst eine Eröffnungsbilanz zum 1. Januar aufgestellt werden, wie Kirsten Anfang Mai erklärt hatte. Was aus der nicht testierten Bilanz für 2021 wird, ist daher offen.

Das Adler-Management setzt nun auf einen Neuanfang und will mehr Ordnung in die verschachtelte Konzernstruktur bringen. Der Mehrheitsanteil an der Adler Group ist im Februar von der Immobiliengruppe Aggre­gate Holdings an den Großvermieter Vonovia gefallen. Das Dax-Unternehmen hält nun mehr als 20 Prozent der Aktien. Als weitere größere Aktionäre werden auf der Adler-Website der Unternehmer Günther Walcher sowie Gerda Caner angegeben. Beide haben Verbindungen zu dem umstrittenen Immobilieninvestor Cevdet Caner. Knapp zwei Drittel der Aktien befinden sich in Streubesitz.

Privatanleger und Kleinaktionäre können gegen die Großeigentümer jedoch kaum etwas ausrichten. Warum, erklärt der Anlegerschützer Daniel Bauer auf Anfrage der F.A.Z. „Die Hauptversammlung war schon nach nur 20 Minuten beendet, berichtet Bauer, Vorsitzender des Anlegerschutzvereins SdK, der an der Aktionärsversammlung teilgenommen hat.

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Neue Erkenntnisse ergaben sich nicht, sagt Bauer. Er hätte vom Adler-Management erfahren wollen, warum den Forensikern der Wirtschaftsprüfung KPMG ein großer Teil von unternehmensinternen Emails nicht zur Verfügung gestellt wurde.

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Die SdK wollte eigentlich eine Sonderprüfung der Adler-Bilanzen beantragen, nachdem die Wirtschaftsprüfer ihr Testat verweigert hatten. Das gestaltet sich laut Bauer jedoch schwierig, weil die SdK laut den in Luxemburg geltenden Vorschriften zunächst mindestens 10 Prozent der Aktionäre auf ihre Seite bringen müsste, um einen Prüfantrag zu stellen.

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Bei den Adler-Aktionären handelt es sich laut Bauer zu einem großen Teil ausländische, teils passive angelsächsische Fonds, die meist kein Interesse an einer Sonderprüfung hätten. Immerhin scheint es eine Art Lichtblick zu geben: Nach Bauers Beobachtung haben weit weniger deutsche Privatanleger Adler-Aktien gekauft als das etwa im Wirecard-Skandal der Fall war.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Fehr, Mark
Mark Fehr
Redakteur in der Wirtschaft.
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