Amazon, Apple & Co.

Den Tech-Konzernen geht es glänzend

Von Roland Lindner, New York
Aktualisiert am 29.10.2020
 - 23:24
Der Umsatz mit den iPhones verfehlt die Erwartungen. Tim Cook ist trotzdem optimistisch.
Amazon schafft einen weiteren Rekordgewinn, und Facebook beschleunigt sein Wachstum. Apple muss auf das nächste Quartal vertrösten – hat aber guten Grund zum Optimismus.

Die großen amerikanischen Technologiekonzerne schlagen sich inmitten der Corona-Krise weiterhin glänzend. Das geht aus ihren Quartalsberichten hervor, die am Donnerstag nach Börsenschluss vorgelegt wurden. Der Online-Händler Amazon.com hat für die vergangenen drei Monate einen abermaligen Rekordgewinn ausgewiesen, das soziale Netzwerk Facebook hat sein Umsatzwachstum erheblich beschleunigt, und die Alphabet-Holding um den Internetkonzern Google ist nach einem Umsatzminus im zweiten Quartal wieder auf Wachstumskurs. Für den Elektronikkonzern Apple war das Bild etwas gemischt, aber das hat damit zu tun, dass er die neuen Modelle seines iPhone-Handys in diesem Jahr später herausbringt. Der erwartete Schub einer neuen iPhone-Generation für das Geschäft macht sich also im abgelaufenen Quartal im Gegensatz zum Vorjahreszeitraum noch nicht bemerkbar.

Die Börse reagierte unterschiedlich auf die Quartalsberichte: Am besten kamen die Zahlen von Alphabet an, die Aktie gewann im nachbörslichen Handel zeitweise mehr als acht Prozent an Wert. Amazon und Facebook notierten wenig verändert, und der Apple-Kurs fiel um knapp vier Prozent.

Amazon meldete einen Umsatzsprung um 37 Prozent auf 96,1 Milliarden Dollar, Analysten hatten mit 92,7 Milliarden Dollar gerechnet. Das Umsatzwachstum war zwar im zweiten Quartal noch etwas höher. Allerdings fiel diesmal Amazons jährliche Sonderaktion „Prime Day“, die üblicherweise das Geschäft belebt, nicht ins dritte Quartal, sie wurde wegen der Corona-Krise von Juli auf Oktober verschoben. Der Nettogewinn hat sich auf einen Rekordwert von 6,3 Milliarden Dollar verdreifacht, und das Ergebnis je Aktie lag weit über den Erwartungen. Amazon gilt als einer der größten Gewinner der Corona-Krise und hat seine Belegschaft dramatisch ausgeweitet. Der Konzern beschäftigte zum Quartalsende 1,125 Millionen Mitarbeiter, 375.000 mehr als vor einem Jahr.

Tim Cook zeigt sich optimistisch

Amazon Web Services (AWS), die für den Konzern in den vergangenen Jahren immer wichtiger gewordene Sparte für „Cloud Computing“, schaffte im jüngsten Quartal ein Umsatzplus um 29 Prozent auf 11,6 Milliarden Dollar. Dieses Geschäft ist für Amazon überdurchschnittlich profitabel und steuerte mehr als die Hälfte zum Betriebsgewinn bei. Noch stärker gewachsen ist das Geschäft mit Werbung, das ebenfalls hohe Gewinnmargen bringt. In dieser Konzernsparte stieg der Umsatz um 51 Prozent auf 5,4 Milliarden Dollar. Andrew Lipsman von der Marktforschungsgruppe Emarketer sagte zu den Zahlen, Amazon habe „eine schon hohe Messlatte leicht übersprungen“.

Apples Umsatz kletterte nur um ein Prozent auf 64,7 Milliarden Dollar, lag aber über den durchschnittlichen Analystenschätzungen von 63,7 Milliarden Dollar. Der Umsatz mit den iPhones fiel wegen der verschobenen neuen Modelle um 21 Prozent auf 26,4 Milliarden Dollar und verfehlte die Erwartungen. Vorstandschef Tim Cook zeigte sich aber mit Blick auf die neue „iPhone 12“-Modellgeneration optimistisch. Apple bringt insgesamt vier Versionen der Handyreihe, zwei von ihnen sind seit vergangener Woche erhältlich, zwei weitere sollen im November auf den Markt kommen. Für Apple sind es die ersten Modelle, die mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G arbeiten können. Cook nannte 5G für Apple eine Chance, wie sie „einmal im Jahrzehnt“ komme und sagte, er sei mit Blick auf die nächsten Wochen „sehr optimistisch“. Finanzvorstand Luca Maestri sprach von einem „großartigen Start“ für die bislang herausgebrachten neuen Modelle und sagte für das neue Quartal wieder ein Umsatzwachstum in der iPhone-Sparte voraus.

Jenseits des iPhone schaffte Apple in allen anderen Produktkategorien rasantes Umsatzwachstum. Im Dienstleistungsgeschäft, das hinter dem iPhone mittlerweile die zweitstärkste Sparte ist, stiegen die Umsätze um 16 Prozent auf 14,6 Milliarden Dollar. Zu der Sparte gehören unter anderem der Bezahldienst Apple Pay, der App Store und das Videoangebot Apple TV+, ein Konkurrenzprodukt zu Netflix. Auch Zahlungen von Google dafür, seine Suchmaschine zum Standard auf Apple-Produkten zu machen, fließen hier mit ein. Diese Partnerschaft zwischen den beiden Konzernen erfährt derzeit wegen einer in der vergangenen Woche eingereichten Kartellklage gegen Google viel Aufmerksamkeit. Das amerikanische Justizministerium hält sie für wettbewerbswidrig. In der Klage heißt es, Google zahle jährlich zwischen acht Milliarden und zwölf Milliarden Dollar an Apple.

Facebook übertrifft die Erwartungen

Das stärkste Wachstum schaffte Apple diesmal mit seinem Tabletcomputer iPad, der Umsatz stieg um 46 Prozent auf 6,8 Milliarden Dollar. Bei den Macintosh-Computern gab es ein Wachstum um 29 Prozent auf 9,0 Milliarden Dollar. In der „Wearables“-Sparte, zu der die Computeruhr Apple Watch und die kabellosen Airpod-Kopfhörer gehören, stieg der Umsatz um 21 Prozent auf 7,9 Milliarden Dollar. Apples Nettogewinn fiel wegen höherer Kosten um sieben Prozent auf 12,7 Milliarden Dollar, der Gewinn je Aktie von 73 Cent war aber um drei Cent höher als erwartet.

Facebook wies ein Umsatzplus von 22 Prozent auf 21,4 Milliarden Dollar aus, Analysten hatten mit 19,8 Milliarden Dollar gerechnet. Im zweiten Quartal hatte das Wachstum noch bei 11 Prozent gelegen. Die Beschleunigung legt nahe, dass sich der Werbeboykott im Frühsommer nicht allzu sehr auf das Geschäft ausgewirkt hat. Hunderte von Unternehmen haben angekündigt, vorübergehend keine Anzeigen auf Facebook zu schalten. Sie folgten damit einem Aufruf von Menschenrechtsgruppen, nach deren Meinung das soziale Netzwerk zu wenig gegen Hasskommentare tut. Facebooks Nettogewinn stieg um 29 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie von 2,71 Dollar war um 80 Cent besser als erwartet. Facebook musste allerdings einen ungewöhnlichen, wenn auch nur leichten Rückgang bei seinen Nutzerzahlen in den Vereinigten Staaten hinnehmen. Dies wurde darauf zurückgeführt, dass die Zahlen im zweiten Quartal wegen der Corona-Krise besonders stark gestiegen sind und die Vorgabe entsprechend hoch war.

Alphabet steigerte den Umsatz um 14 Prozent auf 46,2 Milliarden Dollar, Analysten hatten 42,9 Milliarden Dollar vorhergesagt. Im zweiten Quartal musste das Unternehmen noch ein Umsatzminus von zwei Prozent hinnehmen. Besonders gut schnitt die Videoseite Youtube ab, deren Werbeumsätze um 32 Prozent auf 5,0 Milliarden Dollar stiegen. Im Cloud-Geschäft, in dem Google mit Amazon konkurriert, gab es ein Umsatzplus um 45 Prozent aurf 3,4 Milliarden Dollar. Alphabets Nettogewinn stieg von 7,1 Milliarden auf 11,2 Milliarden Dollar, das Ergebnis je Aktie lag deutlich über den Erwartungen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenportät / Lindner, Roland
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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