Online-Händler

Amazon sorgt für Enttäuschung

Von Roland Lindner und Bastian Benrath
30.07.2021
, 19:21
Der Internetriese Amazon sorgt für eine Enttäuschung.
In der Pandemie haben Kunden viel online bestellt. Nun wächst der Konzern deutlich langsamer – und bekommt in Europa eine hohe Geldstrafe auferlegt.

Nach glänzenden Geschäftsergebnissen von Apple, Microsoft, Facebook und dem Google-Mutterkonzern Alphabet waren eigentlich auch von Amazon.com positive Nachrichten erwartet worden. Aber als der Online-Händler seine Zahlen vorlegte, sorgte er für eine Enttäuschung: Das Umsatzwachstum hat sich im jüngsten Quartal erheblich verlangsamt und fiel niedriger aus als von Analysten erwartet. Die Aktie verlor am Freitag zeitweise um mehr als 7 Prozent an Wert.

Neben den Geschäftszahlen machte Amazon auch eine hohe Geldstrafe in Europa publik. Die Datenschutzbehörde in Luxemburg, dem Sitz der europäischen Amazon-Tochtergesellschaft, habe eine Strafzahlung von 746 Millionen Euro wegen Verstößen gegen die Datenschutzgrundverordnung der EU verhängt. Dies ist die höchste Buße, die es bislang im Zusammenhang mit dem europäischen Datenschutzgesetz gab. In dem Fall geht es Amazons Angaben zufolge um den Umgang mit persönlichen Daten im Zusammenhang mit Werbung. Der Konzern teilte mit, er widerspreche dem Urteil „vehement“ und wolle Berufung einlegen. Die Entscheidung beruhe auf subjektiven und ungeprüften Auslegungen des europäischen Datenschutzrechts, zudem stehe die Geldbuße selbst bei dieser Auslegung „in überhaupt keinem Verhältnis“ zum Sachverhalt.

Amazon gilt als einer der großen Gewinner der Corona-Krise. Das Kerngeschäft mit dem Online-Handel profitierte davon, dass immer mehr Menschen im Internet einkauften. Auch Amazon Web Services (AWS), die Sparte für Cloud Computing, wuchs rasant. Das Bild im zweiten Quartal war aber sehr gemischt: Konzernweit stieg der Umsatz um 27 Prozent auf 113,1 Milliarden Dollar. Das lag unter den von Analysten im Schnitt vorhergesagten 115,2 Milliarden Dollar und bedeutete eine erhebliche Abschwächung im Vergleich zum ersten Quartal, als die Umsätze noch um 44 Prozent stiegen. Amazon hatte diesmal auch mit hohen Vorgaben zu kämpfen. Das Vorjahresquartal war das erste, in dem sich die Pandemie voll bemerkbar machte.

Das niedriger als erwartet ausgefallene Umsatzwachstum geht vor allem auf den Online-Handel zurück. Hier stiegen die Umsätze nur um 13 Prozent, in den vorangegangenen beiden Quartalen waren es noch jeweils mehr als 40 Prozent. Die Abschwächung war umso überraschender, weil der „Prime Day“ in das vergangene Quartal fiel, an dem Amazon besonders stark mit Sonderangeboten wirbt. Er liegt üblicherweise im dritten Quartal, im vergangenen Jahr wurde er wegen der Pandemie auf den Oktober verschoben.

Einmal mehr sehr gut abgeschnitten hat dagegen die Cloud-Sparte AWS. Hier gab es sogar das stärkste Wachstum seit mehr als einem Jahr, die Umsätze erhöhten sich um 37 Prozent. AWS ist auch insofern besonders wichtig für Amazon, weil das Geschäft besonders profitabel ist. Stark gewachsen ist auch die Sparte mit Online-Werbung, die ebenfalls überproportional hohe Gewinnmargen haben dürfte. Die gute Entwicklung dieser profitablen Geschäfte hat dem Nettogewinn geholfen, der im vergangenen Quartal um 48 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar stieg. Der Gewinn je Aktie war höher als erwartet.

Was den Umsatz betrifft, ist Amazon auch mit Blick auf das angelaufene dritte Quartal zurückhaltend. Der Konzern sagt ein Wachstum zwischen 10 und 16 Prozent voraus, also eine weitere deutliche Abschwächung. Die schlechter als erwarteten Ergebnisse kommen nur wenige Wochen nach einer Zäsur im Unternehmen: Am 5. Juli ist Gründer Jeff Bezos als Vorstandsvorsitzender zurückgetreten. Sein Nachfolger ist Andy Jassy, der bislang AWS geführt hat.

Quelle: F.A.Z.
Autorenportät / Lindner, Roland
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
Twitter
Autorenporträt / Benrath, Bastian
Bastian Benrath
Redakteur in der Wirtschaft.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot