Anfechtungsklage der SdK

Anlegerschützer torpedieren den VW-Vergleich

Von Marcus Jung
27.08.2021
, 15:47
Spitzenmanager kaufen sich frei: Martin Winterkorn und Rupert Stadler zahlen zusammen mehr als 15 Millionen Euro Schadenersatz an Volkswagen.
Durch die Vergleiche mit Martin Winterkorn, Rupert Stadler und anderen Spitzenmanagern wollte Volkswagen die Aufklärung im Abgasbetrug abschließen. Doch eine Klage von Aktionärsvertretern durchkreuzt diesen Plan.

Für Volkswagen sollten die Beschlüsse auf der diesjährigen Hauptversammlung den „Schlussstrich“ der internen Aufarbeitung des Dieselskandals bilden. Aufsichtsrat und Vorstand bekräftigten im Juli, dass gerade die Vergleiche mit dem früheren Konzernchef Martin Winterkorn, dem einstigen Audi-Chef Rupert Stadler sowie weiteren Ex-Führungskräften einen zentralen Baustein bilden. Im Frühsommer hatten sich VW und frühere Spitzenmanager auf einen Schadenersatz geeinigt: Winterkorn zahlt die Rekordsumme von 11,2 Millionen Euro, Stadler steuert 4,1 Millionen Euro bei. Die ehemaligen Entwicklungsvorstände von Audi und Porsche, Stefan Knirsch und Wolfgang Hatz, erklärten sich zur Zahlung von 1 Million beziehungsweise 1,5 Millionen Euro bereit. 270 Millionen Euro erhält Volkswagen außerdem aus einer HaftpflichtPolice (D&O), die der Konzern für sein Top-Management abgeschlossen hat.

So schnell kann VW diese Kapitel jedoch nicht schließen. Am Freitag hat die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) ihre Anfechtungs- beziehungsweise Nichtigkeitsklage gegen die Beschlüsse der VW-Hauptversammlung öffentlich gemacht. Die Klage ist beim Landgericht Hannover eingereicht worden. „Der genaue Schaden ist noch gar nicht absehbar“, erklärten die Anlegervertreter.

Weitere Sanktionen möglich

Ihrer Auffassung nach ist der Abgasbetrug nicht abschließend ausermittelt. Zudem seit nicht absehbar, welche weiteren Sanktionen etwa in den USA auf den Konzern und dessen ehemaligen Organe zukommen werde. „Trotzdem sollen die Ersatzansprüche bereits jetzt abschließend geregelt werden.“ Auf Nachfrage teilte ein Sprecher von Volkswagen mit, dass die Klage dem Konzern erst seit Donnerstagabend vorliege. „Volkswagen ist überzeugt, dass sämtliche Beschlüsse der diesjährigen Hauptversammlung – die jeweils mit mehr als 99 Prozent der Stimmen beschlossen wurden – wirksam sind. Die von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger öffentlich genannten Anfechtungsgründe entbehren jeder Grundlage“, sagte der Sprecher.

Das Vorgehen der Anlegerschützer findet den Zuspruch der Bürgerbewegung Finanzwende. Ein Erfolg der SdK wäre auch ein Zeichen an andere Manager, die Unternehmen und teils auch der Gesellschaft Schaden zufügen, erklärte Vereinsvorstand Gerhard Schick. Die Beispiele Winterkorn und Stadler zeigten erneut, dass im Ernstfall häufig keine Verantwortung übernommen werde. „Die Summe, mit der sie sich jetzt von jeder weiteren Schadenersatzforderung freikaufen können, ist lächerlich gering – sowohl im Vergleich zu den erhaltenen Gehältern als auch im Vergleich zum Schaden für VW und Audi, den sie mitzuverantworten haben“, kritisierte Schick.

Quelle: mj
Autorenbild/ Marcus Jung
Marcus Jung
Redakteur in der Wirtschaft.
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