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Unter Trumps Präsidentschaft

Autobauer stellen sich auf neue Zeitrechnung ein

Von Roland Lindner und Martin Gropp, Detroit
 - 12:29
Letzte Wartung vor dem Messestart: Die Auto-Show in Detroit ist das erste Schaulaufen und Diskussionsforum der Branche in diesem Jahr.zur Bildergalerie

Vor einem Jahr stattete Barack Obama der Auto-Show in Detroit einen Besuch ab. Es war als eine Art Ehrenrunde gegen Ende seiner Amtszeit als amerikanischer Präsident gedacht, denn Obama sieht seinen Einsatz für die heimische Autoindustrie als einen seiner größten Erfolge. Er half 2009 bei der Rettung von General Motors und Chrysler mit staatlich finanzierten Insolvenzen. Für die diesjährige Auto-Show, die am Montag beginnt, hat sich kein ähnlich ranghoher Besuch angesagt. Aber die Präsenz des designierten Präsidenten Donald Trump, dessen Vereidigung kurz bevorsteht, wird in den Messehallen zu spüren sein.

Trump hat die Branche schon vor seinem Antritt mit seiner ganz eigenen Art der Industriepolitik aufgeschreckt. Er hat versprochen, als Präsident dafür zu sorgen, Industriebetriebe in Amerika zu erhalten oder zurückzubringen. Er stellte einzelne Unternehmen in Wahlkampfreden und per Twitter an den Pranger, die im Ausland produzieren lassen.

Den beiden größten amerikanischen Herstellern, General Motors und Ford, und dem japanischen Wettbewerber Toyota hat er gedroht, Strafzölle auf in Mexiko gefertigte und in den Vereinigten Staaten verkaufte Autos zu verhängen. Das muss auch deutsche Hersteller alarmieren, für die Amerika ein wichtiger Exportmarkt ist.

Auch deutsche Hersteller sind potentielles Trump-Ziel

Dass für die Branche in den Vereinigten Staaten womöglich eine neue Zeitrechnung beginnt, wurde wenige Tage vor Messebeginn deutlich. Ford kündigte an, seine Pläne für ein 1,6 Milliarden teures neues Werk in Mexiko aufzugeben. Das kam überraschend, zuvor hatte der Hersteller aller Kritik von Trump zum Trotz beteuert, er wolle an dem Vorhaben festhalten.

Ein Teil des gesparten Geldes soll nun in eine Produktionsstätte nahe Detroit fließen, was 700 neue Arbeitsplätze bringen soll. Ford-Vorstandschef Mark Fields verwies zur Begründung seiner Entscheidung auf die von Trump in Aussicht gestellten Reformen von Steuergesetzen und Regulierungen, die „pro Wachstum“ seien. Die Kehrtwende warf die Frage auf, ob sich die ebenfalls von Trump ins Visier genommenen Konkurrenten GM und Toyota zu ähnlichen Schritten gezwungen sehen.

Auch die deutschen Hersteller sind mit ihrem Engagement in Mexiko ein potentielles Ziel für Attacken von Trump. Volkswagen produziert seit mehr als fünfzig Jahren in dem Land. Daimler stellt dort Lastwagen und Busse her und will demnächst auch Mercedes-Fahrzeuge vom Band laufenlassen.

Mehr als eine Milliarde für mexikanisches Werk

BMW hat erst im vergangenen Juni den Grundstein für sein erstes mexikanisches Werk gelegt, in das das Unternehmen mehr als eine Milliarde Dollar investiert. 16 Prozent der von deutschen Herstellern in den Vereinigten Staaten verkauften Autos stammen aus Mexiko, weitere 40 Prozent werden aus Deutschland importiert. Jedes fünfte Fahrzeug fertigen sie in den Vereinigten Staaten.

Matthias Wissmann, der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), versucht dennoch, dem bevorstehenden Regierungswechsel Positives abzugewinnen: „Wir gehen davon aus, dass der neue Präsident die Industrie seines Landes stärken will“, sagte er der F.A.Z. Trump habe Steuererleichterungen und Infrastrukturprogramme angekündigt.

F.A.Z.-Fahrbericht
Mercedes E 220 d
© F.A.Z., Mercedes, F.A.Z., Mercedes

„Wenn diese Pläne umgesetzt werden, stärkt das die Binnenkonjunktur - mit positiver Wirkung auf das Automobilgeschäft.“ Das würde auch den deutschen Konzernen helfen, die in den vergangenen Jahren ihre Produktion in den Vereinigten Staaten ausgebaut haben. Entscheidend für Wachstum und Beschäftigung seien auch die Rahmenbedingungen, etwa Steuern und Energiekosten, aber ebenso der von Trump in Frage gestellte freie Warenhandel.

Trumps Botschaften fallen auf fruchtbaren Boden

„Er bietet erhebliche Vorteile, gerade auch für amerikanische Unternehmen“, sagt Wissmann und pocht darauf, dass das auch in Zukunft so sein wird. „Von verbesserten Handelsbedingungen zwischen Europa und den Vereinigten Staaten könnten beide Seiten eigentlich nur profitieren.“

Für Deutschlands Autoindustrie spielen die Vereinigten Staaten eine wichtige Rolle. Sie sind nach VDA-Angaben hinter Großbritannien ihr zweitwichtigster Exportmarkt. Weil die Hersteller dort vor allem teurere Autos verkaufen, belegten die Vereinigten Staaten zuletzt mit einem Exportwert in Höhe von 24 Milliarden Euro wertmäßig sogar Platz eins. 2015 wurden dort laut VDA 1,4 Millionen Neuwagen verkauft, 2 Prozent mehr als 2014. Ihr Marktanteil schrumpfte aber leicht von 8,3 auf 8,0 Prozent. Die Zahlen für 2016 will der Verband am Montag vorlegen.

Trumps Botschaften sind in der Heimat der amerikanischen Autoindustrie auf fruchtbaren Boden gefallen. Im Bundesstaat Michigan, in dem Detroit liegt und in dem Hersteller wie GM und Ford zu Hause sind, haben sich die Wähler im November zum ersten Mal seit fast 30 Jahren für den Vertreter der Republikanischen Partei entschieden und damit maßgeblich zu Trumps Erfolg beigetragen.

Die Pick-ups boomen weiter

Doch nicht nur der Regierungswechsel ist für die Autobranche in Amerika ein Unsicherheitsfaktor. Der Markt gibt ohnehin Anlass zur Sorge. Zwar stehen die Hersteller heute wirtschaftlich solide da und haben in Amerika neue Arbeitsplätze geschaffen. Trotzdem sind ihre Belegschaften kleiner als vor einigen Jahrzehnten. Und es ist fraglich, ob die Glanzzeiten der vergangenen Jahre fortdauern werden.

Nach der überstandenen Finanzkrise haben sich die Verkaufszahlen Jahr für Jahr erhöht, 2016 wurde mit 17,6 Millionen Autos ein Rekord erreicht. Es gibt aber beunruhigende Zeichen: Der Absatz lag 2016 nur minimal über der Vorjahresmarke. Zudem sahen sich die Hersteller zuletzt gezwungen, ihre Verkäufe mit sehr hohen Rabatten zu stützen. GM und Ford haben angekündigt, in den Vereinigten Staaten die Produktion zu drosseln.

Die Kürzungen betreffen vor allem Werke, in denen klassische Personenwagen produziert werden. Diese Autos verkaufen sich momentan schlecht. Angesichts niedriger Benzinpreise wählen Amerikaner größere Modelle wie sportliche Geländewagen oder Pick-up-Transporter. Im Dezember stand das „Light Truck“-Segment für fast 60 Prozent des Gesamtabsatzes. Das meistverkaufte Auto 2016 war einmal mehr die F-Serie von Ford, ein Pick-up.

Abgasskandal wirkt noch

Der deutsche Verbandschef Wissmann beurteilt die Lage in Amerika dennoch positiv. „Die Stimmung ist gut.“ In Detroit wollen die deutschen Hersteller mit Premiumwagen punkten. So will BMW seine 5er-Limousine einem größeren Publikum vorstellen. Daimler ist mit einem neuen Coupé aus der E-Klasse vertreten. Es muss sich aber zeigen, ob die Neuheiten den deutschen Herstellern im zweiten Jahr nach dem Volkswagen-Skandal um manipulierte Abgaswerte helfen, verlorengegangene Reputation zurückgewinnen.

„Die Vorgänge haben besonders in den Vereinigten Staaten Vertrauen gekostet“, gesteht der VDA-Präsident zu. „Das gilt es wiederaufzubauen, mit Transparenz und Offenheit.“ Doch richte sich der Blick nach vorn. „Unsere Hersteller kommen mit neuen Modellen nach Detroit, auch mit Autos, die speziell für den amerikanischen Markt entwickelt werden.“ Damit solle die Stellung vor allem im Premiumsegment verteidigt werden, wo der Marktanteil bei mehr als 40 Prozent liege. Bei den Light Trucks wüchsen die Deutschen derzeit schneller als der Markt.

Las Vegas
Ein Blick in die Zukunft auf der CES
© afp, afp

Die Automesse in Detroit folgt wenige Tage auf die Elektronikmesse CES, die für die Autoindustrie zu einem Pflichttermin geworden. Bei den großen Themen wie autonomes Fahren, Elektromobilität und Vernetzung spielt die Elektronik eine bedeutende Rolle. Diesmal waren die Vorstandsvorsitzenden von Herstellern wie Ford oder Nissan in Las Vegas, Audi und BMW nutzten die CES, um Initiativen rund um autonomes Fahren zu verkünden.

Was machen Google und Apple?

Die Annäherung der beiden Welten wird auch in Detroit zu spüren sein. Auf dem Programm steht ein Auftritt von Waymo, dem im Internetkonzern Google entstandenen Autoprojekt, das seit kurzem eine eigenständige Tochtergesellschaft in der Google-Holding Alphabet ist.

In den vergangenen Jahren ist viel darüber gesprochen worden, ob Google oder Apple mit ihren Vorstößen in das Autogeschäft zu einer Konkurrenz für die traditionellen Hersteller werden könnten. Zuletzt gab es aber Berichte, wonach beide Konzerne ihre Ambitionen zurückgeschraubt haben und doch nicht planen, selbst Autos zu bauen.

Es wäre nicht das einzige Indiz dafür, dass sich die etablierten Autohersteller von neuen Herausforderern nicht so leicht die Butter vom Brot nehmen lassen wollen. GM hat zum Beispiel vor wenigen Wochen sein Elektroauto Chevrolet Bolt eingeführt - und ist damit dem aufstrebenden Wettbewerber Tesla zuvorgekommen, dessen preislich vergleichbares „Model 3“ noch auf sich warten lässt.

Quelle: F.A.Z.
Autorenportät / Lindner, Roland
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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Martin Gropp - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Martin Gropp
Redakteur in der Wirtschaft.
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