Fehlende Halbleiter

Chip-Mangel der Autobranche beschäftigt nun auch die Regierung

19.01.2021
, 08:04
Die Covid-19-Pandemie hat den globalen Automarkt durcheinandergewirbelt. Wegen Engpässen bei dringend benötigten Halbleitern sind tausende Mitarbeiter deutscher Hersteller in Kurzarbeit. Jetzt soll die Regierung helfen.

Die akuten Engpässe bei wichtigen Halbleiter-Produkten wie Elektronik-Chips und Sensoren alarmieren die deutsche Autoindustrie zunehmend. Inzwischen liefen Beratungen mit der Politik darüber, wie sich die Lage entschärfen lassen könnte, teilte der Branchenverband VDA in Berlin mit. „Global wird intensiv daran gearbeitet, die Versorgung mit Halbleitern – insbesondere auf der Ebene der Chip-Hersteller – sicherzustellen“, hieß es. „Der VDA ist hierzu auch mit der Bundesregierung in Kontakt.“

Bei Herstellern wie Volkswagen, Daimler oder Audi waren zuletzt schon etliche Schichten ausgefallen. Deshalb gibt es vorübergehend wieder mehr Kurzarbeit. Weiterverarbeiter von Halbleiter-Material und Autozulieferer wie Hella oder Continental sprachen ebenso von Engpässen. Auch einige andere Wirtschaftszweige haben Probleme.

„Aufgrund unterschiedlicher Einflüsse ist die weltweite Nachfrage nach bestimmten Halbleiter-Bauteilen derzeit höher als das Angebot“, hieß es vom VDA. „Von dieser Verknappung sind auch die weltweite Automobilindustrie und Elektronik-Lieferanten betroffen.“

Autogeschäft zieht früher wieder an als erwartet

Als eine Ursache gilt die angespannte Situation bei einigen zentralen Zulieferern, auch in Asien. Die aktuelle Nachfragespitze bei Halbleitern kommt für einige Chip-Produzenten überraschend – das Autogeschäft zieht wieder früher an als erwartet, während andere Branchen wie Unterhaltungselektronik oder Medizintechnik ebenfalls versorgt werden wollen. Hinzu kommen unterausgelastete Kapazitäten beim Rohstoff Silizium im wichtigen Erzeugerland China.

Die fortdauernde Knappheit auf dem Markt für Computerchips könnte die bisher prognostizierte globale Autoproduktion in diesem Jahr deshalb sogar verringern und die vorhergesagte Erholung etwas kleiner ausfallen lassen. Wie die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) am Montag auf Grundlage von Daten des Dienstleisters LMC Automotive berichtete, könnten am Jahresende 1,3 bis 2,2 Millionen Fahrzeuge weniger hergestellt werden als angepeilt. Bisher lautete die Vorhersage, dass in diesem Jahr rund um die Welt etwa 87,6 Millionen Fahrzeuge entstehen, was ein Plus von 16 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr bedeutet hätte, in dem wegen der Corona-Krise deutlich weniger Fahrzeuge gebaut wurden. Entsprechend liegt die Prognose für die Produktion nun in einem Korridor zwischen 85,4 und 86,3 Millionen Fahrzeugen, was prozentual zwischen 1,5 und 2,5 Prozent weniger wären als ursprünglich angedacht.

Laut den Analysten der LBBW sind Autohersteller und Zulieferer nun gefordert, die Engpässe so schnell wie möglich zu beseitigen. Wegen Vorlaufzeiten in der Chipbranche von drei bis neun Monaten gehen sie davon aus, dass die Lieferschwierigkeiten von Halbleiterbauteilen vom Spätsommer an weitgehend beendet sein dürften. Bedingung dafür sei aber, dass die Produktion der Chiplieferanten nicht durch Pandemieeffekte gebremst werde.

Quelle: magr./dpa
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