Automobile

„Marrakesch“ wird wohl doch in Wolfsburg gebaut

Aktualisiert am 24.09.2005
 - 17:08
Gute Nachricht für VW-Arbeiter in Wolfsburg?
Die gute Nachricht für die Arbeiter im VW-Stammwerk ist beinahe perfekt. Alle Zeichen deuten darauf hin, daß der neue Geländewagen Marrakesch doch in Wolfsburg gebaut wird. Rund 1000 Arbeitsplätze würden dadurch gesichert.

Volkswagen wird den geplanten kleinen Geländewagen Marrakesch aller Voraussicht nach doch in Wolfsburg bauen. Damit werden im Stammwerk des Konzerns rund 1000 Arbeitsplätze gesichert. Die endgültige Entscheidung über den Produktionsstandort soll am kommenden Montag abend fallen.

Am Samstag verstärkten sich die Zeichen, daß die Verhandlungen zwischen Vorstand und Betriebsrat in einem Kompromiß münden, der Volkswagen eine wirtschaftliche Fertigung des Geländewagens in Wolfsburg ermöglicht. Markenchef Wolfgang Bernhard hatte Ende August damit gedroht, den Marrakesch von 2007 an im Werk Palmela in Portugal zu fertigen. Dies sei gut 1000 Euro je Fahrzeug günstiger als am Alternativstandort Wolfsburg. Zuvor hatte Bernhard die ursprünglich projektierten Fertigungskosten schon um 2000 Euro je Auto gesenkt.

Abseits des VW-Haustarifs

Um den Geländewagen, wie zum Tarifabschluß 2004 grundsätzlich avisiert, doch noch im - momentan nur zu rund 65 Prozent ausgelasteten - Wolfsburger Werk bauen zu können, muß dieser in die Auto 5000 GmbH integriert werden, fordert Bernhard. In der Auto 5000 GmbH wird nicht nach dem teuren VW-Haustarif gearbeitet, sondern nach dem rund ein Fünftel niedrigeren Metall-Flächentarif. Außerdem richtet sich die Entlohnung der dort beschäftigten 3700 Mitarbeiter (von insgesamt knapp 50 000 im Werk Wolfsburg) nicht strikt nach der Arbeitszeit, sondern nach Einhaltung von Produktions- und Qualitätszielen. All dies hat zur Folge, daß der nach dem "5000 mal 5000"-Modell gebaute Minivan Touran eine deutlich höhere Rendite bringt als der Golf, der in Wolfsburg nach dem Haustarif gebaut wird.

Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte am Donnerstag erklärt, daß man sich aufeinander zu bewege, und seiner Hoffnung Ausdruck verliehen, "einen tragfähigen Kompromiß" zu erreichen. Auch diese Äußerung deutet stark darauf hin, daß der Geländewagen in der Auto 5000 GmbH in Wolfsburg gebaut werden kann, wobei im Gegensatz zum ursprünglichen Modell keine Arbeitslosen dafür eingestellt werden sollen. Statt dessen will VW dem Vernehmen nach zu einem großen Teil auf eigene Auszubildende zurückgreifen, die gemäß Tarifvertrag ohnehin übernommen werden müssen.

Richtungsweisende Lösung

Die Lösung für den Marrakesch wird auf jeden Fall Schule machen: "Das Kostengerüst für den Bau des kompakten Geländewagens wird zum Vorbild für alle neuen VW-Modelle", sagte Markenvorstand Reinhard Jung jüngst dieser Zeitung (F.A.Z. vom 8. September). Um die Marke VW aus der Verlustzone zu führen, sollen die Kosten bis 2008 um 7 Milliarden Euro gesenkt werden. Bei der Stammarke liegt also der größte Hebel, um den Vorsteuergewinn des Konzerns wie angekündigt binnen drei Jahren um 4 auf 5,1 Milliarden Euro zu erhöhen.

Unterdessen hat KPMG den VW-Aufsichtsrat mündlich über den bisherigen Stand der Aufklärung der Schmiergeldaffäre informiert. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft habe mehr als 750 Gigabyte Daten und umfangreiche Aktenbestände ausgewertet und damit rund 85 Prozent der relevanten Hinweise abgearbeitet, teilte VW mit, ohne sich zum Inhalt des Zwischenberichts zu äußern. Volkswagen erwägt, den Autovermieter Europcar und den IT-Dienstleister Gedas zu verkaufen oder an die Börse zu bringen.

Quelle: rit. / F.A.Z., 24.09.2005, Nr. 223 / Seite 11 mit Material von Reuters
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