Automobile

Porsche wird größter VW-Aktionär

Aktualisiert am 25.09.2005
 - 19:37
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Porsche will sich mit 20 Prozent an der Volkswagen AG beteiligen. Das teilte der Porsche-Konzern am Sonntag in Stuttgart mit. Der Autobauer aus dem Südwesten will VW damit auch vor einer möglichen feindlichen Übernahme schützen.

Porsche will sich mit 20 Prozent an der Volkswagen AG beteiligen. Dies gab der Sportwagenbauer am Sonntag bekannt. Porsche betonte, man wolle keinesfalls die Aktienmehrheit an Europas größtem Automobilhersteller erwerben.

Mit einem Anteil von 20 Prozent der stimmberechtigten Aktien, die an der Börse, gemessen am Schlußkurs vom Freitag, rund 3,3 Milliarden Euro kosten würden, wäre Porsche der größte VW-Aktionär vor dem Land Niedersachsen, das 18,2 Prozent der Stammaktien besitzt. Gemeinsam könnten diese beiden Anteilseigner also jegliche feindliche Übernahmeversuche verhindern, auch wenn das schützende VW-Gesetz eines Tages fällt.

Vorbeugung vor feindlicher Übernahme

Genau dies führt Porsche als Grund für den Einstieg an: „Unser Investment ist die strategische Antwort auf das Risiko einer feindlichen Übernahme von Volkswagen. Wir wollen damit im eigenen Interesse die Unabhängigkeit von VW sicherstellen. Die von uns angestrebte deutsche Lösung ist eine wesentliche Voraussetzung für eine stabile Entwicklung der Volkswagen AG und damit auch der Fortführung unserer Zusammenarbeit“, erklärte Porsche-Vorstandsvorsitzender Wendelin Wiedeking.

Porsche wolle durch dieses Engagement sowohl die Geschäftsbeziehungen zu VW als auch einen wesentlichen Teil der Zukunftsplanungen langfristig absichern. VW sei für Porsche ein wichtiger Entwicklungspartner sowie ein bedeutender Lieferant „für etwa 30 Prozent des Absatzvolumens“. Die beiden Unternehmen kooperieren zum Beispiel beim Bau der Geländewagen Touareg und Cayenne und haben kürzlich eine Technologie-Partnerschaft in der Hybridtechnik auf den Weg gebracht.

Wulff: „Große Chancen“

VW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder zeigte sich erfreut: Eine stabile Aktionärsstruktur sei für das langfristig angelegte Automobilgeschäft sehr wichtig. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hieß den Plan gut: „Darin liegen große Chancen, die Potentiale von Volkswagen bei Markenimage, Produktqualität und technischer Innovationskraft besser zu nutzen“, sagte Wulff der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Es sei gut, mit Porsche einen Aktionär zu bekommen, der auf den Standort Deutschland setze. Aber zunächst müsse man intensiv miteinander sprechen: „Porsche wird nur dann dauerhafter Großaktionär, wenn er sich mit uns auf die Strategie verständigt.“

Porsche will den Einstieg aus der vorhandenen Liquidität finanzieren. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen bislang weniger als 5 Prozent der VW-Stammaktien über die Börse erworben, was den deutlichen Kursanstieg in der jüngeren Zeit erklärt. Nun wolle man zügig auf 20 Prozent kommen. „Ob das noch dieses Jahr oder erst im kommenden Jahr gelingen wird, wissen wir noch nicht“, sagte ein Porsche-Sprecher. „Wir kaufen die Aktien entweder am Markt zu oder finden eine andere Lösung.“

„Erweiterung der Modellpalette nicht beeinträchtigt“

Wie es heißt, soll es dabei auch um die von VW gehaltenen eigenen Aktien sowie um das genehmigte Kapital bei VW gehen. Der Satzung nach kann VW die eigenen Aktien (13 Prozent der Stammaktien) allerdings nicht ohne einen bestimmten strategischen Geschäftszweck abgeben. Und eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrechtsausschluß der übrigen Aktionäre würde den VW-Gewinn je Aktie kräftig verwässern.

„Der Einstieg bei VW wird die Erweiterung unserer Modellpalette nicht beeinträchtigen“, betonte ein Porsche-Sprecher. Die vierte Baureihe Panamera werde deshalb nicht mit weniger Geld auskommen müssen. Jenseits strategischer Erwägungen handle es sich auch um eine attraktive Finanzanlage: „Wir gehen von steigenden Dividenden bei VW aus. Das ist attraktiver, als das Geld auf die Bank zu tragen.“

Hintergrund: Das VW-Gesetz

Nicht jeder Konzern kann sich auf ein eigenes Gesetz verlassen. Volkswagen macht dabei eine umstrittene Ausnahme. Das VW-Gesetz trat am 21. Juli 1960 in Kraft, als die Volkswagenwerk GmbH privatisiert und in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. 60 Prozent des Gesellschaftskapitals wurden veräußert, 40 Prozent verblieben zunächst bei Bund und Land. Der öffentlichen Hand sollten dennoch Mitspracherechte gesichert werden.

Dafür räumt das Gesetz dem Land Niedersachsen als größtem Einzelaktionär überproportionalen Einfluß ein. Kein anderer Aktionär kann zudem mehr als 20 Prozent der Stimmrechte ausüben, unabhängig davon, wie viele Anteile er am Unternehmen hält. Das Land ist heute mit 13,7 Prozent an VW beteiligt und hält 18,2 Prozent der stimmberechtigten Stammaktien. Die EU-Kommission sieht in dem VW-Gesetz einen Verstoß gegen das Recht auf freien Kapitalverkehr und leitete daher ein Verfahren gegen Deutschland ein. Wegen der Sonderregelung könnten ausländische Großinvestoren abgeschreckt werden, lautet die Befürchtung. (dpa)

Quelle: rit./hap./Frankfurter Allgemeine Zeitung
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