Bakterien im Bier

Guinness ruft sein Alkoholfreies zurück

Von Philip Plickert, London
12.11.2020
, 14:01
Ein Guinness-Bier von Hersteller Diageo
Der Getränkekonzern Diageo wollte mit der alkoholfreien Variante des irischen Biers hoch hinaus. Doch nach vierjähriger Entwicklung gibt es wegen einer Bakterien-Panne einen ärgerlichen Fehlstart.

Mit seinem neuen alkoholfreien Guinness-Bier geht der Getränkekonzern Diageo vorerst baden. Erst vor gut zwei Wochen wurde „Guinness 0.0“ mit großem Tamtam eingeführt. Es sei das „Guinness mit allem außer Alkohol“ – mit dem schön weichen Geschmack, dem perfekt ausgeglichenen Aroma und der einzigartigen dunklen Farbe.

Das Versprechen: 100 Prozent Guinness, 0 Prozent Alkohol. Von einem „außergewöhnlichen Tag für Guinness“ schwärmte Gráinne Wafer, der globale Markendirektor der seit 1759 bestehenden Brauerei in Dublin, die zum Diageo-Konzern gehört. Vier Jahre habe die Entwicklung gedauert, der Alkohol wird dabei in einem kalten Filterprozess herausgeholt.

Nun aber stellt sich heraus, dass „Guinness 0.0“ etwas anderes enthält: potentiell gefährliche Bakterien. Die Brauerei sieht sich daher gezwungen, die schon ausgelieferten Dosen in Großbritannien zurückzurufen. Eine „mikrobiologische Kontaminierung“ könnte sie für Konsumenten unsicher machen, teilte die Brauerei mit. Die Dosen werden als Vorsichtsmaßnahme aus den Supermarktregalen geräumt und schon verkauftes 0.0-Bier können Kunden zurückgeben. Es gehe aber nur um eine kleine Menge. Das alkoholfreie Bier sollte Anfang nächsten Jahres auch in Pubs serviert werden. Möglicherweise wird sich das nun verzögern.

Für Diageo ist die Bakterien-Panne ein ärgerlicher Fehlstart. Der global tätige Getränkekonzern (weitere Marken sind Johnnie-Walker-Whisky, Baileys, Smirnoff und Tanqueray-Gin) hat in der Corona-Krise schon erheblich gelitten. Der Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr, das zur Jahresmitte endete, fiel um fast 9 Prozent auf 11,8 Milliarden Pfund. Bier macht gut ein Siebtel der Diageo-Umsätze aus. Der Guinness-Absatz sank – vor allem wegen der monatelangen Pub-Schließungen – in Europa sogar um rund 20 Prozent.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Plickert, Philip
Philip Plickert
Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.
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