Banken

Großer Zahltag bei der Deutschen Bank

Von Christian von Hiller
08.02.2004
, 19:33
2,7 Milliarden Euro vor Steuern haben die knapp 10.000 Investmentbanker bei der Deutschen Bank an Gewinn gebracht. Die Bonuszahlungen fallen in diesem Jahr meist deutlich höher aus als ein Jahr zuvor.

Am Donnerstag, nach der Veröffentlichung des Jahresabschluß, war bei der Deutschen Bank der große Zahltag. Da gingen die Vorgesetzten durch den Händlersaal in der Großen Gallusstraße und verteilten den Investmentbankern im Großraum mit wichtiger Miene Briefumschläge. Monatelang beherrschte ein Thema die Gespräche der knapp 10 000 Investmentbanker, die weltweit noch bei der Deutschen Bank beschäftigt sind: Wie hoch wird der alljährliche Bonus ausfallen? Bekomme ich mehr oder weniger als die anderen? Immerhin hat sich das Ergebnis der Kapitalmarktsparte gegenüber 2002 fast verachtfacht. 2,7 Milliarden Euro vor Steuern haben sie der Bank Gewinn gebracht. Daran wollen die Investmentbanker ihren Teil.

"Seit Oktober, November laufen die Gespräche", berichtet ein Investmentbanker der Deutschen Bank. Viele seiner Kollegen können beruhigt sein: Dieses Jahr fallen die Zahlungen meist deutlich höher aus als ein Jahr zuvor. "Es dürften 30 bis 50 Prozent mehr gewesen sein", erzählt ein Wertpapierexperte der Deutschen Bank. "Damit liegen wir im Trend der gesamten Branche." Für die Investmentbanken war 2003 ein herausragender Jahrgang. "Für viele amerikanischen Banken war 2003, nach dem Jahr 2000, das zweitbeste Jahr in ihrer Geschichte", sagt der Banker einer amerikanischen Investmentbank in Frankfurt.

Weniger Garantieboni

Allerdings bestätigt sich auch in diesem Jahr ein Trend, der sich in der Branche durchsetzt: Die Banken zahlen immer weniger Garantieboni. Als die Dresdner Bank im Jahr 2000 den amerikanischen Spezialisten Wasserstein Perella in New York übernahm, gewährte sie ihren neuen Angestellten großzügige Zusatzzahlungen, nur dafür, daß sie blieben. 190 Millionen Euro kostete das die Dresdner Bank. Genützt hat es nichts. Wenige Jahre später waren die meisten dennoch weg.

Auch Zielboni sind bei der Deutschen Bank nicht mehr beliebt, sagte Vorstandssprecher Josef Ackermann. Oft werden sie trotzdem eingeräumt. So erhalten Wertpapierhändler ihren Jahreszuschlag häufig in Abhängigkeit des Umsatzes, den sie geschafft haben. Über eine andere Praxis bei der Deutschen Bank dagegen wird lieber hinter vorgehaltener Hand gesprochen: So erzählt ein Banker, der auf die Beratung bei Übernahmen und Fusionen (M&A im Branchenjargon) spezialisiert ist, daß bei ihm die Höhe des Bonus auch davon abhängt, welche Position die Deutschen Bank auf den Ranglisten der größten M&A-Berater einnimmt. Dies setzt einen Fehlanreiz: Die Bank beteiligt sich an Transaktionen, die sich für die Bank nicht lohnen.

Prämien in Form von Aktien

"Der größte Teil unserer Bonuszahlungen wird nach Ermessensspielraum gewährt", führte Ackermann aus. "Die werden im Nachhinein freiwillig gezahlt." Dieses Verfahren ist bei den großen angelsächsischen Konkurrenten der Bank längst üblich. Bei Goldman Sachs, Merrill Lynch, J.P. Morgan oder Morgan Stanley wird jeder Banker einer sogenannten "360-Grad-Beurteilung" unterzogen. Dabei werden sie nicht von ihren Vorgesetzten eingeschätzt, sondern auch von sämtlichen Kollegen, mit denen sie in der Bank zusammenarbeiten. Außerdem fließt die allgemeine Ertragslage der Bank ein, die Lage der Abteilung, die Leistung des Teams und das individuelle Abschneiden. "Im Grunde wird ein großer Topf festgelegt, der dann aufgeteilt wird", heißt es bei einer amerikanischen Bank in Frankfurt. Wieviel die Banken auszahlen, wird genauso diskret behandelt wie die Belohnung für jeden Einzelnen.

"Diejenigen, die performt haben, sind in diesem Jahr sehr gut bezahlt worden", beschreibt ein Deutschbanker in der Großen Gallusstraße die Maßgabe in diesem Jahr. "Die anderen nicht." Die Stars aus dem Zinsgeschäft - dem Rückgrat im Kapitalmarktgeschäft der Deutschen Bank - dürften ihren Bonus um 50 Prozent gesteigert, in manchen Fällen sogar verdoppelt haben. Die meisten Banker bekommen 20 bis 30 Prozent ihrer Prämie in Form von Aktien ausbezahlt. Diese werden entweder zu drei gleichen Teilen über drei Jahre verteilt ausbezahlt - so will es künftig Dresdner Kleinwort Wasserstein für ihre hochrangigen Angestellten handhaben. Oder sie werden den Glücklichen im Jahr 2008 zugeteilt. Zu diesem System geht die Deutsche Bank über. Dabei wird der Betrag durch den Aktienkurs geteilt, wobei der Monatsdurchschnitt Dezember als Maßstab gilt. Diese Zahl der Aktien wird dann in fünf Jahren zugeteilt, so daß jeder Nutznießer ein Interesse daran hat, daß der Aktienkurs bis dahin steigt.

Die meisten amerikanischen Investmentbanken haben die Boni schon ausgezahlt. Nun dürfte wieder das große Stühlerücken zwischen den Investmentbanken einsetzen. Denn viele Wechselwillige warteten nur noch die Auszahlung des Bonus ab. "Der Arbeitsmarkt ist wieder liquide", sagt ein Banker. Viele suchen eine andere Stelle, und viele Banken stellen schon wieder ein. Die Banker von Dresdner Kleinwort Wasserstein dagegen müssen sich noch etwas gedulden. Sie bekommen ihren Bonus erst in den nächsten Tagen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.02.2004, Nr. 32 / Seite 21
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