FAZ plus ArtikelGlyphosat und Impfstoff

Bayers Balanceakt um die Reputation

EIN KOMMENTAR Von Jonas Jansen
26.02.2021
, 20:13
Sachsen-Anhalt, Bitterfeld-Wolfen: Blick auf das Logo am Werk
Die Impfstoffproduktion ist für den Pharma- und Agrarchemiekonzern ein Segen, die Glyphosat-Klagen sind sein Fluch. Für die Zukunft des Konzerns könnten beide eine wichtige Rolle spielen.
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Es gibt Unternehmen, die gerne poltern, Bayer gehört nicht dazu. Aber manchmal schaltet auch der Pharma- und Agrarchemiekonzern vom Abwehr- in den Angriffsmodus. Als „pure Polemik“ hat der Dax-Konzern gerade erst einen Vorwurf der Grünen aus dem Europäischen Parlament gekontert, die dem Unternehmen Steuermanipulation vorwerfen. In einem anderen Blogeintrag wehrt sich Bayer gegen einen Fernsehbericht zum Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat: In einem acht Minuten langen Video zerpflücken eine Bayer-Mitarbeiterin und ein Ackerbauer jede Szene des ARD-Beitrags, um die aus ihrer Sicht falsche Darstellung über die Schadhaftigkeit des Wirkstoffs geradezurücken.

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Bayer kämpft um seine Reputation. Das Unternehmen, das lange synonym für die „Apotheke der Welt“ stand, steht unter Druck. Durch die 63 Milliarden Dollar schwere Übernahme des amerikanischen Saatgutkonzerns Monsanto haben sich die Leverkusener nicht nur zahlreiche Rechtsrisiken, sondern auch einen Imageschaden eingekauft. Der Glyphosat-Streit hat Bayer tiefrote Zahlen beschert, gleichzeitig kann das Unternehmen seine zugekauften Vorteile im Agrarbereich derzeit viel weniger ausspielen als erhofft, was zu milliardenschweren Wertberichtigungen führte. Die Lage ist verzwickt: Während die amerikanische Umweltbehörde EPA den Wirkstoff Glyphosat als unbedenklich einstuft, stehen Bayer 125000 Kläger gegenüber, die dem Mittel vorwerfen, krebserregend zu sein. Bayer beruft sich auf wissenschaftliche Studien, die das Gegenteil behaupten. Gleichzeitig sind die Bauern im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten die fleißigsten Anwender von Glyphosat.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Jansen Jonas
Jonas Jansen
Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.
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