FAZ plus ArtikelmRNA-Technologie

Keine schnelle „Wunderwaffe“ gegen Krebs

Von Thiemo Heeg
04.10.2021
, 05:54
Impfstoffproduktion: BioNTech-Mitarbeiterin am Standort in Marburg
BioNTech testet gerade ein mRNA-Vakzin an Darmkrebspatienten. Es gibt Anlass zu neuen Hoffnungen. Doch generell stehe man noch am Anfang, sagen Experten.
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Krebs gehört zu den Krankheiten, vor denen sich viele Menschen am meisten fürchten. Mit einer solchen Diagnose ist Hoffnungslosigkeit und je nach Art des Tumors der Geruch des Todes verbunden. Insofern werden neue Nachrichten aus der Onkologie nicht nur von Patienten gerne mit großer Hoffnung aufgesogen. Das umso mehr, als Corona eine Technologie ins Scheinwerferlicht gestellt hat, die neue Perspektiven eröffnet: die mRNA-Therapie, auf der auch die Covid-19-Impfstoffe von Moderna und von BioNTech basieren.

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mRNA-Impfstoffe funktionieren im Fall von Covid so: Sie enthalten den Bauplan für einen bestimmten Virus-Bestandteil, damit so letztlich das Immunsystem aktiviert wird und Antikörper bildet. Im Fall von Krebsimpfungen geht es nicht um Viren, sondern um Tumorzellen, also entartete Zellen. Das Vakzin soll, genau wie im Fall von Corona, die eigene Abwehr in die Lage versetzen, solche Zellen zu erkennen und zum Beispiel mit Antikörpern zu bekämpfen. „Man muss sagen, dass der mRNA-Impfstoff bei Corona seine Stärke noch gar nicht voll ausspielt“, sagt Niels Halama, Leiter der Abteilung Translationale Immuntherapie und Oberarzt und Leiter der Forschungsgruppe Adaptive Immunotherapie am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg. Denn die liege darin, dass man die Sequenz der mRNA ganz individuell anpassen könne. „Die Strategie, dem Körper mithilfe der mRNA eine Nachricht zu geben, was getan werden soll, hat natürlich ein riesiges Potential!“

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Eine Tablette gegen Covid?

Eine zweite überraschende Studiennachricht machte Ende vergangener Woche die Runde: Der amerikanische Pharmakonzern Merck & Co. gab Untersuchungsergebnisse bekannt, wonach ein Therapeutikum namens Molnupiravir in Tablettenform das Risiko für Krankenhauseinweisung und Tod bei ambulant behandelten Covid-19-Patienten erheblich reduzieren könnte – um 50 Prozent. Molnupiravir wurde ursprünglich als Grippemedikament entwickelt und blockiert die Vermehrung des Virus in der Zelle, indem es als falscher Baustein in das Erbgut eingebaut wird und dort Mu­tationen verursacht. Merck will nun so schnell wie möglich eine Notfallzulassung bei der US-amerikanischen Ge­sundheitsbehörde FDA und Zulassungen bei anderen internationalen Behören er­reichen.

Eine solche Pille wäre tatsächlich, wie von Konzernchef Davis betont, ein wichtiges Medikament im Kampf gegen die Pandemie – zumal die Pharmaindustrie bislang in erster Linie mit Impfstoffen Erfolge feierte, weniger dagegen mit Arzneien für schon Betroffene. Ex­perten reagierten positiv auf die Merck-Nachricht, mahnten aber zugleich Zu­rückhaltung an. Der Wirkstoff werde Impfungen selbstverständlich nicht überflüssig machen. Sollten sich die Ergebnisse aber bestätigen, wäre das eine sehr vielversprechende Therapieoption, hieß es.

Quelle: tih.
Thiemo Heeg - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Thiemo Heeg
Redakteur in der Wirtschaft.
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