FAZ plus ArtikelBiotech-Unternehmen Innophore

Mit Künstlicher Intelligenz die Epidemie bekämpfen

Von Michaela Seiser, Wien
09.06.2021
, 06:23
Gut maskiert: Innophore-Mitarbeiterin im Schutzanzug vor dem Rechner.
Das österreichische Unternehmen Innophore prognostiziert die Gefahr von Virusmutationen mit Hilfe von moderner Technik. Von den aktuellen Corona-Varianten schätzt es eine als besonders bedrohlich ein.
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In Goldgräberstimmung suchen viele Unternehmen Therapien gegen das Coronavirus. Eines davon ist die Grazer Bioinformatikschmiede Innophore. Ihre Forscher haben sich auf die digitale Medikamentenentwicklung und Enzymsuche mithilfe von Künstlicher Intelligenz spezialisiert. Zur Anwendung kommt das etwa für die Voraussage von Corona-Mutationen. Dadurch können Medikamente und Impfstoffe schneller an Mutationen angepasst werden. Internationale Partner und Kunden sind etwa die Universität Harvard, Google, Merck, Henkel und SignalChem.

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Im Vergleich zur Konkurrenz sehen die Forscher ihre Methodik als Besonderheit: Innophore vergleicht einen anderen Teil der Datenbasis als Mitbewerber in der digitalen Medikamentenentwicklung, die vor allem Struktur und Sequenz von Proteinen analysieren. Untersucht wird in Graz dagegen im Prinzip der leere Raum, in dem Medikamente an das Protein andocken. Dadurch entdecken die Forscher Neues. Dafür wurden Ende des vergangenen Jahres zwei Patente in den Vereinigten Staaten und Europa erteilt.

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Goldgräberstimmung

Corona wirkt als Katalysator für schnellere Medikamentenentwicklung. Diese könnte künftig ohne Tierversuche stattfinden. Das ist aus ethischer Sicht gut, aber auch, weil Tiere nicht das perfekte Modell für die Medikamentenentwicklung für den Menschen sind. In den zurückliegenden Jahrzehnten sind sehr viele wissenschaftliche Daten über den Menschen generiert worden – das vollständige Genom wurde entschlüsselt. Zusätzlich wurden viele aufwendige Vorhersagemodelle kreiert. Künstliche Intelligenz und Deep Learning (die Anwendung künstlicher neuronaler Netze mit vielen Schichten – daher „tiefes“ Lernen – auf die Lösung komplexer Aufgabenstellungen durch Lernen aus Beispieldaten, etwa in Sprach- und Bilderkennung) reduzieren den Aufwand und beschleunigen die Computerexperimente. Das führt zu einer Euphorie in der Arzneientwicklung. Seit Ausbruch von Covid sind nach Angaben eines amerikanischen Verbandes mehr als 600 Medikamente darauf erprobt worden, ob sie gegen Covid helfen – die meisten sind schon gegen eine andere Krankheit zugelassen oder in Entwicklung. Normalerweise braucht die Entwicklung neuer Medikamente zehn bis fünfzehn Jahre. (ela.)

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Seiser, Michaela (ela.)
Michaela Seiser
Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.
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