Aufschwung nach Corona

Würth sucht 1500 Verkäufer

Von Susanne Preuß, Stuttgart
19.01.2021
, 11:53
Die Corona-Krise hat tiefe Spuren in wichtigen Geschäftsbereichen hinterlassen. Doch der Schraubenhersteller glaubt an einen Boom nach der Pandemie.

Wie es weitergeht, weiß natürlich auch Robert Friedmann nicht, Corona hat eine eigene Agenda. Aber der Chef des Würth-Konzerns ist optimistisch: Er hält es für plausibel, dass es einen Boom nach der Pandemie geben könnte, wie von vielen Konjunkturforschern angekündigt. „Wir wollen dieses Jahr 1500 Verkäufer zusätzlich einstellen“, kündigt er an – womit die Außendienst-Mannschaft auf 34.500 Mitarbeiter anwachsen würde und die Gesamtbelegschaft auf mehr als 80.000 Beschäftigte. Die Arbeit dieser Verkäufer sieht unterdessen heute ganz anders aus, als noch vor einem Jahr: „Das Telefon hat eine Renaissance erlebt“, scherzt Friedmann im Gespräch mit der F.A.Z.

Der Erfolg der Vertriebsmannschaft spiegelt sich in den Geschäftszahlen für das vergangene Jahr wieder. Demnach hat das Unternehmen, das Befestigungs- und Montagetechnik vertreibt, den Umsatz um knapp ein Prozent auf 14,4 Milliarden Euro gesteigert und damit ein Betriebsergebnis von unverändert 770 Millionen Euro erzielt. So etwas hat man bei Würth im vorigen Frühjahr nicht einmal in den kühnsten Träumen erwartet. Im April sackte der Umsatz um 21 Prozent ab: „Da wurden wir schon unruhig“, berichtet Friedmann.

Anstrengende Zeiten

Ab Juli drehte die Entwicklung wieder ins Plus, November und Dezember waren dann schon wieder die umsatzstärksten Monate seit zwei Jahren. So groß die Bandbreite zeitlich war, so unterschiedlich sind auch die Entwicklungen nach Branchen. Jene Würth-Gesellschaften, die mit Autoindustrie oder Maschinenbau zu tun haben, schlossen mit zweistelligem Umsatzminus ab, während es ein zweistelliges Plus in der Division Bau (1,2 Milliarden Euro) und im Elektrogroßhandel in Deutschland (1,3 Milliarden Euro) gab.

Für Joachim Kaltmaier, der in der Würth-Führung die Finanzen verantwortet, waren das entsprechend anstrengende Zeiten. Problematisch sei, dass ausgerechnet die am stärksten von den Corona-Folgen getroffenen Gesellschaften zu den traditionell renditestarken gehören, während die Margen in den zuletzt stark gewachsenen Unternehmensteilen nicht so gut waren.

Dass unterm Strich trotzdem ein stabiles Ergebnis ausgewiesen wird, hängt auch damit zusammen, dass Corona für alle die Bewegung eingeschränkt hat und sich das bei Würth sehr stark bemerkbar macht, wo die klassische Arbeit der Außendienstler darin besteht, im Auto zu den Kunden zu fahren, vom Autohändler bis zum Schreiner. Rund 100 Millionen Euro habe man an „Mobilitätskosten“ eingespart, berichtet Friedmann. Neben den Kosten für Dienstwagen machen sich dabei die Kosten für Konferenzen bemerkbar.

Allein die traditionelle Planungskonferenz im Herbst, zu der üblicherweise rund tausend Mitarbeiter aus aller Welt in die Zentrale nach Künzelsau im nördlichen Baden-Württemberg anreisen, schlage mit einem sechsstelligen Betrag zu Buche – wenn sie denn nicht wie im vorigen Jahr digital stattfinde, berichtet Friedmann. Ganz in diesem Modus will man bei Würth keinesfalls bleiben, aber in den „normalen“ Zeiten soll künftig ein Reisekosten-Budget ausreichen, das halb so groß ist wie vor Corona-Zeiten.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, Würth wolle 2000 zusätzliche Vertriebsmitarbeiter einstellen. Das Unternehmen hat die Angabe im Nachhinein korrigiert.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Preuss, Susanne
Susanne Preuß
Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.
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