Brandgefahr

Auch Toyota rückt von umstrittenem Kältemittel ab

22.08.2013
, 17:58
Das alte Kältemittel R134a gilt als klimaschädlich.
Nachdem der Autobauer Daimler ein neues Kältemittel für Klimaanlagen wegen möglicher Brandgefahr boykottiert, hat sich der Hersteller Toyota in Europa nun angeschlossen.
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Wegen des schwelenden Streits über das neue Klimaanlagen-Kältemittel „R1234yf“ ist der Autobauer Toyota in Europa zur alten Substanz zurückgekehrt. Nach Daimler ist Toyota somit der zweite Autobauer, der das Mittel vorerst nicht mehr verwenden möchte, weil Furcht vor einer eventuellen Brandgefahr herrscht.

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Die Umstellung der Produktion habe Ende vergangenen Jahres begonnen und sei im Frühsommer abgeschlossen worden, sagte ein Sprecher des deutschen Ablegers des japanischen Weltmarktführers am Donnerstag. Betroffen seien drei Modelle, in denen das umstrittene Gas R1234yf zeitweise zum Einsatz gekommen sei. Derzeit würden wegen der in der Öffentlichkeit herrschenden Verunsicherung alle Fahrzeuge in Europa mit dem Kühlmittel R134a befüllt. Dieses Gas war bislang in der Branche üblich, ist jedoch als Klimakiller verschrien. Das neue Mittel gilt zwar als umweltschonender, ist aber wegen seiner Brennbarkeit in der Kritik. Gegen die Verwendung kämpft vor allem Daimler.

Der Stuttgarter Autobauer weigert sich, das Kühlmittel in einige Neuwagen zufüllen, nachdem es sich bei Crashtests entzündet hatte. Daimlers Widerstand treibt die EU-Kommission auf die Barrikaden, denn die seit Jahresbeginn verschärften Klimaschutzvorschriften der Brüsseler Behörde erfüllt R1234yf als einziges Kühlmittel.

Der Toyota-Sprecher sagte, bei der Umstellung auf die bisher verwendete Substanz habe es keine Probleme gegeben. Für die drei betroffenen Modelle - Prius Plus, Lexus GS und den Sportwagen GT86 - hätten bestehende Typgenehmigungen vorgelegen. In diesem Fall darf das bislang verwendete Kühlmittel eingefüllt werden. Einen Zeitplan, wie lange die alte Substanz weiter verwendet werde, gebe es nicht, sagte der Sprecher. Die weitere Entwicklung hänge auch von den Untersuchungsergebnissen des Kraftfahrtbundesamts (KBA) ab. Diese sollen Mitte September vorliegen. In einem Vorabbericht hatte die Behörde R1234yf nach Tests als sicher, aber nicht ungefährlich eingestuft.

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Der amerikanische Hersteller Honeywell wirft einem Medienbericht zufolge dem KBA bedenkliche Prüfmethoden vor, weil das Kältemittel unter unüblichen Bedingungen erprobt worden sei. In einem Brief halte die Geschäftsleitung dem Behördenchef vor, dass die Tests „mit Blick auf ein erwartetes Resultat entwickelt, durchgeführt und im Verlauf der Testreihen solange angepasst wurden, bis das gewünschte Ergebnis endlich erzielt wurde“. Ein KBA-Sprecher sagte, er kenne das Schreiben nicht.

Nur wenige betroffene Autos auf deutschen Straßen

Auf Deutschlands Straßen fahren indes nur wenige Autos mit dem neuen Kältemittel. Von Januar bis Ende Juni wurden laut KBA knapp 43.300 damit ausgestattete Fahrzeuge neu zugelassen – bei insgesamt 1,5 Millionen Pkw Neuanmeldungen. Vor allem ausländische Hersteller wie Hyundai, Kia und Chevrolet setzen das umstrittene Kältemittel ein. Auf die Marken Toyota und Lexus entfielen demnach gut 1700 Fahrzeuge. Als einziger deutscher Autobauer verwendet Opel - wie Chevrolet eine Marke des amerikanischen Herstellers GM - die Substanz, und zwar in den Klimaanlagen des Geländewagens Mokka. Volkswagen mitsamt seiner Tochtergesellschaften Audi und Porsche sowie BMW vermeiden den Streit und nutzen Ausnahmen in den EU-Regeln, die Übergangsfristen bis Ende 2016 vorsehen.

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Daimler klagt in Frankreich vor dem obersten Verwaltungsgericht gegen einen Zulassungsstopp, der in dem Kältemittel-Streit verhängt wurde. Am Freitag will der Staatsrat (Conseil d’Etat) die Parteien anhören.

Quelle: Reuters
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