Baden-Württemberg

Kretschmanns Werbetour für eine Brennstoffzellenfabrik

Von Oliver Schmale
13.04.2022
, 18:44
Hier wirbt der Chef selbst: 
 Ministerpräsident Winfried Kretschmann (l.) und Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle
Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hält ein flammendes Plädoyer für eine Brennstoffzellenfabrik am Fuß der Schwäbischen Alb – wenige Tage vor einem Bürgerentscheid darüber.
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Der Auftritt von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) in Weilheim an der Teck am Fuß der Schwäbischen Alb ist ungewöhnlich. Wenige Tage vor einem Bürgerentscheid über ein geplantes Gewerbegebiet, in dem Cellcentric, ein Gemeinschaftsunternehmen von Daimler Truck und Volvo , eine Fabrik für Brennstoffzellen errichten will, wirbt er offensiv für das Vorhaben. Normalerweise mische er sich nicht ein, sagt der Grünen-Politiker am Dienstagabend, als er im Pulk mit Bürgermeister Johannes Züfle (parteilos) die Flächen anschaut, die bebaut werden sollen.

Kretschmann und die Landesregierung engagieren sich seit Monaten für das Projekt. Für ihn ist es auch eine Frage des Wirtschaftsstandorts Baden-Württemberg und anstehenden Umbauprozesses im Autoland. Es gehe um die Zukunft der Mobilität und zugleich zählt er auf, wo überall in Deutschland gerade neue Hightech-Standorte entstehen. Er nennt Tesla in Brandenburg, Intel in Sachsen-Anhalt und die Batteriefabrik Northvolt in Schleswig-Holstein.

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„Dann haben wir richtig schlechte Karten“

„Baden-Württemberg kommt in dieser Aufzählung nicht vor.“ Deshalb betont er, Brennstoffzellen seien eine absolute Schlüsseltechnologie für die klimaneutrale Welt von morgen. Der gegenwärtige Wandel habe die Kraft, die Industrielandkarte völlig neu zu schreiben – in Deutschland und überall auf der Welt. Dabei würden Arbeitsplätze verloren gehen und es würden neue Arbeitsplätze entstehen, so Kretsch­mann. Es sei jedoch nicht gesagt, dass diese neuen Arbeitsplätze auch im Südwesten entstünden. „Denn wenn wir keine neuen Unternehmen von außerhalb gewinnen und wir dann auch noch unseren alteingesessenen Unternehmen nicht den nötigen Raum geben, dann haben wir richtig schlechte Karten.“

Der Grünen-Politiker warnt davor, dass Baden-Württemberg den Anschluss an andere Länder verlieren könne. „Aber im Ruhrgebiet konnte es sich auch niemand vorstellen, als es noch in voller Blüte stand.“ Der Bürgerentscheid ist für 24. April angesetzt. Die Bevölkerung soll darüber abstimmen, ob die etwa 30 Hektar große Gewerbefläche „Rosenloh“ gebaut und für lokale Unternehmen sowie für Unternehmen mit klimarelevanten Technologien zur Verfügung stehen soll.

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Alternative Antriebe für schwere Lastwagen

Cellcentric will nach eigenen Angaben alternative Antriebe für schwere Lastwagen entwickeln. Die Brennstoffzellentechnologie ist klimaneutral, vorausgesetzt, der dabei eingesetzte Wasserstoff wird mithilfe erneuerbarer Energien gewonnen. Die mögliche Fabrik soll auf einem 15 Hektar großen Gelände in dem Gewerbegebiet entstehen. Entscheiden sich die Bürger für die Ausweisung des Gebiets, könnten die Bauarbeiten kommendes Jahr und die Produktion spätestens Anfang 2026 beginnen, wie eine Cellcentric-Sprecherin mitteilte. Angaben zur Höhe der möglichen Investition wurden nicht gemacht. Insgesamt sollen in der Fabrik einmal rund 800 Menschen arbeiten, dabei sollen bis zu 450 neue Arbeitsplätze entstehen. Daimler Trucks setzt auf den Batterieantrieb bei Lastwagen und zugleich auf die Brennstoffzelle bei der Langstrecke. In puncto Reichweite, Tankzeiten, Gewicht und Alltagstauglichkeit hätten Transportunternehmen damit Vorteile gegenüber Batterie-Lastwagen.

Die VW-Nutzfahrzeugholding Traton setzt hingegen nur auf die Batterie-Strategie. Wie bei den Autos hält das Unternehmen mit Marken wie MAN und Scania sie auch bei den Sattelschleppern für die einzige Lösung. Lastwagen müssen ihren CO2-Ausstoß im Vergleich zu 2019 bis 2030 um mindestens 30 Prozent senken. So will es die EU. Andernfalls drohen den Herstellern immense Strafen.

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Reichlich Fördermittel in Aussicht

Bürgermeister Züfle spricht von einer bedeutenden Zukunftsentscheidung für Weilheim. Projektgegner kritisierten hingegen den großen Flächenverbrauch des Vorhabens. Die Landesvorsitzende des BUND, Sylvia Pilarsky-Grosch, betont: „Mit der zur Abstimmung gestellten Frage wird der von Cellcentric und anderen gewünschte Flächenverbrauch zementiert, anstatt darüber nachzudenken, wie viel Fläche man wirklich braucht, und Flächeneinsparmöglichkeiten zu fördern.“ Auch Industrieunternehmen könnten und müssten heutzutage in den Geschossbau gehen. „Das mag zwar manchmal schwierig sein, ist aber notwendig zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlage Boden.“

Sollten die Bürger sich für das Gewerbegebiet entscheiden, kann Cellcentric mit reichlich Fördermitteln rechnen. Auch von der Europäischen Union. Insgesamt könnten deutlich über 500 Millionen Euro aus verschiedenen Töpfen fließen.

Quelle: F.A.Z.
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