Terminal Tollerort

Chinas Staatsreederei kauft sich im Hamburger Hafen ein

Von Christian Müßgens, Hamburg
21.09.2021
, 17:28
Kunde und Besitzer: Ein Containerfrachter von Cosco liegt am Terminal Tollerort
100 Millionen Euro zahlt Cosco, um ein gutes Drittel an einem der Containerterminals zu übernehmen. Der Hafen feiert den Schritt als Sieg im Kampf um Ladung – doch es gibt auch Kritik.

Im Juni war zum ersten Mal bekannt geworden, dass die Hamburger Hafen und Logistik AG, kurz HHLA, mit der chinesischen Staatsreederei Cosco über eine Beteiligung am Containerterminal Tollerort in der Hansestadt verhandelt, dem CTT. In Hamburg hatte das viel Aufsehen erregt, denn Beteiligungen an den Terminals durch ausländische Großreedereien, in anderen Hafenstädten längst Standard, gibt es dort bislang kaum.

Jetzt sind sich die beiden Partner einig geworden. Wie die HHLA am Dienstag mitteilte, steigen die Chinesen mit rund 35 Prozent in der Hafenanlage südlich der Elbe ein. Das sei ein wichtiger Baustein, „um Auslastung und Beschäftigung im Hamburger Hafen zu sichern“, hieß es.

Cosco ist schon seit vielen Jahren ein wichtiger Kunde der HHLA. Die Transporte des Unternehmens stehen für einen großen Teil des Chinaverkehrs in Hamburg, der zuletzt für fast ein Drittel des gesamten Containerumschlags an den örtlichen Terminals sorgte. Der Anleger Tollerort, einer von drei großen Anlegern der HHLA in Hamburg, spielt dabei eine wichtige Rolle, denn dort werden unter anderem die größten Containerschiffe von Cosco mit Stellplätzen für 20.000 Standardcontainer (TEU) und mehr abgefertigt. Wie aus Unterlagen hervorgeht, die Cosco an der Börse in Hongkong hinterlegt hat, zahlen die Chinesen für die Beteiligung rund 100 Millionen Euro.

Für die Vorstandsvorsitzende der HHLA, Angela Titzrath, ist der Einstieg der Chinesen ein wichtiger Schritt im Kampf um Ladung. „Die maritime Welt ist derzeit sehr starken Veränderungen ausgesetzt“, ließ sie sich zitieren. Der Hamburger Konzern und sein chinesischer Partner verfolgten „gleichermaßen das Ziel einer logistischen Zukunftssicherung des CTT und noch stärkeren Verzahnung chinesischer Logistikströme am Standort Hamburg.“

Konkret soll sich dort Cosco Shipping Ports Limited beteiligen, eine Tochtergesellschaft des Cosco-Konzerns. Sie ist rund um die Welt aktiv und hatte sich in Europa unter anderem am griechischen Hafen Piraeus beteiligt. Mit der Minderheitsbeteiligung an der Betreibergesellschaft des Anlegers Tollerort, bislang vollständig in Besitz der HHLA, solle die Hamburger Hafenanlage zu einem „Preferred Hub“ in Europa werden, also einem bevorzugten Umschlagplatz, hieß es am Dienstag von Cosco. „Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit unserem Partner HHLA die vorhandenen Potenziale zu entfalten und den Standort erfolgreich weiterzuentwickeln.“

Hamburg steht seit Jahren im harten Wettbewerb mit anderen Häfen an der Nordsee. Wegen der Lage weit im Hinterland und damit nah an Absatzmärkten in Mittel- und Osteuropa hat die Stadt einige Vorteile, aber die lange Hängepartie um die Elbvertiefung hat Marktanteile gekostet, ebenso wie Veränderungen unter den Kunden, den internationalen Reedereien. Im ersten Halbjahr dieses Jahres war die Entwicklung weitergegangen. Zwar steigerte Hamburg den Containerumschlag im Rückenwind des derzeitigen globalen Booms um 5,5 Prozent auf 4,3 Millionen TEU, andere Standorte wie Rotterdam oder die bremischen Häfen legten aber noch viel kräftiger zu.

Kritik kommt von der Gewerkschaft Verdi. Sie fürchtet einen wachsenden Druck auf die Beschäftigten und die Tarifverträge, wenn Cosco als ausländischer Investor mit einem wesentlichen Anteil am Tollerort beteiligt ist. Die HHLA versucht dagegen, die Bedenken zu zerstreuen. Durch den Einstieg der Chinesen solle der Terminal mehr Ladung bekommen, wodurch es mehr Arbeit für die Beschäftigten gebe, heißt es dort. Auch der Hamburger Senat heißt die Einigung mit Cosco gut.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Müßgens, Christian
Christian Müßgens
Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.
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