F.A.Z. exklusiv

Commerzbank will Filialnetz halbieren

Von Hanno Mußler
21.01.2021
, 19:08
Die Filialschließungen werden sich über mehrere Jahre erstrecken. Welcher Zweigstellentyp noch gefragt ist und wie viele Arbeitsplätze im Filialgeschäft der Commerzbank bedroht sind, zeichnet sich jetzt immer deutlicher ab.

Dass die Commerzbank im großen Stil Filialen schließen wird, ist seit dem Sommer klar. Doch durch das plötzliche Ausscheiden des Vorstandsvorsitzenden Martin Zielke und des Privatkundenvorstands Michael Mandel haben sich Beschlüsse verzögert. Der neue Vorstandsvorsitzende Manfred Knof und die neue Privatkundenchefin Sabine Schmittroth haben ihre eigene Sicht auf die Dinge. Am 11. Februar will die Commerzbank nun ihre Strategie veröffentlichen. Am Donnerstag berichtete das „Manager-Magazin“, die Commerzbank werde ihr Filialnetz auf 400 Standorte verringern. Nach Informationen der F.A.Z. ist diese Zahl etwas zu hoch gegriffen. Demnach werden 400 bis 500 Filialen übrig bleiben. Darunter werden kaum reine Service-Filialen mit nur zwei Mitarbeitern sein. Vielmehr will die Bank in jeder Filiale auch Beratung etwa im einfachen Wertpapiergeschäft anbieten.

Abrupte Filialschließungen nicht sinnvoll

Gleichwohl bedeuten die Pläne einen harten Einschnitt in das Filialnetz und einen tiefen Arbeitsplatzabbau. Lange hatte die Commerzbank 1000 Standorte, während der Pandemie waren zeitweise mehr als die Hälfte geschlossen, und 200 Filialen machen auch gar nicht mehr auf. Aus diesen Erfahrungen hat man gelernt, dass es anspruchsvoll ist, 200 Filialen jährlich zu schließen. Die Zahl gilt nun als Obergrenze, denn die Kunden sollen weiter an die Bank gebunden werden. Dafür müssen sie idealerweise vor einer Filialschließung mit der nächstgelegenen Filiale und einem nahen Bargeldautomaten vertraut gemacht werden. Zudem sollten neue Zugangswege zur Bank – online über Computer, Smartphone oder per Telefon – mit Hilfe der noch geöffneten Filiale erprobt werden.

150 Filialschließungen jährlich gelten als realistisch

Deshalb läuft es wohl darauf hinaus, dass die Commerzbank nun jedes Jahr etwa 150 Filialen schließt, bis dann womöglich ab 2023 ein Netz von 400 bis 500 Standorten steht. Allen von einer Filialschließung betroffenen Mitarbeitern im Alter ab 55 Jahren dürfte ein Altersteilzeitvertrag, Jüngeren dagegen Qualifizierungsmaßnahmen angeboten werden. Außerdem sind Abfindungsangebote wahrscheinlich. Ob das ausreicht, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, ist unklar. Allein im Filialgeschäft, wo gut 10.000 Mitarbeiter für die Commerzbank arbeiten, sind mindestens ein Drittel der Arbeitsplätze bedroht.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Mussler, Hanno
Hanno Mußler
Redakteur in der Wirtschaft.
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