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Autonomes Fahren

Continental kauft Künstliche Intelligenz für Roboterautos

Von Christian Müßgens
 - 10:07
Der Autozulieferer Continental setzt auf Künstliche Intelligenz. Bild: dpa

Selbstfahrende Autos gehören zu den Hoffnungsträgern der Fahrzeugbranche, aber ihre Entwicklung ist teuer und zeitraubend. Um schneller voranzukommen, stärkt der Autozulieferer Continental jetzt seine Position in einer Technologie, die für diesen Prozess essentiell ist: Künstliche Intelligenz (KI).

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Nach Angaben des Dax-Konzerns aus Hannover hat er sich mit Partnern an einer Finanzierungsrunde für Cartica AI aus Israel beteiligt und hält jetzt einen Minderheitsanteil an dem Start-up, das sogenanntes maschinelles Lernen beschleunigen will und dafür auf neue Methoden setzt. Diese, so die Hoffnung von Conti, könnten ein „Entwicklungsturbo für die Objekterkennung“ werden.

Bislang ist viel menschliche Arbeit nötig, um den für Roboterautos erforderlichen Programmen beizubringen, wie sie durch den Straßenverkehr steuern. So setzen Anbieter oft auf sogenanntes Human labelling, in dem Spezialisten massenhaft Bilder oder Videos manuell mit Beschriftungen, den Labels, versehen, um Maschinen beizubringen, was etwa Straßenschilder bedeuten oder welche Verkehrssituationen ein bestimmtes Verhalten erfordern.

Selbstständiges Lernen soll Kosten sparen

Cartica AI hingegen setzt auf „Unsupervised Learning“: Algorithmen, die der Funktion des Gehirns nachempfunden sind, sorgen dafür, dass die Software durch Auswertung großer Datenmengen selbständig lernen kann. Dies spare Zeit und Kosten, so Conti. Der Konzern sehe große Chancen, „dass mit Hilfe der Cartica-Software zukünftig neue Fahrzeugsysteme verschiedener Unternehmen und Hersteller schneller für den Einsatz auf der Straße vorbereitet werden können“.

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Ihren Ursprung hat die Technologie in dem 2007 gegründeten Unternehmen Cortica, das heute Büros in Tel Aviv, New York und Haifa hat. Mit dem Ansatz des Unsupervised Learning hatte dieses Start-up an Lösungen für verschiedene Branchen gearbeitet und unter anderen die russische Gruppe Mail.ru und Horizons Ventures, die Investmentgesellschaft des chinesischen Milliardärs Li Ka-Shing, als Geldgeber gewonnen.

Auch dem Tesla-Gründer Elon Musk wurde vergangenes Jahr Interesse an einer Beteiligung nachgesagt, was dieser aber bestritt. An der Finanzierungsrunde für die Ausgründung Cartica, die sich speziell auf Fahrzeugtechnik konzentriert, beteiligt sich Conti zusammen mit BMW-I-Ventures, einem Risikokapitalgeber des Münchner Automobilherstellers, Toyota-AI-Ventures und der Crowdfunding-Plattform Our Crowd. Ziel sei es, „die Cartica AI-Software für die gesamte Fahrzeugindustrie zu sichern und so die schnelle Implementierung von KI-Technologien für die sichere Mobilität der Zukunft zu fördern“, heißt es von Conti. Über die genaue Höhe der Beteiligung wurde zunächst nichts bekannt.

KI-Fachleute im eigenen Haus

Auch andere Unternehmen der Autobranche setzen auf Partnerschaften, um selbstlernende Systeme schneller voranzubringen. So hat sich Volkswagen am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, kurz DFKI, beteiligt. Zudem arbeitet der Wolfsburger Konzern unter anderen mit dem Chiphersteller Nvidia zusammen. Conti hatte zuletzt Partnerschaften mit der Universität Oxford, der Forschungsgruppe Berkeley Deep Drive und ebenfalls mit dem DFKI geschlossen.

Zudem beschäftigt der Konzern, der wegen der Umbrüche in der Branche an vielen Stellen unter Druck steht, knapp 500 KI-Fachleute im eigenen Haus. Bis Ende 2021 sollen es nach früherer Planung etwa 700 werden. Die Beteiligung an Cartica AI als Risikokapitalgeber bilde nun „die dritte Säule unserer Aktivität im Umfeld der KI“, sagt Demetrio Aiello, Leiter der Forschungsabteilung Künstliche Intelligenz und Robotik von Conti. Dabei gehe es darum, aussichtsreiche Jungunternehmen mit Kapital zu fördern.

Cartica-Geschäftsführer Igal Raichelgauz sagte, die erfolgreiche „Serie-B-Finanzierung“ – ein Fachbegriff für Kapitalerhöhungen, die Start-ups in der Regel in einem relativ frühen Stadium ihrer Expansion bekommen – durch Conti, BMW und die weiteren Geldgeber sei eine „substantielle Bestätigung“ für das Geschäftsmodell und die Technologie des Unternehmens. Er betonte, dass die Software ausgereift und schnell einsatzbereit sei. Sie beruhe auf mehr als zehn Jahren Forschung und sei mit mehr als 200 Patenten abgesichert.

Quelle: F.A.Z.
Christian Müßgens
Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.
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