Längere Lieferzeiten

Wie der Corona-Ausbruch Miele-Mitarbeiter und Kunden trifft

Von Christian Müßgens, Hamburg
01.03.2021
, 16:58
Der Hausgerätehersteller stoppt die Produktion im Euskirchener Werk und weiteren Fabriken. Mehr als 200 Angestellte sind in Quarantäne.

Die Corona-Pandemie hat dem Hausgerätehersteller Miele in den zurückliegenden Monaten ein gewaltiges Auf und Ab beschert. Im Frühjahr vergangenen Jahres standen Teile der Produktion während der ersten Infektionswelle still. Im zweiten Halbjahr folgte dann ein Nachfrageboom, der bis heute andauert und dafür sorgt, dass Kunden auf bestimmte Waschmaschinen, Geschirrspüler, Trockner oder Staubsauger mindestens sechs Wochen warten müssen, in Einzelfällen sogar noch länger.

Genau in dieser Situation wird das Familienunternehmen aus Gütersloh jetzt von Infektionen in einer Fabrik ausgebremst, die dafür sorgen können, dass sich die Lieferzeiten für Kunden weiter verlängern. Wie Miele vor wenigen Tagen mitgeteilt hatte, müssen wegen eines Corona-Ausbruchs im Euskirchener Werk in dieser Woche fünf weitere Werke die Produktion herunterfahren. Am Montagnachmittag hat das Unternehmen die Angaben weiter präzisiert.

206 Mitarbeiter sind in Quarantäne

Nach Angaben eines Sprechers wurde die Staubsaugerproduktion im Werk in Bielefeld schon am Montag gestoppt, da Motoren aus der Fabrik in Euskirchen fehlen. Die Herstellung von Wäschetrocknern im tschechischen Unicov soll von Dienstag an stillstehen. Am Mittwoch folgt dann die Produktion von Geschirrspülern in Bielefeld sowie die Waschmaschinenwerke am Stammsitz in Gütersloh und im polnischen Kasawerów.

Betroffen ist auch der Standort Warendorf, der von Mittwoch an stillstehen soll, weil die Gerätewerke derzeit seine Kunststoffkomponenten nicht brauchen. Die Elektronikwerke in Gütersloh und Brasov in Rumänen können dagegen weiterproduzieren. Auch die Produktion von Geräte für professionelle Großkunden in den Werken Bielefeld und Lehrte laufe derzeit weiter, hieß es. Gleiches gelte für ein Komponentenwerk in Österreich und ein Staubsaugerwerk in China. Drei Werke für Küchengeräte in Arnsberg, Bünde und Oelde seien ebenfalls nicht betroffen, da sie keine Teile aus Euskirchen brauchten.

In Euskirchen, wo Miele Motoren für einen großen Teil seiner Hausgeräte fertigt, waren zuvor 18 Mitarbeiter positiv getestet worden. Bei zehn von ihnen war die britische Mutante festgestellt worden. Wie Miele am Freitag mitteilte, mussten sich daraufhin 206 Mitarbeiter bis einschließlich 9. März in Quarantäne begeben. In dem Werk sind den Angaben zufolge insgesamt 500 Menschen beschäftigt. Nach dem Ende der Quartantäne soll die Arbeit schnell wieder losgehen. „Nach heutigem Stand ist geplant, dass die heruntergefahrenen Werke am 10. März wieder mit der Produktion starten“, hieß es am Montag von Miele.

Miele gehört zu den bekanntesten Herstellern hochwertiger Hausgeräte auf der Welt. Neben Staubsaugern und Geräten zur Wäschepflege stellt das Unternehmen auch Küchengeräte her. Die Produktion dieser Produkte sei durch die Schwierigkeiten nicht betroffen, da sie keine Teile aus Euskirchen benötigten, teilte das Unternehmen mit.

Die ersten Infektionen sind dem Unternehmen zufolge bereits am Dienstag nachgewiesen worden. Daraufhin sei bei allen 500 Beschäftigten des Euskirchener Werkes eine Reihentestung durchgeführt worden. Laut Miele ist unklar, wie das Virus in den Betrieb gelangte und sich dort ausbreitete. Es gebe keine Hinweise darauf, dass dies auf unzureichende Schutzmaßnahmen zurückzuführen sei, hieß es in der Stellungnahme.

Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen den Umsatz um 6,5 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro gesteigert. Nach heftigen Einbußen im März und Mai sei der Sommer gut gelaufen und die zweite Jahreshälfte in Summe herausragend gewesen, hatte das Management im Februar mitgeteilt. In Deutschland hat Miele 1,33 Milliarden Euro umgesetzt, ein Plus von 8,8 Prozent. Auch in Frankreich, Österreich und der Schweiz legte Miele zu, ebenso wie in Osteuropa und China.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Müßgens, Christian
Christian Müßgens
Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.
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