Von zweiter Jahreshälfte an

Evonik will Biontech mit Lipiden für Impfstoff beliefern

Von Jonas Jansen und Ilka Kopplin
11.02.2021
, 11:41
In der Impfstoffproduktionsanlage von Biontechanlage in Marburg
Der Spezialchemiekonzern und das Biotechunternehmen haben ihre Partnerschaft verstärkt. Die Lieferungen der Lipide sind wichtig, damit Biontech sein Lieferziel einhalten kann.
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Der Essener Spezialchemiekonzern Evonik baut kurzfristig seine Produktion von Lipiden aus, um den Impfstoffhersteller Biontech zu beliefern. Schon in der zweiten Jahreshälfte sollen an den Standorten Hanau in Hessen und Dossenheim in Baden-Württemberg die Lipide hergestellt werden, die für den Transport der mRNA in die Zellen so wichtig sind. Biontech hatte gerade den Start der Impfstoffproduktion im dafür umgebauten Werk in Marburg angekündigt, wo im ersten Halbjahr 250 Millionen Dosen entstehen sollen.

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„Die Pandemie erfordert entschlossenes Handeln“, sagt Evonik-Chef Christian Kullmann. „Wir machen daher alles möglich, um unsere Partner mit kritischen Lipiden zu beliefern. Zugleich bauen wir unsere Kompetenzen und Kapazitäten entlang der gesamten Wertschöpfungskette aus.“

Die Lipide, also vereinfacht gesagt synthetische Fette, schließen in zusammengesetzten Partikeln die mRNA ein, was sie auf dem Weg in die Zellen schützt, wo sie freigesetzt werden. Biontech nutzt für das mit Pfizer gemeinsam entwickelte Corona-Vakzin vier verschiedene Lipide, darunter Cholesterin. Hinzu kommen noch verschiedene Salze und Zucker.

Auch Merck produziert Lipide

Evonik ist schon seit längerer Zeit ein Entwicklungspartner für genbasierte Therapien, die Essener sind deshalb an mehreren Projekten zur Impfstoffentwicklung beteiligt. Neben der Lipid-Herstellung entwickelt der Spezialchemiekonzern auch Formulierungen, in denen Hilf- und Wirkstoffe verbunden werden. Außerdem stellt Evonik sogenannte klinische Prüfmuster her und produziert und füllt die Stoffe ab. Neben Evonik stellt auch der Darmstädter Pharmakonzern Merck Lipide in Deutschland her.

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Vor kurzem hatte Merck angekündigt, die Produktion von Lipiden für das Biontech-Vakzin zu beschleunigen und Ende des Jahres auch steigern zu wollen. „Wir gehen davon aus, dass wir pro Jahr über einige hundert Kilogramm reden. Wobei das für einen chemischen Prozess sehr kleine Mengen sind“, sagte Merck-Vorstandschef Stefan Oschmann im Gespräch mit der F.A.Z.

Die Produktion sei sehr komplex und auf der Welt gebe es nur eine Hand voll Unternehmen, die Lipide in entsprechender Qualität und Menge liefern könnten, sagte der Manager. „Die Herstellung ist ziemlich kompliziert und besteht aus vielen organischen Syntheseschritten. Außerdem müssen Lipide stark aufgereinigt werden, all das passiert unter strengen hygienischen Bedingungen (GMP)“, sagte er. Gemeinsam mit Biontech arbeite man in einem Team daran, die Prozesse zu beschleunigen. „Bei vielen Produktionsprozessen in der Biotechnologie gibt es Templates, also eine Art Kochrezept. Für mRNA gibt es so etwas noch nicht“, sagte er.

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Evonik ist gut durch die Krise gekommen

Evonik entwickelt bislang Lipid-Nanopartikel in Burnaby in Kanada und produziert in Birmingham im amerikanischen Bundesstaat Alabama. „Mit der Akquisition der in Burnaby ansässigen Transferra Nanosciences haben wir 2016 gezielt in diese vielversprechende Technologie investiert“, sagt Thomas Riermeier, der das Geschäftsgebiet Health Care bei Evonik leitet. Anfang des vergangenen Jahres hatten die Essener zudem den amerikanischen Hersteller Wilshire Technologies gekauft, der pflanzliche Produkte für die Pharmaindustrie produziert.

Der Aktienkurs von Evonik lag am Donnerstag leicht im Plus, insgesamt ist das M-Dax-Unternehmen vergleichsweise gut durch die Corona-Pandemie gekommen. Anfang März legt der Spezialchemiekonzern seine Jahreszahlen vor. Analysten erwarten, dass der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um etwa 1 Milliarde Euro auf 12 Milliarden Euro sinken dürfte. Evonik hatte zuletzt aber die Erwartungen der Analysten übertroffen, die Essener hatten zuletzt ein bereinigtes operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) zwischen 1,8 Milliarden und 2 Milliarden Euro (2019: 2,15 Milliarden Euro) in Aussicht gestellt.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Jansen Jonas
Jonas Jansen
Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.
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Autorenporträt / Kopplin, Ilka
Ilka Kopplin
Wirtschaftskorrespondentin in München.
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