Nach Biontech und Pfizer

Modernas Corona-Impfung zu 94,5 Prozent wirksam

Von Ilka Kopplin
Aktualisiert am 16.11.2020
 - 16:29
Ein Proband in Detroit erhält im August 2020 die Moderna-Impfung.
Nach Biontech legt nun auch der amerikanische Konzern Moderna erste Daten aus der großen klinischen Studie des Corona-Vakzins vor. Diese fallen sehr positiv aus. Bald soll der Zulassungsantrag folgen.

Im Wettlauf um einen wirksamen Corona-Impfstoff hat jetzt der amerikanische Biotechkonzern Moderna erste Daten zur Wirksamkeit und Stabilität des eigenen Vakzins aus seiner großen klinischen Studie mit zigtausenden Probanden veröffentlicht. Danach hat die Impfung der Amerikaner eine Wirksamkeitsrate von 94,5 Prozent erreicht. In den nächsten Wochen will Moderna eine Notfallzulassung bei der amerikanischen Arzneimittelbehörde beantragen. Die Europäische Arzneimittelagentur leitete am Montag zudem einen beschleunigten Zulassungsprozess für den Impfstoff ein.

Dies sei ein entscheidender Moment in der Entwicklung des Vakzins. „Seit Anfang Januar haben wir dieses Virus mit der Absicht verfolgt, weltweit so viele Menschen wie möglich davor zu beschützen“, sagte Moderna-Vorstandschef Stéphane Bancel. Diese positive Zwischenanalyse sei nun die erste klinische Validierung, dass „unsere Impfung Covid-19 verhindern kann, auch schwere Verläufe“, sagte er.

An der Börse kamen die Nachrichten sehr gut an. Der Aktienkurs des an der amerikanischen Nasdaq gelisteten Unternehmens legte am Mittag vorbörslich um mehr als 17 Prozent zu. Auch der Dax zog an. Der amerikanische Immunologe und Regierungsberater Anthony Fauci sagte nach Angaben des Fernsehsenders CNN: „Besser wird es nicht - 94,5 Prozent sind wirklich hervorragend“. Seiner Einschätzung zufolge könnten die ersten Impfungen in den Vereinigten Staaten im Dezember bei Hochrisikogruppen beginnen, der breite Rest der Bevölkerung könnte eher ab Ende April dran sein. „Und das wird in den Mai, Juni und Juli hineingehen. Das wird ein paar Monate dauern.“

Die Daten, die von einem unabhängigen Komitee überprüft wurden, basieren demnach auf denen von 95 mit dem Coronavirus infizierten Probanden. Es habe keine schweren Nebenwirkungen gegeben. 90 der Probanden hatten demnach ein Placebo erhalten, fünf das auf dem Botenstoff mRNA basierende Vakzin mit dem Namen mRNA-1273. Die noch fortlaufende große klinische Studie mit mehr als 30.000 Probanden im Alter von 18 Jahren an wird seit Ende Juli in Amerika durchgeführt und wird final mit 151 infizierten Probanden ausgewertet. Zudem wurden in der ersten Zwischenanalyse auch elf schwere Corona-Fälle überprüft. Diese Probanden hatten alle das Placebo erhalten.

Bis zu 20 Millionen Dosen noch in 2020

Solche Zwischenanalysen sind in groß anlegten Studien üblich. Konkret wird nach einer bestimmten Anzahl mit dem Virus infizierter Probanden die so genannte Verblindung der Daten aufgehoben, also die Geheimhaltung der Gruppenzuordnung, und überprüft, wie viele der infizierten Probanden zuvor ein Placebo, und wie viele den Impfstoffkandidaten erhalten hatten.

Von den nun 95 analysierten Fällen seien 15 Personen 65 Jahre und älter gewesen. 20 Probanden gehörten ethnisch anderen Gruppen an, darunter zwölf Menschen mit hispanischen oder lateinamerikanischem und vier mit afroamerikanischem Hintergrund.

Das Mainzer Biotech-Unternehmen Biontech mit Partner Pfizer hatte in der vergangenen Woche Daten aus der großen zulassungsrelevanten Studie mit rund 44.000 Probanden vorgestellt. Auf Basis der Zwischenanalyse hat die Impfung eine Wirksamkeitsrate von mehr als 90 Prozent. Das Tübinger Biotechunternehmen Curevac arbeitet wie die anderen Unternehmen ebenfalls mit der gleichen Technologie, die auf den Botenstoffen mRNA basiert, ist in der Entwicklung allerdings noch nicht so weit fortgeschritten. Am Montagnachmittag erklärte die EU-Kommission, man habe mit Curevac einen Vertrag über den Kauf von bis zu 405 Millionen Dosen des Impfstoffes abgeschlossen.

Zudem legte Moderna Daten zur Stabilität des Vakzins vor, also unter welchen Lager- und Transportbedingungen es wirksam und stabil bleibt. Danach benötigt der Impfstoff keine extrem niedrigen Temperaturen, sondern bleibt bei normalen Kühlschranktemperaturen von zwei bis acht Grad 30 Tage lang stabil und kann bis zu sechs Monate bei minus 20 Grad Celsius gelagert werden kann. Der Impfstoff von Biontech und Pfizer muss dagegen bei minus 70 Grad versendet und gelagert werden, bei normalen Kühlschranktemperaturen kann er fünf Tage gelagert werden.

In diesem Jahr will Moderna noch bis zu 20 Millionen Dosen, im nächsten Jahr zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Dosen produzieren. Dafür arbeiten die Amerikaner auch mit Auftragsfertigern zusammen, in Europa beispielsweise mit Lonza in der Schweiz. Zum Vergleich: Biontech und Pfizer wollen in diesem Jahr noch 50 Millionen Dosen und 2021 bis zu 1,3 Milliarden Dosen bereitstellen. Schon vorab hatten sich Regierungen bei den Herstellern hunderte Millionen Dosen gesichert.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Kopplin, Ilka
Ilka Kopplin
Redakteurin in der Wirtschaft.
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