Wirksamkeit von 47 Prozent

CureVac-Impfstoff ist nicht so wirksam wie erhofft

Von Ilka Kopplin
17.06.2021
, 08:31
Impfstoff des Tübinger Unternehmens CureVac.
Der Impfstoff des Tübinger Impfstoffherstellers CureVac erreicht nur eine Wirksamkeit von 47 Prozent. Die Aktie reagiert stark - und bricht vorbörslich um mehr als die Hälfte ein.
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Der Tübinger Impfstoffhersteller CureVac muss einen herben Rückschlag verkraften. Wie das seit vergangenem Jahr an der Nasdaq notierte Unternehmen am späten Mittwochabend mitteilte, hat das Corona-Vakzin in einer zweiten Zwischenanalyse von 134 Fällen „statistische Erfolgskriterien“ nicht erreicht. Die zulassungsrelevante Überprüfung mit rund 40.000 Probanden soll jedoch weitergeführt werden, hieß es. Der Börsenkurs sackte am Donnerstag um mehr als die Hälfte ab. Vorbörslich brachen die Titel beim Broker Lang & Schwarz zuletzt um 56 Prozent ein auf 34,75 Euro.

Demnach erzielte das Vakzin, das ebenso wie die Impfstoffe der Konkurrenten BioNTech und Moderna auf der mRNA-Technologie basiert, in einer „bislang beispiellosen Umgebung mit mindestens 13 Varianten“ nur eine Wirksamkeit von 47 Prozent gegen eine Covid-19-Erkrankung jeglichen Schweregrades, hieß es in der Mitteilung. Erste Analysen hätten gezeigt, dass die Wirksamkeit von der untersuchten Altersgruppe und den Virusstämmen abhänge.

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Zuletzt waren zunehmend Zweifel an dem Impfstoff aufgekommen, da das Tübinger Biotechunternehmen das Vakzin eigentlich noch im zweiten Quartal zur Zulassung bringen wollte. Im Frühjahr hatte das Unternehmen aufgrund der Vielzahl der Varianten schon das Studienprotokoll anpassen müssen. Vor einigen Tagen hatte es wiederum schon in Berliner Kreisen rund um Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geheißen, der Impfstoff komme nicht vor August. Diese Nachricht hatte den Aktienkurs damals schon auf Talfahrt geschickt. Auf der jüngst vom Bundesgesundheitsministerium veröffentlichten Liste der Impfstoff-Lieferplanungen war Curevac nicht zu finden.

Die Impfkampagne in Deutschland bringt der Rückschlag dem Ministerium zufolge nicht durcheinander. „Eine Auswirkung auf das Tempo unserer Impfkampagne hat diese Mitteilung nicht“, sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums am Donnerstag in Berlin. Die Nachrichten über vorläufige Studienergebnisse könne das Ministerium nicht kommentieren.

Nur ein Fall mit ursprünglicher Virusvariante

„Wir hatten auf stärkere Ergebnisse in der Zwischenanalyse gehofft, haben aber gesehen, dass es bei dieser beispiellosen Bandbreite an Varianten eine Herausforderung darstellt, eine hohe Wirksamkeit zu erzielen. Wir setzen die Studie bis zur finalen Analyse mit mindestens 80 weiteren Fällen fort. Die endgültige Wirksamkeit könnte sich noch verändern“, sagte Vorstandschef Franz-Werner Haas.

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Die Studie wird in zehn Ländern in Lateinamerika und Europa durchgeführt. In der zweiten Zwischenanalyse wurden 134 Fälle untersucht, die mindestens zwei Wochen nach der zweiten Impfung auftraten, hieß es. Von diesen wurden nach Angaben des Unternehmens 124 sequenziert, um die Varianten zu identifizieren, die die jeweilige Infektion ausgelöst haben. Demnach habe es sich in nur einem Fall um das ursprüngliche Virus gehandelt. Mehr als die Hälfte der Fälle seien durch sogenannte besorgniserregende Varianten („Variants of Concern“) verursacht worden.

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Die meisten der verbleibenden Fälle habe es demnach in weniger erforschten Varianten wie Lambda oder C.37, die zuerst in Peru, und B.1.621, die zuerst in Kolumbien auftrat, gegeben. Dabei sei eine Wirksamkeit bei jüngeren Studienteilnehmern registriert worden, während keine Rückschlüsse auf die Wirksamkeit bei mehr als 60 Jahre alten Teilnehmern möglich gewesen seien. Die Daten seien nun an die europäische Arzneimittelbehörde EMA übermittelt worden.

Konkurrenten waren in der Entwicklung schneller

Vor rund einem Jahr war der deutsche Staat mit rund 300 Millionen Euro in das Tübinger Unternehmen eingestiegen. Im Spätsommer folgte der Gang an die New Yorker Technologiebörse Nasdaq. Doch während die Konkurrenten Moderna und BioNTech mit Partner Pfizer schon vor rund einem halben Jahr erste Zulassungen in wichtigen Märkten erhielten, startete CureVac erst Ende vergangenen Jahres mit der zulassungsrelevanten Studie. In den vergangenen Monaten wurden mehrere Vakzine zugelassen und millionenfach auf der Welt verimpft. Zur gleichen Zeit traten jedoch weitere Virusvarianten auf, die das ursprüngliche Virus, auf das der CureVac-Impfstoff und dessen Studienprotokoll ausgelegt waren, zunehmend verdrängten.

Vorstandschef Haas sagte: „Aufgrund der variantenreichen Umgebung zeigt sich darüber hinaus, dass die Entwicklung von Impfstoffen der zweiten Generation sehr wichtig ist, da immer neue Varianten auftreten.“ An einer zweiten Generation eines Corona-Impfstoffkandidaten arbeiten die Tübinger in einer Partnerschaft mit dem britischen Pharmakonzern Glaxo-Smith-Kline (GSK). Voraussichtlich im dritten Quartal werde man damit eine klinische Studie beginnen und plant die Markteinführung vorbehaltlich der Genehmigung der Behörden im kommenden Jahr.

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Kritik am Staatseinstieg

Heftige Kritik am Einstieg des deutschen Staates bei CureVac kam am Donnerstag abermals von deutschen Top-Ökonomen. „Der Fall CureVac zeigt wieder einmal, dass Politiker keineswegs die besseren Investoren sind“, sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Gabriel Felbermayr, der Nachrichtenagentur Reuters. „Der Staat ist ohne Not in das Unternehmen eingestiegen, das ja im letzten Frühjahr auch genügend private Investoren gefunden hatte.“

Der Bund hält über die Förderbank rund 16 Prozent an CureVac, größter Investor ist der SAP-Gründer Dietmar Hopp mit fast 47 Prozent. Felbermayr hatte bereits nach dem Staatseinstieg vor rund einem Jahr die Entscheidung scharf kritisiert, ebenso wie der damalige Chef der Wirtschaftsweisen, Lars Feld. „Mit traumwandlerischer Sicherheit hat der Bund denjenigen der beiden Impfstoffhersteller erwählt, der es nun nicht schafft, rechtzeitig einen wirksamen Impfstoff auf den Markt zu bringen“, sagte das langjährige Mitglied des Sachverständigenrates.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Kopplin, Ilka
Ilka Kopplin
Wirtschaftskorrespondentin in München.
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